HÄNDEL IN HAMBURG

Hamburg
Händel in Hamburg
Reinhard Keiser
Johann Mattheson
Reise nach Lübeck
Hamburger Oper


 




Es war für Händels künstlerische Entwicklung von außerordentlicher Bedeutung, daß er nach Hamburg kam. Die „freye Reichs- und Hansestadt" hatte sich zu einem fortschrittlichen und weltoffenen Stadtstaat entwickelt, in dem sich die Künste prächtig entfalteten. Zudem war Hamburg im Gegensatz zu anderen Städten von den Schrecken und Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges weitgehend verschont geblieben.

Georg Friedrich Händel erreichte im Frühjahr 1703 Hamburg und hielt sich bis zum Herbst 1706 hier auf. Über den Anlaß und den Verlauf dieser Reise gibt es nur wenige Informationen.

Es ist zu vermuten, daß der junge Händel von Reinhard Keiser (1674-1739), der hier die Oper leitete, nach Hamburg geholt wurde. Keiser stammte aus Teuchern, ganz nahe bei Weißenfels gelegen. Der Weißenfelser Hof - insbesondere sicherlich die künstlerisch hochstehende Hofoper - hatte schon auf den Knaben Händel eine große Anziehungskraft ausgeübt. Hierher kam auch Keiser etliche Male, um einige seiner Opern aufzuführen. Wahrscheinlich ist er bei diesen Gelegenheiten auf den begabten jungen Händel aufmerksam geworden. In Hamburg dann bewährte er sich ihm gegenüber als väterlicher Freund und anregender Mentor.

Bald nach seinem Eintreffen in dieser Stadt trat Händel auch zu dem fast gleichaltrigen Komponisten, Sänger und Musikschriftsteller Johann Mattheson (1681-1764) in engeren Kontakt. Dieser erinnert sich 1740 in seiner Grundlage einer Ehrenpforte: Händel „war starck auf der Orgel: stärcker als Kuhnau, in Fugen und Contrapuncten absonderlich ex tempore; aber er wuste sehr wenig von der Melodie, ehe er in die hamburgische Oper kam."

Beide unternahmen (wie zwei Jahre später auch J. S. Bach) im August 1703 eine Reise nach Lübeck, um den dortigen hochgeachteten Orgelmeister Dietrich Buxtehude (1637-1707) zu besuchen. Für die dort ausgeschriebene Organistenstelle interessierten sie sich jedoch offenbar weniger, zumal diese nur über eine Heirat der nicht mehr ganz jungen Tochter Buxtehudes zu bekommen war.

Das Hauptinteresse Händels galt anscheinend der Oper in Hamburg. Die Oper am Gänsemarkt war 1678 nach dem Vorbild des Teatro San Cassiano in Venedig gegründet worden und erfreute sich großer Popularität. Ihr langjähriger Leiter, Reinhard Keiser (1674-1739), führte diese Bühne zu einem künstlerischen Höhepunkt.

Vor allem Reinhard Keiser war es zu verdanken, daß die Hamburger Oper nicht in der Nachahmung italienischer Vorbilder stehenblieb, sondern auch Werke mit nationaler deutscher Eigenart entwickelte. Georg Friedrich Händel war an dieser Bühne zunächst als Geiger angestellt. Wenig später bewies er seine Fähigkeiten auch als Cembalist, und schließlich komponierte er vier Opern:

                1. Der in Kronen erlangte Glückswechsel,
                     oder: Almira, Königin von Kastilien HWV 1,
                2. Die durch Blut und Mord erlangte Liebe,
                     oder: Nero HWV 2,

                3. Der beglückte Florindo HWV 3 und
                4. Die verwandelte Daphne HWV 4.

Von diesen Werken ist nurAlmiravollständig überliefert. Letztere zwei Opern - ursprünglich als ein Werk konzipiert (Florindo und Daphne), aber wegen ihrer langen Dauer  später geteilt - wurden im Januar 1708 aufgeführt, als Händel schon in Italien weilte. Von den vermutlich zahlreichen anderen Kompositionen der Hamburger Zeit kennen wir nur einige wenige Instrumentalstücke.


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