Wunsch nach würdiger Erinnerungsstätte

Wegen der nun allgemein bekannten historischen Bedeutung standen das Eckhaus und auch das Nachbargebäude in der Gefahr, zu Spekulationsobjekten zu werden.

Schon längere Zeit bedrängten Händel-Freunde aus aller Welt die Stadtväter, das Geburtshaus Händels zu einer „würdigen Erinnerungsstätte auszubauen“. Das Händel-Haus aber wurde stattdessen 1896 an das Bankhaus H. F. Lehmann veräußert. Bemühungen des 1918 gegründeten hallischen Händelvereins und ebenfalls des englischen Händel-Forschers Newman Flower, das Haus 1922 zu erwerben, scheiterten. Der neue Besitzer, der Kaufmann Heinrich Lifschitz, hatte einen übermäßig hohen Kaufpreis gefordert. Inzwischen war in der Festschrift für das hallische Händelfest 1922 von Bernhard Weißenborn der erneute und diesmal lückenlose Nachweis darüber vorgelegt worden, dass die Familie Händel das Eckhaus Große Nikolaistraße/Kleine Ulrichstraße besessen habe.

Doch erst nach jahrelangen Verhandlungen konnte das Händel-Haus im Jahre 1937 von der Stadt Halle für die damals sehr hohe Summe von 31.710,- RM gekauft werden. Mit dem Ziel, hier endlich ein Händel-Museum einzurichten, stellte man den Mietern andere Wohnungen zur Verfügung. Das leer stehende Gebäude aber, das schon bei den Kaufverhandlungen als „im schlechten baulichen Zustand“ bezeichnet worden war, wurde dem Verfall preisgegeben. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges verhinderte die geplante Instandsetzung. Umso erfreulicher war es, dass sich der damalige Kulturreferent beim Magistrat in Halle, Dr. Herbert Koch (1894–1979), vorausschauend um einen sinnvollen Aufbau von Sammlungen bemühte. Ihm sind Ankäufe wertvoller Einzelstücke zu verdanken, die noch heute den Grundbestand der Sammlung historischer Musikinstrumente bilden. Im wesentlichen war es nämlich auch das Verdienst dieses engagierten Musikwissenschaftlers, dass die inzwischen angesammelten musealen Objekte während der Kriegsjahre zum Teil ausgelagert und danach wieder ohne große Verluste zurückgeführt werden konnten.

Tipp: Wir empfehlen die Publikationsreihe „Händel-Haus-Mitteilungen“ des Freundes- und Förderkreises: Dr. Herbert Koch und sein Beitrag zur Händelpflege (1994/Heft  2, S. 32ff.)