HÄNDEL IN LONDON

England
London
Händel in London
Composer for Chappel Royal
Aufenthalt in Cannons
Queen's Theatre
Royal Academy of Music
Erfolge und Zusammenbruch der Academy
Beggar's Opera
Die zweite Academy
Gesundheitszustand



England, das damals ökonomisch und gesellschaftlich fortgeschrittenste Land, bot dem jungen Händel besonders günstige Voraussetzungen für seine persönliche und künstlerische Entfaltung. Die englische bürgerliche Revolution von 1640 bis 1649 hatte die politische Macht in die Hände der Bourgeoisie gelegt und der manufakturkapitalistischen und sozialen Entwicklung im ersten modernen bürgerlichen Nationalstaat lang anhaltende Impulse gegeben, die (auch noch bei Eintreffen Händels in England) Voraussetzungen für dessen führende Stellung in Europa und für seine Priorität in der industriellen Revolution waren.

In der Weltstadt und Handelsmetropole London offenbarten sich die positiven und angenehmen Seiten des ökonomischen und technischen Fortschritts besonders deutlich - ebenso unübersehbar aber auch die Schattenseiten einer expandierenden Großstadt: Elend, Schmutz und Kriminalität.

Händel hatte den Termin für seine Rückkehr nach Hannover gründlich verpasst. Inzwischen war ihm sein „Brotherr", indem er den englischen Thron als König Georg I. bestieg, „nachgereist". Eventuelle Missstimmungen wegen Händels „Urlaubsübertretungen", von denen einige Anekdoten berichten, waren auf jeden Fall bald ausgeräumt. 1715 wurden dem „gewesenen CapellMeister" 500 Thaler Gehalt nachgezahlt, und 1716 befand sich dieser im Gefolge des Königs bei dessen Reise nach Hannover. Mit einem Abstecher nach Halle reiste Händel nach Ansbach - wahrscheinlich im Auftrag des Königs oder der Prinzessin Caroline, deren Familie dort wohnte. Hier lernte er möglicherweise seinen späteren Freund und Sekretär Johann Christoph Schmidt kennen, den er überreden konnte, ihm nach London zu folgen.

Überhaupt pflegte Händel auch in späterer Zeit enge Beziehungen zur Königlichen Familie, erhielt offizielle Kompositionsaufträge und unterrichtete die Prinzessinnen. Vermutlich im Zusammenhang mit dem Unterricht der Prinzessin Anna, der ältesten Tochter Georgs II. (später wurden auch deren Schwestern von Händel unterrichtet, 1724 wird er das erste Mal als Musiklehrer der Prinzessinnen erwähnt), erschien am 14. November 1720 bei John Cluer in London die erste Sammlung von Cembalosuiten (HWV 426-433). Am 25. Februar 1723 wurde Händel zum „ Composer of Music for his Majesty's Chappel Royal" ernannt; noch im gleichen Jahr bezog er ein Haus in der Lower Brook Street, das er bis zu seinem Tode bewohnte. Am 13. Februar 1727 richtete er ein Schreiben an das House of Lords und beantragte die Naturalisierung als englischer Staatsbürger, die bereits am 20. Februar durch Georg I. bestätigt wurde. - Danach gab es auch keine formalen Gründe mehr gegen einen königlichen Auftrag, die Musik für die Krönungsfeierlichkeiten Georgs II. zu komponieren; dieser Auftrag erfolgte im September 1727 (Georg I. war im Juni gestorben).

Auf Einladung von James Brydges (1673-1744), dem späteren Duke of Chandos, verweilte Händel vom Sommer 1717 bis zum Frühjahr 1719 in Cannons. Hier entstanden u. a. die Chandos Anthems HWV 146-156 und Acis and Galatea HWV 49a, bereits echte englische Kompositionen. - Übrigens standen in Cannons unter Leitung von Johann Christoph Pepusch (1667-1752) (Komponist der Beggar's Opera 1728) für musikalische Aufführungen eigene Sänger und Instrumentalisten zur Verfügung. - Aus dieser Zeit gibt es sonst wenig Nachrichten über Händel, woraus wir schließen können, dass er relativ zurückgezogen lebte und kein besonderes öffentliches Interesse erregte.

Händel war ja aber vermutlich hauptsächlich nach London gekommen, weil er hoffte, hier seine Opernpläne verwirklichen zu können. Und hier schien man nur auf ihn gewartet zu haben. Sein sensationeller Erfolg mit der Aufführung seiner 1711 für das Queen's Theatre, Haymarket, komponierten Oper „Rinaldo“ war lange in aller Munde, und es kam bis 1717 in jeder Saison zu mehreren erfolgreichen Wiederaufführungen.

Italien war schon im 17. Jahrhundert ein beliebter Aufenthaltsort für vermögende Mitglieder des englischen Adels, und zu den beliebtesten Vergnügungen gehörten Opernbesuche, auf die man schließlich auch zu Hause in London nicht verzichten wollte.

1704-1705 war am Haymarket in London das " Queen's Theatre" von Sir John Vanbrugh gebaut worden. Hier sollte die italienische Oper heimisch werden. - Am 23. Januar 1708 hatte Henry Grey, 1st Marquess of Kent, der damalige Lord Chamberlain, dem Queen’s Theatre die exklusiven Rechte übertragen, Opern aufzuführen. – Darüber hinaus wurde dieses Theater Veranstaltungsort für weitere gesellschaftliche Ereignisse.    

Im Winter 1718/19 wurde die Königliche Musikakademie, ein Aktienunternehmen zur Aufführung italienischer Opern in London, an dem sich der König mit £ 1000 beteiligte, gegründet. Nun hatte Händel, zunächst allein, später neben Attilio Ariosti und Giovanni Bononcini, Musikalischer Direktor, alle Hände voll zu tun. Er musste wieder in London wohnen. Die zu erledigenden Geschäfte waren so dringend und vielfältig, dass er seine seit langem geplante Reise nach Halle erneut verschob. Erst im Mai reiste er, wahrscheinlich im Gefolge des Königs, der sich wieder einmal nach Hannover begab, nach Deutschland, um im Auftrag des Gouverneurs der Royal Academy für die bevorstehende Opern-Saison Sänger zu engagieren. Auf dem Wege nach Dresden, wo sich wegen der prunkvollen Festlichkeiten zur Vermählung des sächsischen Kurprinzen mit der österreichischen Kaiserstochter (Erzherzogin Marie-Josepha) viele europäische Künstler ersten Ranges versammelt hatten, machte Händel natürlich auch in seiner Vaterstadt Station.

Über den Dresdner Aufenthalt wissen wir nur wenig. Wahrscheinlich hat er hier seinen Freund Telemann wiedergetroffen, der ebenfalls von diesem spektakulären künstlerischen Ereignis angezogen worden war, und es gibt eine Nachricht, daß der „ Kön. Engl. Capellmeister Händel, welcher von Sr. Königl. Majestät und Sr. Hoheit dem Königl. Prinzen sich hören lassen", 100 Ducaten erhalten habe (Förstemann). Seine Verhandlungen mit verschiedenen Künstlern scheinen erfolgreich verlaufen zu sein, und er konnte u. a. Margherita Durastanti, die 1709 in Venedig die Agrippina gesungen hatte, und den damals berühmtesten Kastraten Senesino (Francesco Bernardi) (1680-1750) für London verpflichten. Seine Rückreise führte ihn erneut über Hannover, und von dort erreichte er (vermutlich im Gefolge des Königs) London Ende des Jahres.    

Die erste Saison der Academy wurde am 2. April 1719 mit Giovanni Portas Oper Numitore eröffnet. Schon am 27. April folgte dann in Anwesenheit des Königs und des Prinzen von Wales die erste Aufführung von Händels Radamisto HWV 12. Die Oper war ein riesiger Erfolg, der die beherrschende Stellung des ausländischen Komponisten im Musikleben Londons endgültig zu festigen schien. Doch konnte man von Händel nicht erwarten, dass er all die benötigte Musik für die Academy zu liefern imstande war, zumal er durch seine Reise viel Zeit versäumt hatte. Vielleicht hatten die Direktoren auch das Wiener Opernmodell vor Augen (hier arbeiteten drei Komponisten: Fux, Caldara und Conti) oder wollten einfach Risiken vermeiden, was sie veranlasste, aus Italien einen weiteren Komponisten zu importieren: Giovanni Bononcini (1670-1747). Zunächst kam dies der Farbigkeit des Opernspielplanes zugute. Auch der berühmte Italiener war erfolgreich, wie es sich gleich zu Beginn der zweiten Spielzeit, die am 19. September 1720 mit seinem Astarto eröffnet wurde, zeigte. Was nun aber als künstlerischer Wettstreit zweier in mancher Hinsicht durchaus ebenbürtiger Opernkomponisten begann, musste bald durch den Eifer der Anhänger und deren regelrechter Parteienbildung, in die auch die Politik hineinspielte, zur Rivalität und zum Intrigenspiel ausarten, in das schließlich auch die beiden Künstler hineingezogen wurden.

Zwar trug Händel endlich mit seiner Beharrlichkeit und nicht zuletzt mit solchen Opern wie Giulio Cesare HWV 17, am 20. Februar 1724 zum ersten Mal aufgeführt, und Rodelinda HWV 19, Aufführung am 20. Januar 1725, den Sieg davon, was ihm aber um so mehr von Bononcinis Parteigängern verübelt wurde. Zu dieser Gruppe gehörten einflussreiche Kreise des Adels, die in Händel vor allem den früheren Kapellmeister des Hannoveraner Königs sahen, gegen den sie opponierten. Zu ihnen zählte zeitweilig sogar der Prinz von Wales, der spätere Georg II. - ebenfalls aus Opposition gegen den König, seinen Vater. Hinzu kamen noch Bestrebungen zur Schaffung einer englischen Nationaloper, die sich natürlich gegen die italienische oder doch wenigstens italienisch gesungene Oper richteten. Und darüber hinaus erwuchsen auch noch Schwierigkeiten durch - sogar auf offener Szene ausgetragene - Rivalitäten der engagierten Sänger, insbesondere zwischen Francesca Cuzzoni (um 1698-1770) und Faustina Bordoni (1700-1781), und verschärften Händels ohnehin schon bedrängte Lage.

Die Academy hatte zunehmend auch finanzielle Probleme zu lösen, und nachdem die Beggar's Opera von John Gay und Johann Christoph Pepusch am 29. Januar 1728 in Lincoln's Inn Fields Theatre ihre erste Aufführung erlebt hatte, waren ihre Tage gezählt. Mit Mühe hielt man die neunte Spielzeit durch, sie wurde früher als gewöhnlich, am 1. Juni 1728, beendet.
Die Beggar’s Opera richtete sich gegen führende Politiker wie Robert Walpole und auch gegen die von Händel vertretene Form der italienischen opera seria. Die Personen der Handlung wurden der Londoner Unterwelt entlehnt. Ihre Dialoge sind ungehobelt, die Musik setzt sich aus populären Balladen und Gassenhauern zusammen. Der in London lebende deutsche Komponist Johann Pepusch übernahm die Leitung des kleinen Orchesters, schrieb eine Ouvertüre und orchestrierte die zusammengestoppelten Musikstücke, darunter den Marsch aus Händels Rinaldo. Der Erfolg der Oper war so groß, dass sie zahlreiche Nachahmer fand.

Die Beggar's Opera hatte tiefgreifende Folgen und zeigte eine längere Wirkung, als Händel sie voraussehen konnte bzw. wahrhaben wollte. Vor allem schien er von dem Geschmackswandel, der bei einem großen Teil der nationalen geistigen und gesellschaftlichen Oberschicht vor sich gegangen war, nichts zu bemerken. Er suchte sich einen Verbündeten für seine neuen Opernpläne und fand ihn in Heidegger. Beide gründeten nun (sozusagen auf den Trümmern der Königlichen Musikakademie) mit eigenem Kapital eine neue Operngesellschaft. Die materiellen Voraussetzungen schienen auch dadurch gesichert, dass ihnen von der Generalversammlung der Königlichen Musikakademie die noch vorhandenen „Effekten" leihweise zur Verfügung gestellt werden sollten. Doch alle bedeutenden bzw. zugkräftigen Sänger hatten das sinkende Schiff der zusammenbrechenden Akademie und England bereits verlassen. Händel musste ein neues Ensemble zusammenstellen und reiste zu diesem Zweck am 9. Februar 1729 nach Italien.

Nachdem die Cuzzoni endgültig abgesagt hatte, Faustina Bordoni, die inzwischen mit Hasse verheiratet war, nicht mehr in Frage kam und Senesino nur unter Bedingungen, die für Händel unannehmbar waren, nach London zurückkehren wollte, wurden schließlich folgende Sänger engagiert: Antonio Bernacchi (1685-1756, Sopran-Kastrat), ein in Italien anerkannt guter Sänger, der aber beim Londoner Publikum keine entsprechende Popularität erringen konnte, Francesca Bertolli (gest. 1767), die Mängel ihrer Gesangskunst mit ihrer körperlichen Schönheit auszugleichen wusste, Antonia Margherita Merighi (gest. 1740, ein tiefer Alt), Anna Strada del Pò, ein wirklicher Ersatz für die Cuzzoni, aber von solch unvorteilhaftem Äußeren, dass sie vom Publikum den Spitznamen „Ferkel" bekam, Annibale Pio Fabri (genannt Balino, 1697-1760, Tenor) und dessen Frau sowie Johann Gottfried Riemenschneider (gest. 1740, Bass), ein Mitschüler Händels aus Halle.

Schlechte Nachrichten vom Gesundheitszustand seiner Mutter veranlassten Händel, auf der Rückreise für etwa vierzehn Tage in Halle zu verweilen. - Wieder in London, widmete er sich vordringlich der Vorbereitung der neuen Opernsaison, die am 2. Dezember 1729 mit der Aufführung seiner neuen Oper Lotario HWV 26 eröffnet wurde. Diese und die neun folgenden Aufführungen waren ohne durchschlagenden Erfolg.

Ähnlich erging es Händel mit seinem nächsten Werk, Partenope HWV 27. Die Spielzeit wurde mit Wiederaufnahmen (Giulio Cesare und Tolomeo) und mit dem Pasticco Ormisda mühsam über die Runden gebracht. - Die Talsohle schien erst überwunden, nachdem mit Hilfe Francis Colmans und Owen McSwineys der Sänger Senesino zur Rückkehr überredet worden war. Schon in der folgenden Spielzeit sang er die Titelrolle in Händels Oper Poro HWV 28. Das Publikum zeigte sich begeistert, der Uraufführung folgten in wenigen Wochen fünfzehn Wiederholungen, und Wiederaufnahmen von Rodelinda und Rinaldo brachten den beiden Unternehmen endlich auch den erhofften finanziellen Gewinn. Händel glaubte sich mit seinen Opernspielplänen bestätigt, auch wenn er das Publikum in der folgenden Spielzeit mit seinen nächsten Werken Ezio HWV 29, Erstaufführung am 15. Januar 1732, und Sosarme HWV 30, 4. Februar 1732, nicht „bei der Stange" halten konnte. Die gleichzeitige überaus günstige Aufnahme seiner englischen Werke Esther HWV 50 b, Acis and Galatea HWV 49 b und etwas später Deborah HWV 51 und Athalia HWV 52 hätte ihn nachdenklich stimmen müssen. Mit außergewöhnlichen Anstrengungen und seiner Oper Orlando HWV 31, Erstaufführung am 27. Februar 1733, zögerte er das Fiasco noch hinaus. Doch am Ende der vierten Spielzeit der zweiten Academy scheint die Lage aussichtslos: Wieder einmal - wie zehn Jahre zuvor - vermischten sich künstlerische Überzeugungen, Fragen des Geschmacks, persönliche Neigungen und Abneigungen mit Fragen der Politik.

Die Abneigung überwiegender Teile des englischen Volkes und führender gesellschaftlicher Schichten gegen das Herrscherhaus war im Laufe der Jahre eher größer als geringer geworden. Auch gegen den Premierminister Walpole hatte sich eine starke Opposition formiert. Und alles begann sich erneut gegen Händel als den Günstling des Königs zu richten, kumuliert durch den Prinzen von Wales, dessen Feindschaft gegenüber dem Vater keine Grenzen mehr kannte. Durch Karikaturen, Pamphlete und Epigramme wurde ein Schlag gegen den „Composer of the Italian Music" vorbereitet, der diesen am Ende wirklich treffen sollte. Der Prinz scharte bedeutende und einflussreiche Männer um sich - auch solche, die noch kurz zuvor zu Händels Freunden gezählt werden durften, wie beispielsweise Richard Boyle Burlington (1695-1753) - und gründete ein Konkurrenzunternehmen, die Opera of the Nobility mit Nicola Antonio Porpora (1686-1768) als Komponisten und Dirigenten im Theater von Lincoln's Inn Fields. Ehe die neue Adelsoper zu spielen begonnen hatte, trug sie ihren ersten Sieg gegen Händel davon: Mit Ausnahme der Strada, die Händel die Treue hielt, konnte sie alle anderen italienischen Sänger von Rang abwerben. Händel zeigte sich davon anscheinend nicht sehr beeindruckt. Zunächst folgte er mit den Resten seines Ensembles einer Einladung der Oxforder Universität und führte unter Zuhilfenahme von dortigen Sängern Esther, Acis and Galatea und Athalia auf. Das Echo war überwiegend positiv, und dieser Aufenthalt besserte auch seine Finanzen auf. Bald wurde klar, dass sich Händels Gegner verrechnet hatten, wenn sie glaubten, er würde jetzt in Bezug auf seine Opernakademie aufstecken. - Im Gegenteil, er brachte es fertig, seine fünfte Opernsaison acht Wochen vor der Adelsoper zu eröffnen. Die Zeit war zudem günstig gewählt, weil der König Geburtstag hatte und die gesamte Geburtstagsgesellschaft - einschließlich des Prinzen von Wales - der Vorstellung gezwungenermaßen beiwohnen musste.

Überraschend schnell glückte es, neue italienische Sänger zu verpflichten, u. a. Giovanni Carestini (um 1705-1760, Kastrat), Maria Caterina Negri (gest. 1744, Kontraalt), Carlo Scalzi (gest. 1738, Sopran-Kastrat) und Margherita Durastanti, die nun, da sie die Konkurrenz der Bordoni nicht mehr zu fürchten hatte, gern zu Händel zurückkehrte. Dennoch endete die Spielzeit mit einer ökonomisch negativen Bilanz, und Heidegger versuchte, wenigstens einen Teil seiner Einlagen zu retten, indem er der Adelsoper, die die Pacht des Haymarket Theatre erwarb, auch noch alles Zubehör überließ. Damit war die zweite Akademie endgültig am Ende. - Händel aber gab nicht auf. Er einigte sich mit John Rich (1691 oder 1692-1761) über seine Opernaufführungen im Wechsel mit dessen Schauspielinszenierungen im Theater in Covent Garden. Das dezimierte Ensemble wurde mit englischen Künstlern ergänzt, die bald - und das besonders bei den nun häufigeren Oratorienaufführungen - zu Publikumslieblingen werden sollten. Doch der finanzielle Erfolg stellte sich wegen des ständigen Defizits in Händels Opernkasse nicht ein. Aber auch die Adelsoper blieb ein Zuschussunternehmen.

Die Wende blieb weiterhin aus, selbst nachdem es Händel endlich gelungen war, den Prinzen von Wales vor allem mit seinem Wedding Anthem („Sing unto Good") HWV 263 anlässlich der Hochzeit des Prinzen mit Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha in der Chapel Royal in St. Jame's Palace am 27. April 1736 umzustimmen. Der Prinz besuchte jetzt zwar Händels Aufführungen im Covent Garden Theatre und zog sich von der Adelsoper zurück; aber der endgültige Niedergang von Händels Unternehmen war nicht aufzuhalten, zumal sich dessen Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte. Im April 1737 konnte Händel die Aufführungen wegen Lähmung seines rechten Armes nicht mehr selbst leiten.

Die London Evening Post berichtete am 14. Mai 1737: „ Der geniale Mr. Hendell ist sehr indisponiert, und sein Denken befindet sich in heilloser Verwirrung, zur Zeit kann er seine rechte Hand nicht gebrauchen und wenn er die Gewalt über sie nicht wiedergewinnt, wird das Publikum seiner schönen Kompositionen beraubt sein." Die Spielzeit wurde jedoch noch zu Ende geführt (die Adelsoper war gezwungen, noch vor Covent Garden zu schließen).

John Mainwaring berichtete: „ Dieser schlechte Ausgang hub anitzo alle musikalischen Ergetzlichkeiten in Coventgarden auf und spielte fast auch dem Urheber selbst das Garaus. Die Heftigkeit seiner hierüber bezeigten Entrüstung machten die Wirkung des Unfalls desto schrecklicher. Daß selten ein Unglück allein kommt, ward bey Händel, als ein bewährter Spruch, befunden. Sein Verlust erstreckte sich nicht nur über sein Geld und Gut; sondern auch über seinen Verstand und seine Gesundheit. Sein rechter Arm war vom Schlage unbrauchbar geworden, und wie sehr ihm zu gewissen Stunden, auf lange Zeit, die Sinnen verrückt gewesen, davon sind hundert Beyspiele vorhanden, die sich besser zum Verschweigen, als zum Berichten schicken." Endlich ließ sich der kranke Mann zu einer Kur in Aachen überreden, und er gestaltete sie auf seine Art. In den Schwitzbädern saß er dreimal solange Zeit „ als sonst gebräuchlich ist ... Die Kur, in Erwegung sowol der Art, als Geschwindigkeit, mit welcher sie geschah, wurde von dasigen Nonnen für ein Wunderwerk gehalten."

Tatsächlich scheint Händel Mitte November 1737, kaum aus Aachen zurückgekehrt, wieder im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte gewesen zu sein. Er ging frisch an die Arbeit und begann, die Oper Faramondo HWV 39 zu komponieren. Nun, nach dem endgültigen Zusammenbruch der Opera of the Nobility, war Heidegger wieder zu einer Zusammenarbeit mit Händel bereit. Doch vorerst mussten die Theater (und andere Vergnügungsstätten) für sechs Wochen geschlossen werden - die Königin Caroline war am 20. November verstorben. Händel komponierte das Trauer-Anthem HWV 264.


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Georg Friedrich Händel