Ankunft in Florenz
Aufenthalt in Rom
Ruspoli
Neapel
Agrippina
Metastasio
Nach einem Abstecher nach Halle traf Händel im Herbst 1706 in
Italien ein, wo er sich bis zum Frühjahr 1710 aufhielt. Hauptstationen seiner Reise waren
Florenz, Rom, Neapel und Venedig. Aus den uns bisher bekannten zeitgenössischen Quellen
erfahren wir fast nichts über Händels persönliche Lebensumstände während dieser Reise. Und erst
neuere Forschungen weisen uns auf die ungünstigen und vermutlich nicht ungefährlichen
Begleiterscheinungen, die sich für Händels Italienaufenthalt durch den spanischen Erbfolgekrieg
ergaben, unter dessen Kampfhandlungen weite Teile Europas, besonders aber auch die italienischen
Staaten zu leiden hatten. - Selbst äußere Lebensdaten Händels zwischen 1706 und 1710 sind noch
ungenügend erhellt. Es steht aber fest, daß er sich zunächst - von Hamburg kommend und einer
Einladung folgend - in Florenz aufhielt. Wahrscheinlich hat er dann diese Stadt auch in den
nächsten Jahren regelmäßig im Herbst besucht.
Schon im Dezember 1706 befand sich Händel in
Rom.
Höchstwahrscheinlich bezieht sich eine nicht näher bezeichnete Tagebucheintragung (Rom, 14.
Januar 1707) auf ihn: „In dieser Stadt ist ein Sachse angekommen, ein ausgezeichneter
Cembalospieler und Komponist, der heute zum Erstaunen aller den Beweis für seine Virtuosität im
Orgelspielen in der Kirche S. Giovanni gegeben hat." Während seines Rom-Aufenthaltes war Händel
häufig Gast in den Palästen der Kardinäle Benedetto Pamphilj (1653-1730), Pietro Ottoboni
(1668-1740) und Carlo Colonna (1665-1739) - Mitglieder und führende Köpfe der römischen Arcadia,
eines poetischen Zirkels, der Ende des 17. Jahrhunderts zur „Bekämpfung des schlechten Geschmacks"
gegründet worden war.
Von Mai bis Oktober 1707 wohnte er als Gast im römischen Palast
des Fürsten
Francesco Maria Ruspoli (1672-1731) (ebenso 1708 und vielleicht auch noch 1709 hat er
sich zeitweilig hier aufgehalten). Für diesen komponierte er u. a. eine große Anzahl italienischer
Kantaten, die hauptsächlich während der conversazioni im Palazzo Bonelli aufgeführt wurden.
Im Oktober/November 1707 begab sich Händel nach Florenz. Hier wurde seine erste italienische
Oper Vincer se stesso è la maggior vittoria (später Rodrigo genannt) HWV 5 aufgeführt, die er im
Auftrage des Principe Ferdinando de' Medici (Cosimo III. de'Medici,1642-1723) wahrscheinlich schon
vorher in Rom fertigestellt hatte.
Nach der Rodrigo-Aufführung in Florenz verbrachte der gefeierte
junge Komponist den Winter 1707/08 in Venedig. Dort machte er weitere wichtige Bekanntschaften wie
z. B. die Domenico Scarlattis (1685-1757) und Vincenzo Grimanis (1655-1710) (Eigentümer des
Theaters S. Giovanni Crisostomo), der für ihn das Libretto zu Agrippina schreiben sollte. Nach
einem weiteren Zwischenaufenthalt in Rom reiste Händel im Mai 1708 nach
Neapel, wo er bis Mitte Juli im Palast des Herzogs Alvito wohnte. Dort beendete er auch die
Serenata Aci, Galatea e Polifemo HWV 72. Den nächsten Winter (1708/09) verbrachte Georg Friedrich
Händel vermutlich wieder in Rom, wo er Gelegenheit hatte, Agostino Steffani (1654-1728)
kennenzulernen (wenn dies nicht schon vorher - evtl. sogar schon 1703 in Hannover - geschehen war).
Am Ende des Jahres 1709 erreichte Händel - aus Florenz
kommend - Venedig. Im Teatro San Giovanni Crisostomo wurde am 26. Dezember mit großem Erfolg seine
Agrippina HWV 6 in Szene gesetzt und in der gleichen Saison 27mal aufgeführt. Dieses
Ereignis begründete endgültig seinen Ruhm in ganz Europa, der es ihm ermöglichte, wenig später so
schnell in London Fuß zu fassen. Es ist anzunehmen, daß Händel im März 1710 Italien verließ und
nach Hannover und Düsseldorf reiste. Auf dieser Reise hat er wahrscheinlich auch in Wien und Halle
Station gemacht.
Zwanzig Jahre später - ab 1729 - wirkte in Wien Pietro
Trapassi, genannt
Metastasio (1698-1782), in der Nachfolge Apostolo Zenos als kaiserlicher Hofpoet. Mit seinen
zahlreichen Operndichtungen prägte er den neapolitanischen Operntypus vom Textaufbau her und wurde
zum beherrschenden und meistvertonten Operntextdichter des 18. Jahrhunderts. Nach seinen Libretti
schrieb Georg Friedrich Händel die Opern Siroe HWV 24, Poro HWV 28 (bei Metastasio unter dem Titel
Alessandro nell'Indie) und Ezio HWV 29.


