Händel im Jüdischen Kulturbund
Zwar nicht Händel, aber doch
seinen Oratorien mit alttestamentlichen Sujets gegenüber gab es im Dritten Reich deutliche
Vorbehalte, die bis zu einer grundsätzlichen Ablehnung reichten.
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So scheint es in gewisser Weise nur konsequent, daß Händel umgekehrt der einzige ‚
arische‘ Komponist war, den aufzuführen die Nationalsozialisten dem Jüdischen Kulturbund nach 1933
noch gestatteten. Kurt Singer, der Vorsitzende des Kulturbundes, betonte 1935 denn auch, Händel sei
„uns Juden […] als der Künder unserer biblischen Vergangenheit und Größe auf ewig ans Herz
gewachsen“.
2
Der Komponist habe „sein halbes Leben der jüdischen Geschichte gewidmet“ und sei so „
zum begnadeten Musiker jüdischer Helden“ geworden; Händels Musik sei „eine Form der subtilen
Anteilnahme am jüdischen Leben“.
3
Von diesem wesentlichen Aspekt abgesehen, unterscheidet sich jedoch das Händel-Bild,
das Singer skizziert, bezeichnenderweise kaum von dem Konzept, das die Nazis übernommen hatten und
propagierten. Auch für Singer ist Händel der heroische Kämpfer, der Angreifer, ein „Riese an Kraft“
, ein „Herrscher“, der in seinen weltlich gedachten Oratorien das „ Leben der Masse“ darstellt.
4
Was Singer dem Komponisten allerdings – ohne diese Vokabel zu gebrauchen – energisch
abspricht, ist jener deutsch-völkische Charakter, der für die Nationalsozialisten von zentraler
Bedeutung war. Für Singer ist Händel (im Gegensatz zu Bach) ein „Grandseigneur“, in Wesen, Stand
und Leistung „höfisch determiniert“. Singer, der seit 1943 und bis zu seinem Tod 1944 in
Theresienstadt interniert war, hatte dort für die Aufführung von Händels
Judas Maccabaeus und
Israel in Ägypten plädiert: „Wenn nicht in Theresienstadt, wo sonst?“
Ankündigung einer Aufführung des Judas Maccabäus durch
die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde in Gemeinschaft
mit dem Kulturbund deutscher Juden, in: Gemeindeblatt der
Jüdischen Gemeinde zu Berlin, 24. Jg. vom 21.4.1934
Ein Jahr später war die Naziherrschaft zuende. Daß die Werte und Vorstellungen dieser Zeit
mit Kriegsende nicht unbedingt obsolet waren, muß kaum erwähnt werden. Dies gilt ebenso für die
Bundesrepublik wie für einen Staat, der den Antifaschismus zur leitenden Staatsdoktrin erhob: die
Deutsche Demokratische Republik {Link -->
„Händel-Bilder der DDR“
}.
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1 Berta Witt,
Händel und Deutschland, in:
Zeitschrift für Musik 102 (1935), S. 292-297:296f.
2 Kurt Singer,
Bach – Händel zum 250. Geburtstag zweier Großer, in:
Kulturbund deutscher Juden.
Monatsblätter 3 (1935), Nr. 3, S. 2-5:4.
3 Abschlußrede der
Kulturtagung des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde in Deutschland vom 5.-7. September
1936, zit. nach Akademie der Künste (Hg.),
Geschlossene Vorstellung. Der Jüdische Kulturbund in Deutschland 1933-1941, Berlin 1992, S.
294.
4 Singer,
Bach – Händel zum 250. Geburtstag, S. 3f.


