Erste Zeugnisse aus dem 15. Jahrhundert

Die Baugeschichte des Händel-Hauses lässt sich nur sehr lückenhaft zurückverfolgen

Schon bei einer oberflächlichen Betrachtung sind zum Teil sehr alte, bis ins 16. oder sogar ins 15. Jahrhundert zurückreichende Grundmauern und Kellergewölbe zu erkennen. Ein teilweise erhaltenes Kreuzgratgewölbe ist romanischen Ursprungs und verweist so auf die Bedeutung dieses Grundstücks schon in der frühmittelalterlichen Stadt. Die Bausubstanz im Erdgeschoss stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die oberen Etagen gehen auf Veränderungen von Bauteilen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Einige Umbauten jüngeren Datums wie die Schaufenster für ein Geschäft wurden bei der Wiederherstellung des Hauses 1946 bis 1948 beseitigt. Eine denkmalgerechte Beibehaltung des für solche alten Bürgerhäuser typischen Tors mit Durchgang zum Hof ließ der gewünschte Raumbedarf im Inneren des zukünftigen Museums leider nicht zu.

Auch der seit 1984 in das Museum einbezogene Komplex von Nachbargebäuden hat ein ähnlich differenziertes Erscheinungsbild. Der von der Straße aus nicht sichtbare, direkt an den kleinen Innenhof des Händel-Hauses angrenzende Seitenflügel wird von Sichtfachwerk aus der Zeit der Renaissance geschmückt. Auch das parallel zur Straße verlaufende Hauptgebäude, das nach seinem äußerlichen Eindruck aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt, besitzt weitaus ältere historische Details, z. B. zwei Renaissance-Decken und eine relativ gut erhaltene „Bohlenstube“. Wegen seiner vor allem gewerblichen Nutzung war dieses Gebäude bis in die jüngste Vergangenheit durch die unterschiedlichsten Um- und Ausbauten verunstaltet worden. Sie konnten aber bei der Rekonstruktion 1984 größtenteils wieder eliminiert werden.

Tipp: Wir empfehlen das Studium weiterführender Artikel in der Publikationsreihe „ Händel-Haus-Mitteilungen“ des Freundes- und Förderkreises 1991–2008, z. B.: Betrachtungen zur Baugeschichte (1991/Heft 2, S. 10ff.); Bohlenstube : Freigelegte Schichten aus dem 16. Jahrhundert (1996/Heft 3, S. 7ff.); Archäologische Ausgrabung (1999/Heft 2, S. 62ff.); Bauforschung im romanischen Keller (Heft 2008, S. 9ff.)