Mittwoch, 30. Januar 2019 19:30 Händel-Haus

Musik hinterfragt

Vortragsreihe: Der „hei-in-die-knochenfahrende Rhythmus“ des Bauhauses

Der „hei-in-die-knochenfahrende Rhythmus“ des Bauhauses

Referent: Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus

Ort: Händel-Haus, Romanisches Gebäude

Im Jahr 2019 wird das 100jährige Bauhaus-Jubiläum gefeiert. Musik bildete am Bauhaus keine eigenständige Disziplin: Weder boten die Lehrkräfte Kompositions- oder Musiktheorie als Fach an, noch wurde Instrumental- oder Gesangsunterricht gegeben. Jedoch nahmen viele Bauhausangehörige jede Möglichkeit wahr, Strömungen zeitgenössischer Musik kennen zu lernen. Besonders in der Bauhaus-Woche 1923 in Weimar spielte Musik eine besondere Rolle. Diese Woche diente als Rückschau, kritische Selbstbefragung und Orientierung nach vier Jahren Bauhaus-Entwicklung. Sie wurde von einem kleinen Fest neuer Musik begleitet, bei dem u.a. Komponisten der so genannten Novembergruppe teilnahmen. Doch auch Igor Strawinsky reiste aus Paris an, um seine „Geschichte des Soldaten“ zu erleben.

Synästhetische Ansätze verbanden verschiedene Bauhaus-Meister mit der Musik. So pflegte Johannes Itten in seiner Weimarer Zeit einen intensiven Austausch mit dem Zwölftonkomponisten Josef Matthias Hauer. Paul Klee wiederum konnte sich lange Zeit nicht entscheiden, ob er als Geiger oder Maler tätig wird. Und Lyonel Feiningers Begeisterung für die Musik Johann Sebastian Bachs führte sogar dazu, dass er selbst Fugen komponierte. Musik spielte auch auf der Bauhausbühne eine wichtige Rolle, beispielsweise bei den expressionistischen Bühnenwerken Lothar Schreyers in Weimar, bei László Moholy-Nagys experimentellen Bühnenprojekten der Bühnenwerkstatt oder bei Oskar Schlemmers Triadischen Ballett für das Paul Hindemith u.a. eine Neukomposition schuf.

Als musikalischer Exportschlager und Geheimtipp fungierte nicht zuletzt die legendäre „Bauhauskapelle“. Nach einem Auftritt 1924 in Berlin war der Journalist Kole Kokk begeistert: „Sie sind die beste Jazzband, die ich je toben hörte“. Die Bauhauskapelle selbst warb für sich: „wir spielen unsere musik, einen hei-in-die-knochenfahrenden ryhthmus! der schlägt ein!“.

Der Vortrag bietet einen kursorischen Überblick über das Thema Musik am Bauhaus zum 100. Geburtstag der Institution.

Tickets:
freier Eintritt

Spannende Themen und hochkarätige Referenten erwarten Sie bei der beliebten populärwissenschaftlichen Vortragsreihe „Musik hinterfragt“. Fachexperten sprechen unter Einbeziehung von Klangbeispielen über musikalische Themen, die mit der Arbeit der Stiftung Händel-Haus verbunden sind oder durch besondere Anlässe, wie Jubiläen, auf breiteres Interesse stoßen. Den Vorträgen schließt sich meist eine offene Diskussion an, bei der die Anwesenden das Gehörte „hinterfragen“ können.

Dank der Unterstützung des Freundes- und Förderkreises des Händel-Hauses zu Halle e. V. sind die Vorträge für die Zuhörer kostenfrei.