In Familienbesitz

1666 kaufte Georg Händel das Haus. Es blieb bis 1782 in Familienbesitz

Als der herzogliche Kammerdiener und Leibchirurg Georg Händel das stattliche Gebäude „Zum Gelben Hirsche“ am 30. Juni 1666 für 1.310 Gulden erwarb, hatte es bereits eine jahrhundertealte Geschichte hinter sich. Seine frühe Nutzung liegt jedoch im Dunkeln. Wir finden es erstmals im Jahre 1558 mit seinem damaligen Besitzer Christoph Nopel aus Naumburg als so genanntes „Ratslehen“ in den Akten erwähnt. Die nachfolgenden Eigentümer waren seit 1571 dessen Sohn Hieronymus Nopel, der Gerichts-Beisitzer Dr. jur. Johann Neigenfindt seit 1595 und der herzogliche Kammerdiener Hans Georg Bley seit etwa 1630. Von dessen Witwe Susanne, die das Haus seit 1654 allein bewohnte, kaufte es Georg Händel.

Kurz nach seinem Einzug ersuchte er seinen Landesherrn, den Administrator des ehemaligen Erzstifts Magdeburg und gleichzeitigen Herzog August von Sachsen-Weißenfels, um Erneuerung eines Weinschankprivilegs. Er glaubte, dass dieses seit alters her mit dem Haus verbunden sei. Es wurde ihm am 8. Januar 1668 gewährt. Der Rat der Stadt legte dagegen allerdings Widerspruch ein. Der daraus resultierende Rechtsstreit konnte erst 1682 unter einer inzwischen neuen politischen Konstellation mit einem Vergleich beendet werden. Dass Georg Händel selbst einen Weinberg besaß, ist eine ganz eigene, andere Geschichte.

Tipp: Weiterführende Artikel auch zur Wiederaufrebung 1999 finden Sie in der Publikationsreihe „Händel-Haus-Mitteilungen“ des Freundes- und Förderkreises 1991–2008, z. B.: Der Weinberg der Familie Händel in der Gemarkung Pollingen (1996/Heft 3, S. 61ff.); Georg Händel und der Wein − aus dem Leben des Amtsbarbiers (1998/Heft 2, S. 17ff.)

Nach dem Tod Georg Händels ging das Anwesen 1697 an die Witwe und deren Kinder über. Georg Friedrich Händel, der 1685 geboren wurde, lebte hier bis zu seiner Übersiedelung nach Hamburg 1703.

Im Jahre 1708 wurde der nördliche Teil des Grundstücks (heute Kleine Ulrichstraße 38) abgetrennt. Händels Schwester Dorothea Sophia war mit Dr. jur. Michael Dietrich Michaelsen vermählt worden und gründete dort einen eigenen Hausstand. Etwa Mitte des 18. Jahrhunderts ging das separierte Gebäude in fremden Besitz über. Von 1844 bis 1871 betrieb hier eine Familie Schütz eine Studentenherberge. Deswegen hieß die seit 1888 darin von einem gewissen Trautwein geführte Gastwirtschaft „Schützei“. Dieser Name wurde seither für das Gebäude beibehalten. Pläne für eine museale Nutzung scheiterten seit 1983 immer wieder an den hohen Instandsetzungskosten. Auch nach der politischen Wende bestanden Vorstellungen, das Haus innerhalb einer städtebaulichen Erneuerung des gesamten so genannten „Händel-Haus-Karrees“ wiederherzustellen. Doch die Idee, das historische Gebäude dem Museum zur Nutzung zu überlassen, musste 1999 auf Grund des fortgeschrittenen Verfalls zugunsten eines Neubaus aufgegeben werden.

Tipp: Empfehlenswert sind weitere Informationen in Artikeln der Publikationsreihe „ Händel-Haus-Mitteilungen“ des Freundes- und Förderkreises (1991–2008), z. B.: Schützei mit stützendem Stahlkorsett (1993/Heft 3, S. 18); Treffpunkt der Freimaurer (1994/Heft 1, S. 52f.); Abschied und neue Perspektiven (1998/Heft 3, S. 10)

Das Händel-Haus selbst verblieb bis zum Jahre 1782 in Familienbesitz. 1730, nach dem Tode der Mutter Händels, gehörte seine Nichte Johanna Friederica Michaelsen (Tochter von Dorothea Sophia) zu den Erben. Sie bewohnte vermutlich seit 1755 mit ihrem Ehemann Dr. Johann Ernst Flörcke das Haus. Nach einem fast zehnjährigen Witwenstand verstarb sie 1771 und hinterließ das Anwesen ihrer zweiten Tochter Dorothea Luisa. Diese ehelichte noch im gleichen Jahre den hallischen Ratsmeister Friedrich August Reichhelm. Er ließ das Haus in Erinnerung an den berühmten Großonkel seiner Gattin mit wahrscheinlich beträchtlichem Aufwand erneuern, „um es zu einem fortdauernden Denkmal des berühmten Mannes zu weihen.“ Weiterhin wird berichtet, dass „er auch zu dem Ende darin ein eigenes Monument zu Händels Ehren haben wollen aufrichten lassen, wenn er nicht durch einen plötzlichen Tod wäre übereilet worden.“ 1783, ein Jahr nach Reichhelms Tod, musste das gesamte Grundstück öffentlich versteigert werden.