Über Sternstunden, Sammlungen und Spekulationen

Das Händel-Haus erzählt für die Jahre 1685–1703 die Geschichte der Geburts- und Wohnstätte Georg Friedrich Händels. Doch was ist mit den vielen anderen Geschichten, die hier geschrieben wurden?

Nehmen wir beispielsweise die Baugeschichte. Sie erzählt, bisweilen nur bruchstückhaft rekonstruierbar, von Umbauten und dem Zukauf von Nachbargrundstücken, was auf halber Strecke zu wilden Spekulationen Anlass gab über die Frage: Was war und ist das „richtige“ Händel-Haus?

Dass wir uns heute im „richtigen“ Händel-Haus befinden, sei an dieser Stelle vorweggenommen. Woher wir das wissen und vieles mehr lesen Sie in den einzelnen Menüpunkten.

Doch werfen Sie zunächst einen Blick in unsere Chronik – hier die wichtigsten Eckpunkte zum prominenten Eckhaus in der halleschen Altstadt:

Das Haus im Besitz wechselnder Privateigentümer: bis 1666

1558   
Erstmals wird das Haus in den Akten erwähnt. Sein damaliger Besitzer und Bewohner: Christoph Nopel.

1571
Der Sohn von Christoph Nopel, Hieronymus Nopel, wird Eigentümer des Hauses.

1595
Johann Neigenfindt, Assessor beim Schöppenstuhl, erwirbt das Anwesen für 1.400 Gulden.

1630
Dem herzoglichen Kammerdiener Georg Bley gehört das Haus. Im Gebäudeteil „Zum gelben Hirsche“ wird in- und ausländischer Wein ausgeschenkt.

Das Haus im Besitz der Familie Händel: 1666–1784

1666
Georg Händel, herzoglicher Kammerdiener und Leibchirurg, erwirbt das Eckhaus für 1.310 Gulden.

1685
Am 23. Februar wird sein Sohn Georg Friedrich Händel in dem Haus „Am Schlamm“ geboren. Er lebt hier bis zu seiner Abreise nach Hamburg im Jahre 1703.

1697
Georg Friedrich Händels Vater stirbt und hinterlässt das Anwesen seiner Witwe und seinen Kindern.

1708
Händels Schwester Dorothea Sophia heiratet. Anlässlich ihrer Vermählung wird der nördliche Teil des Familiengrundstücks „separirt“ – für einen eigenen Hausstand Dorothea Sophias. Dieses Grundstück entspricht heute der Kleinen Ulrichstraße 38 – seit 1888 auch „Schützei“ genannt.

1730
Georg Friedrich Händels Mutter stirbt. Eine Erbin des Anwesens ist die Tochter von Händels Schwester Dorothea – Johanna Friederica Michaelsen, die Nichte Händels.

1771
Nach dem Tod von Johanna Friederica, verehelichte Flörcke, heiratet deren zweite Tochter, Dorothea Luise, den halleschen Ratsmeister Friedrich August Reichhelm. Dieser lässt das renovierungsbedürftige Haus wieder aufbauen, um damit Georg Friedrich Händel ein Denkmal zu setzen. Die Vollendung dieses Planes scheitert am plötzlichen Tod des Ratsmeisters.

Das Haus im Besitz von Kaufleuten: 1784–1937

1783
Mit einem Taxwert von 1.885 Talern wird das Haus zur öffentlichen Versteigerung angeboten.

1784
Der Kaufmann Christian Friedrich Pohlmann kauft das Händel’sche Haus und betreibt darin einen Kolonial- und Materialwarenhandel.

1817
Friedrich Wilhelm Rüprecht übernimmt das Haus samt Materialwarenhandel und erweitert das Geschäft – um eine Destillation, eine Tabakfabrik und eine Niederlassung von Lackfabrikaten.

1827
Rüprecht erwirbt auch das Nachbargrundstück des Händel’schen Hauses – eine der Ursachen für die späteren Missverständnisse und Streitigkeiten darüber, was denn nun das „richtige“ Händel-Haus sei.

1872
Der Sohn Rüprechts verkauft das Händel’sche Haus an den Kaufmann Wilhelm Richard Fuß.

1896
Dieser verkauft es weiter an das Bankhaus H. F. Lehmann.

1922
Das Händel-Haus geht in den Besitz des Kaufmanns Heinrich Lifschütz über – obwohl sich der Hallische Händel-Verein und der englische Händel-Forscher Newman Flower ebenfalls um den Ankauf bemüht hatten.

1932
Ein gewisser Philipp betreibt einen Möbelhandel im Händel-Haus.

Das Haus im Besitz der Stadt Halle: 1937–2007

 1937
Die Stadt Halle kauft das Händel-Haus und beginnt, die Einrichtung eines „Musikmuseums der Stadt“ vorzubereiten. Hierfür werden Sammlungen angelegt; mit der Herausgabe einer Schriftenreihe des Händelhauses wird begonnen.

1948
Im Händel-Haus öffnet das Musikmuseum der Stadt Halle seine Pforten – nach einer nur zweijährigen Phase des Umbaus und der Wiederherstellung.

1983
Das Händel-Haus wird eine Abteilung des neu gegründeten „Händel-Zentrums“.

1985
Zum 300. Geburtstag Georg Friedrich Händels wird die Erweiterung des Museums vorgenommen, indem historische Nachbargebäude einbezogen werden.

1992
Nach der Auflösung des „Händel-Zentrums“ wird das Händel-Haus wieder zum Zentrum der halleschen Händel-Renaissance.

2001
Anstelle der ehemaligen „Schützei“ wird ein Neubau errichtet. Hier wird im Jahre

2003
die neu gestaltete Ausstellung „Historische Musikinstrumente“ eröffnet. Im „Blaubuch“ der Bundesregierung wird das Händel-Haus in die Liste des nationalen Kulturerbes (kulturelle Leuchttürme) aufgenommen. Seitdem ist das Händel-Haus Mitglied in der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen (KNK).

Das Händel-Haus als Teil der Stiftung Händel-Haus: seit 2007

 2007
Der hallesche Stadtrat beschließt die Umwandlung des Händel-Hauses in eine Stiftung.

2008
Die Rechtsfähigkeit der Stiftung Händel-Haus als privatrechtliche Stiftung wird vom Landesverwaltungsamt anerkannt. Das Land Sachsen-Anhalt beteiligt sich an der Finanzierung der Stiftung.

2009
Zum 250. Todesjahr Händels wird das Haus umfassend saniert und die neue Händel-Dauerausstellung „Händel – der Europäer“ eröffnet.