Händel-Festspiele in Halle (DDR)

Unter den vorherrschenden ideologischen Bedingungen wurden im Jahre 1952 die Händel-Festspiele in Halle (Saale) ins Leben gerufen. Als Initiator kann der Generalmusikdirektor Horst-Tanu Margraf bezeichnet werden, der mit Gründung eines jährlich wiederkehrenden Festivals die Wiederaufführung und Neuinszenierung von Händel-Opern und -Oratorien anregte. Wie alles Vergleichbare auch mussten die Händel-Feste jedoch zunächst von staatlicher Seite genehmigt werden 1 . So sollten laut Beschluss der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten die Festspiele erstens einen kulturellen „Beitrag zur Einigung Deutschlands“ leisten, zweitens als „ Ausdruck des Kulturwillens der DDR und Pflege des klassischen Erbes im Kampf für eine realistische Kunstauffassung“ fungieren und drittens zur „Popularisierung des Gesamtwerkes Händels für die werktätige Bevölkerung, vornehmlich Erschliessung der Händelschen Opern für die Spielpläne der deutschen Opernbühnen“ 2   beitragen. Die so genannte ‚Händelerneuerung‘ konnte also von Beginn an den avisierten Zielen der sozialistischen Kulturpolitik untergeordnet werden 3 . In programmatischer Hinsicht standen stets Händel-Opern und -Oratorien im Mittelpunkt, die durch zahlreiche Kammer- und Orchesterwerke Händels und seiner Zeitgenossen sowie durch Konzertbeiträge zeitgenössischer Komponisten umrahmt wurden. Zudem führte man Kirchenkonzerte durch, die jedoch ab 1958 aus dem Programm gestrichen wurden. Die konzeptionelle Programmfolge wurde anhand des zu propagierenden Händel-Bildes erarbeitet. Händels Oratorien und Opern würden nämlich in besonderer Weise dazu beitragen, weite Kreise der Bevölkerung musikalisch zu interessieren und kulturell zu bilden 4 . Der erzieherische Gehalt der Festspiele wurde durch die Vermittlung so genannter ethisch-moralischer Werte in Händels Kompositionen betont. Die musikalischen Höhepunkte der Händel-Festspiele  – analysiert wurden bislang die Veranstaltungen bis 1971 – verband man zudem mit ideologisch relevanten Jubiläen 5   zur Demonstration kulturpolitischer Erfolge, was letztendlich zu mehr Repräsentanz und Anerkennung der DDR führen sollte. Wie sich die Geschichte der Händel-Festspiele auch in Verbindung mit der SED-Kulturpolitik fortsetzt, bleibt Gegenstand des Forschungsprojektes.




1  Das Händel-Fest 1952 wurde zuvor von der ‚Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten‘ in Berlin – demzufolge auch von der Parteiführung der SED – am 7. 12. 1951 genehmigt – vgl. „Vorlage zu einer Sitzung des Ministerrates des Landes Sachsen-Anhalt am 7. 12. 1951“, Bl. 24.
2  Dokument „Sitzung am 8. 11. 52 (12 Uhr) bei der Landesregierung Sachsen-Anhalt – Verwaltung für Kunstangelegenheiten – Halle-Saale, Stalin-Allee 93“, Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt (LHASA), Abt. Merseburg (MER), Erziehung und Kultur IV/L2/9.02/42, Bl. 18.
3  Die zwei Bitterfelder Konferenzen in den Jahren 1959 und 1964 führten zu den wohl einflussreichsten Beschlüssen im Verlauf der Händel-Festspiele. In Auswertung der I. Bitterfelder Konferenz musste inoffiziell festgestellt werden, dass „obwohl es bei der Heranführung der Arbeiterklasse an das kulturelle Leben sowie an die kulturelle Selbstbetätigung Fortschritte gibt, […] auf diesem Gebiet noch eine große Arbeit zu leisten“ sei – vgl. „Protokoll Nr. 42 von der Bürositzung der Bezirksleitung Halle am 22. 10. 1959“, LHASA, Abt. MER, Bezirksleitung der SED Halle, IV/2/3/342, Bl. 1. 1964 nahmen an den Festspielen nicht nur zahlreich vertretene Laienchöre, sondern auch so genannte Arbeiter-Orchester teil: Vornehmlich in Großbetrieben tätige Laienmusiker wurden in professionelle Ensemble integriert, sodass der Anschein einer künstlerisch wertvollen Zusammenarbeit erweckt wurde.
4  Hans Pflüger, „Zum Geleit“, in: 16. Haendel Festspiele, hrsg. von Walther Siegmund-Schultze, Halle 1967, S. 3.
5  Beispielsweise unterstrichen zahlreiche Festreden zum Händel-Jubiläum im Jahre 1959 den humanistischen Charakter und die große Bedeutung der Festspiele für die ‚Herausbildung einer sozialistischen Nationalkultur‘. Die Händel-Feste 1969 wurden gar dem 20. Jahrestag der DDR gewidmet.

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