HANDSCHRIFTLICHE DOKUMENTE

  1 Eintragung über den Hauskauf Georg Händels 1666
  2 Eingabe Georg Händels wegen Erneuerung des Weinschankprivilegs
  3 Bildunterschrift für Samuel Scheidt
  4 Brief von Samuel Scheidt an den Rat zu Bitterfeld
  5 Eintragungen für Valentin und Georg Händel im Bürgerbuch der Stadt Halle
  6 Drachstedtische Chronik, Eintragung vom 14. Juli 1679
  7 Trauungseintragung für G. F. Händels Eltern 1683
  8 Taufeintragung für Georg Friedrich Händel 1685
  9 G. F. Händels Eintragung in der Matrikel der Friedrichs-Universität in Halle
10 Händels Bestallung als Domorganist in Halle 1702
11 G. F. Händel an seinen Schwager Michael Dietrich Michaelsen 1719
12  Händel an M. D. Michaelsen
13 Händel an G. Ph. Telemann 1750
14 Händel an Georg Philipp Telemann 1754
15 Kurfürstin Sophie von Hannover an ihre Enkelin, die preußische Kronprinzessin Sophie Dorothea
16 Händels Testament vom 1. Juni 1750
17 Händels Eintragung über sein Augenleiden in der Partitur des Oratoriums "Jephtha"
18 Taufeintragung für J. Chr. Schmidt d. Ä.
19 Taufeintragung für J. Chr. Schmidt d. J.
20 Testament von J. Chr. Schmidt d. Ä.
21 Antwort von Romain Rolland auf die Einladung des Händelfestausschusses zum Arbeiter-Händel-Fest 1926
22 Gründungsprotokoll der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft



1 Eintragung über den Hauskauf Georg Händels 1666

Georg Händels Kauf
v Johann Georgen Bleyens Wittbe Hauß.
Kund und zuwissen sey hiermit allen, denen es zu wißen von nöthen, das undengesezten dato zwischen Frauen Susannen, Herrn Johann Georg Bleyens, Fürstl. Magdebgs geheimbten Cammerdieners, seel: nachgelaßener Wittben, ahn Einw: Herrn Georg Händeln, Fürstl. Sächssch: Magdebgs: Geheimden Cammerdienern Unnd LeibChirurgo anderntheils, nachfolgender Kaufcontract, abverhandelt Unnd geschloßen worden. Nemblicher, es Verkaufet obgedachte Frau Susanna Bleyin, mit autoriät Unnd Vollwort ihres ad hunc actum in specie bestätigten Vormundes, Herrn Benjamin Schmiedens, Fürstl: Sächssch. Canzeley Secretary Zu Weißenfels, bemelten Herrn Georg Händeln ihr Hauß Unnd Hof, Zum gelben Hirsch genand, Unnd was darinnen Erdt:, Niedte Unnd Unverschloße ist, mit allen Zubehörungen, Wie solches Sie, Unnd die Vorigen besizer innegehabt Unnd beseßen; Erb- Unnd eigenthümber hiermit Unnd vor Dreyzehn Hundert undt Zehen gülden Meißnischer wehrung, aus welcher Kaufsumma, der Herr Käufer alsofort Acht Hundert gülden Zur ahngaabe baar entrichtet, auch die in die Domkirche alhier schuldige, Unnd auf das Verkaufte Hauß Versicherte, Einhundert Unnd Zehen gülden Capital so lange, bis Er solches abführen wirdt, Zu Verzinsen über sich genommen, Inmaßen ihn die Frau Verkeuferin über diese ausgezahlte Achthundert gülden, wie auch über die übernommenen 110.g Domkirchen Capital, Unnd also Zusammen über Neun Hundert Unnd Zehen gülden, hiermit mediante curatore, cum renunciatione exceptionis non numerata pecunia quittieret, die ahn der Kaufsumma annoch rückständigen Vierhundert gülden, will der Herr Keufer folgender gestalt bezahlen, Einhundert gülden, auf Michaelis [29. September] des nachkünftigen 1667sten Jahres, Fünfzigk gülden ad: 1668. Unnd ferner alle Jahre auf Michaelis fünfzigk gülden, bis zur gänzlichen befriedigung, imonitus, bis dahin ist das Hauß der Frau Verkeuferin hiermit ausdrücklich Verpfändet, Nach deßen erfolg, aber ist Sie schuldig, ihren Herrn Keufer also dann gänzliche Verzicht Zuleisten, will ihm auch das Hauß Landtüblichen gewehren. Wann dann beyde theile diesen contract allenthalben nachzuleben einander handtheißen Unnd Zwar die Frau Verkeuferin mit autorität ihres Vormunden, Unnd mit begebung des beneficij Scti Vellejani, auch aller anderer Weiblichen Gerechtigkeiten, daran Sie Vorher genugsam erinnert worden. Zugesaget, auch deren Exceptionibus Doti, Casionis, sei non sic sed aliter gestae, Unnd allen andern, wie die nahmen haben, kräftiglich renunciret haben, Alß ist darüber gegenwärttiger Kaufbrief unter ihrer eigenhändigen unterschrift Unnd Siegeln, ausgefertigt, Unnd soll denen Gerichten Zur Confirmation gebührend Vorgetragen werden, treulich Unnd ohne gefehrde. Actum Hall den 30. Juny Anno 1666
(L. S.) Susanna Bleyin                                   (L. S.) Georg Händel
        Wittbe
(L. S.) Benjamin Schmiedt                            Christoph Händel
cur. von der Frau Bleyin
 

2 Eingabe Georg Händels wegen Erneuerung des Weinschankprivilegs

Hochwürdigster Durchlauchtigster Hochgebohrner Fürst
Ew: HochFürstl: Durchl: seind meine Unterthänigste Gehorsamste Dienste in Pflichtschuldigster Trew auf festes Vermögen stets bereit Zuvor.
Gnädigster Herr
Ew: Hochfürstl: Durchl: werden aus den Beylagen sub A. B. C. und mit mehrern Gnädigst ersehen, welcher gestalt die Besizer des Hauses Zum gelben Hirsche in der Kleinen Clausstrassen allhier, Vor 30. 40. und mehr Jahren, sich der Weinschancks-Gerechtigkeit unbehindert gebrauchet, und nicht allein Landt=, sondern auch Frembdr, als Francken= Reinisch= und Spannische - Weine darinnen öffentlichen verschencket. - Wie wohl nun die Letztern Besizerr besagten Hauses Vor mir sich des Weinschancks vielleicht wegen entstandener Gelegenheit oder Wittben=Standes nicht angenommen und die possess in Summariissimo dadurch verscherzet, so kan doch der Gerechtigkeit des Hauses hierunter nichts entgehen, und werden Ew: Hoch-Fürstl: Durchl: das Vorige Befügnis durch ein Gnädiges Privilegium dero Unterthänigsten Diener Zu sonderbahrer Begnadigung desto mehr hinwieder erheben Können, in Gnädigsten Betracht, Vors 1ste Ew. HochFürstl: Durchl: aus hoher LandesFürstl: Macht solche Privilegia Gnädigst  Zuertheilen haben, Zumahlen da Vors 2der in gegenwertigen Fall die causa privilegii nicht nova, sondern schon vor 30. 40. und mehr Jahren Zu einen Jure a Possessoribus quaesito erwachsen; Innmassen 3tens angefügt zweyfaches Rotulum sub A. & B und abschrifft sub C. mit Eydtlicher Zeugen Deposition gnugsamb erwiesen, daß vor langenn Jahren allerley Ausländische Weine einem Hause öffentlich ohne einige Beirrung verschencket worden. Darzu 4tens die Bequemligkeit des Hauses mit KellerStuben, undt dergleichen annoch männiglich vor Augen,  und die Wein=Stange  5tens in der Zeit Zum  Zeichen daran befunden worden, wie die Zeugen theils selbst bejahen, theils aus dem täglichen Erblicken gnüglich abzunehmen.
Ist demnach an Ew: HochFürstl: Durchl: mein Unterthänigstes Bitten Sie geruhen Gnädigst daß mir an dem Haus ohne das Zustehendte Recht durch ein Gnadigstes Privilegium der gestalt Zuerneuern, daß ich meiner Erben, und Erbnehmen sambt den Jenigen so das Haus hinkünfftig besizen möchten Landt= und Ausländische als Francken= Reinisch= Spanisch und andere Weine hinfüro öffentlich schenken und verzapffen, auch in allen andern Stücken der Wein Schanck Gerechtigkeit wieder mannigliches eintragfrey und unbehindert gebrauchen mögen. Solches umb Ew: HöchFürstl. Durchl: Unterthänigst Zu verdienen, bin ich Pflichtschuldigster Treu v. LebensZeit
Gehorsamst beflissen als
Ew: HochFürstl: Durchl:
Unterthänigster treugehorsaamster
Diener
Georg Handel/Chirurg

[Anmerkung: Von Georg Händel stammen nur die letzten Zeilen, der übrige Text steht in Kanzleischrift.]
 

3 Bildunterschrift für Samuel Scheidt

Hic ille est Samuel cuius vultum aenea cernis
   Scheitius organici gloria prima chori.
O numeris natam liceat quoque sculpere mentem
   Pegaseas liceat sculpere posse manus!
Nil tibi laudo virum sat eum tibi publica laudant
   Scripta: sat artificem nobile laudat opus.
 

Übersetzung:

Dieses ist Samuel Scheidt, dessen eherne Miene du schauest,
   Der unter den Organisten als Bester hervorragte.
O wäre es doch möglich, zu skulptieren den künstlerischen Geist,
   Wäre es möglich, zu meißeln die handwerkliche Kunst!
Nicht würdigt genügend mein Wort und nicht preisen gebührend ihn
   Die Schriften: Den Künstler lobet allein nur der Ruhm seines Werkes.
 
 

4 Brief von Samuel Scheidt an den Rat zu Bitterfeld
vom 25. (vermutlich jedoch 23.) Januar 1652


Denen Wol Ehrenvesten, Gros Achtbarn, wolgelarten, undt wolweisen Herren Bürgermeistern undt Ratsverwanten wie auch den Herren Kirchvätern undt Vorstehern der Kirchen zu Bitterfeldt, meinen grosg: Herrn undt Hochgeehrten lieben werthen Patronen
Wol Ehrenveste, Gros Achtbare und wolgelarte auch wolweise, grosg. Herren, Hochgeehrte liebe werthe Patronen, ich habe in meinen alter den lieben got zu ehren undt zu erbauung der christlichen Kirchen undt Gemeine ein Tabulatur Buch für die H organisten componirt undt drücken lassen, von 100 geistlichen liedern, Her D. M. Lutheri undt anderer gotseligen Männer, uf alle Fest undt Sontage durchs ganze Jhar, wie im Register dieses buchs zu finden, undt zu ersehen weil den meine grosg: undt Hochgeehrte Herren, liebehaber der Kirchen Gesänge, als habe ich mich unterwunden, denen Herren solches wercklein zu offeriren bitte diese meine arbeit, grosg: auf undt an zunehmen, undt meine gute Intention mehr als das werck an ihm selbst ansehen, undt hinfhüro meine Grosg.: Herren sein undt verbleiben, undt wünsche denselben von Got, den Allmechtigen ein Glückseliges, frieden, freuden reiches Neues Jhar, Gesundheit, langes leben undt alles wol ergehen am leib undt seel, Amen
datum Hall den 25 [?] Januarij 1652
E E undt Achtb:
Dienst willigster
Samuel Scheidt: F M: Capel Meister.
Post Scriptum
Uberschicke meinen grosg: Hochgeehrten Herren auch ein gespräch von den Jesulein, aus des Herren beüsti Sprüchlein über die Evangelia, welches ich ihnen zum lieben Neuen Jhar componirt, weil, das fest auf liecht-Mess beschlossen mit den Weihenachtgesängen, also können meine grosg: Hochgeehrte Herren solches singen lassen in ihrer lieben christlichen Kirchen undt gemeine, hoffe es wirdt ihnen (ohne ruhm) nicht übel gefallen diser dialogus.

5 Eintragungen für Valentin und Georg Händel im Bürgerbuch der Stadt Halle

Valtin Händell Ein Kupfer Schmidt aus Preß'lau promotus per Martin Empf unndt Bastian Götzen ddi [dedit] 6f in auro et literas suff: Juravit Act. Dinstags nach Reminiscere Ao 1609
Georg Handel Balbier, und Fürstl. Magdeburgl. Cammerdiener promot: Herr Amtm.
Jacob Lüdicke, und H Christoph Handel dt: 8 Rgf et iuravit den 30ten Juny 1666.
 

6 Drachstedtische Chronik, Eintragung vom 14. Juli 1679

Den 14 July wurde Andreas Pönthern zu GiebichenStein die linke Hand mit einem Meißel abgeschlagen, und zur Staupe geschlagen. Die Uhrsache war, von Halle eine gräsende Magd im Felde nothzüchtigen wollen, da er aber seinen Willen nicht vollbringen konte, wegen starker Weigerung des Menschen, nimmt er ihr die Sichel, und giebt ihr 15 Hiebe und Stiche. Das Mensch wurde nach Halle gebracht und durch die Geschicklichkeit des Cammerdiener Händels beym Leben erhalten.
 

7 Trauungseintragung für G. F. Händels Eltern 1683

1. Der Edele WolEhrenVeste, Grosachtbare und Kunstberühmte Herr Georg Hendel, Churfürstl. Brandeburgischer Wolbestalter Kammerdiener Mit Jungfer Dor[o]theen Meiner Tochter den 23 Aprilis Zu Giebichenstein copuliret.
 

8 Taufeintragung für Georg Friedrich Händel 1685
im Taufregister der Ober-Pfarr-Kirche zu Unser Lieben Frauen

 
Febr.     
        1685    
Martius    
   
   

   
Väter
        Täuffling      Paten.

   
   
   

   
    Die Woche Sexagesima    
o 24.     H Georg Händel, Cammerdiener und  Amts Chirurgus.     Georg Friederich     Herr Philipp Fehrsdorff, hochfl. Sächs. Verwalter Zu Langendorff, Jungfer Anna, Herrn Georg Taustens, gewesenen Pfarrers Zum Giebichenstein S. nachgel. Jgfr. Tochter, und H. Zacharias Kleinhempel, Amts Barbier auffm Näumarckt alhier.

[Händels Geburtstag ist mit größter Wahrscheinlichkeit der 23. Februar 1685 gewesen, da die Taufe traditionsgemäß in Mitteldeutschland einen Tag nach der Geburt erfolgte. Allerdings wird bei diesem Datum üblicherweise nicht berücksichtigt, daß auch in Halle erst 1700 der Gregorianische Kalender eingeführt wurde. Streng genommen wurde Händel also erst am 5. März geboren. - In der Eintragung wird das astronomische Zeichen für Dienstag benutzt: "?". - Siehe S. 31]
 

9 G. F. Händels Eintragung in der Matrikel der Friedrichs-Universität in Halle

A.M.D.C.C.II.
Mense Februario
20) George Friedrich Händel Hall Magdeburg
 

10 Händels Bestallung als Domorganist in Halle 1702

Bestallung vor den organisten Hendel
Demnach die nothwendigkeit erfo[r]dert, daß bey der alhiesigen Königl. Schloß= und Domkirchen zum Organisten, an des ohnlängst abgegangenen Johann Christoph Leporins stelle, ein geschicktes Subjectum  hinwiederumb bestellet werden, undt dann vor andern der Studiosus Georg Friedrich Hendel, welcher vorher bereits verschiedentl. unter abwesenheit ged. Leporins dessen vices vertretten, seiner geschickligkeit halber darzu angerühmet und recommandiret worden;
Alß haben wir zur hiesigen Königl. Schloß und Domkirche auch der Reformirten Gemeinde verordnete Prediger, undt Eltiste denselben, auff Ein Jahr zur probe, zum Organisten bey gemelter Kirche dato dergestalt angenommen, daß Er solch Ihm anvertrautes Ambt mit aller Treue undt fleissigen auffwartsamkeit wohl und wie es Einem Rechtschaffenen Organisten eignet undt gebühret, versehen, so wohl zu Sonn= Bett= undt andern Festtagen, alß auch wann es ausser diesen künfftig extraordinarie erfordert wird, bey dem Gottesdienst die Orgel gebührend schlagen, deßhalb vorhero die vorgeschriebenen Psalmen undt Geistliche Lieder richtig anstimmen und was weiter zur erhaltung einer Schönen harmonie nöthig seyn möchte, in obacht nehmen, zu dem ende jedesmahl zeitig und ehe Mann mit dem läuten auffgehöret, in der Kirche seyn, wie nicht weniger auff die Conservation der Orgel und was derselben anhörig gute acht haben, und wo was daran schadhafft gefunden werden solte, solches fordersamst anzeigen undt alßdann bey der angeordneten reparatur mit guten rath beystehen undt nachsehen, auch denen Ihme vorgesetzten Predigern undt Eltisten alle schuldige ehre und gehorsam erweisen mit denen übrigen Kirchenbedienten aber friedlich sich begehen undt im übrigen Ein christliches undt erbauliches Leben führen solle.  Dahingegen Ihme vor sein mühe undt  Verrichtung zum gehalt dieses Jahrs nemlich von reminiscere  c. a. biß dahin 1703 fünffzig Rthlr, welche auß der Königl. Renthei alhier Er gegen seine quittung quartaliter mit 12 thlr. 12 gr. nächstkünfftigen Trinitatis damit anfahende, zu heben nebst dem auff der Moritzburg von I. K. M.  den Oranisten allergndst. assignirten freyen Logiament, versprochen undt zugesaget worden, Uhrkundlich ist demselben diese Bestallung

unter unserer der Prediger, Vorsteher undt Eltisten eigenhändigen unterschrifft außgestellet.
So geben Halle den 13.ten Martii Ao. 1702.
V. Achenbach
 

11 G. F. Händel an seinen Schwager Michael Dietrich Michaelsen 1719

Monsieur
mon tres Honoré Frere,
Ne jugez pas, je Vous supplie, de mon envie de Vous voir par le retardement de mon depart, c'est à mon grand regret que je me vois arreté icy par des affaires indispensables et d'ou, j'ose dire, ma fortune depend, et les quelles ont trainé plus longtems que je n'avois crû. Si Vous scaviez la peine que j'eprouve, de ce que je n'ai pas pu mettre en execution ce que je desire si ardement Vous [auriez de l'indulgence pour moy. mais a la fin j'espere d'en venir 'a bout dans un mois d'icy, et Vous] pouvez conter que je ne ferai aucun delay, et que je me mettrai incessamment en chemin, Je Vous supplie, Mon tres Cher Frere d'en assurer la Mama et de mon obeissance, et faites moy surtout part encore une fois de Vôtre Etat, de celuy de la Mama, et de Vôtre Chere Famille, pour diminuer l'inquietude et l'impatience dans la quelle je me trouve, Vous jugez bien, Mon tres Cher Frere, que je serois inconsolable, si je n'avois pas l'esperance de me dedommager bientôt de ce delay, en restant d 'autant plus longtems avec Vous.
Je suis etonné de ce que le Marchand a Magdebourg n'a pas encore satisfait à la lettre de Change, je Vous prie de la garder seulement, et à mon arrivée elle sera ajustée. J'ay recus avis que l'Etain ser à bientôt achemine pour Vos endroits, je suis honteux de ce retardement  aussi bien que de ce que je n'ai pas pu m'acquitter plus tôt de ma promesse, je Vous supplie de l'excuser et de croire que malgré tous mes effors il m'a té impossible de reussir, Vous en conviendrez Vous même lorsque j'aurai l'honneur de Vous le dire de bouche. Vous ne devez pas douter que je ne haterai mon voyage: je languis plus que Vous ne scauriez Vous imaginer de Vous voir. Je Vous remercie tres humblement des voeux que Vous m'avez adresses à l'occasion du nouvel'an. Je souhaite de mon côtè, que le Toutpuissant veuille Vous combler et Vôtre Chere Famille de toutes sortes de Prosperites, et d'addoucir par ses pretieuses bendictions la playe sensible qu'il luy a plu de Vous faire essuyer, et qui m'a frappé egalement. Vous pouvez etre assuré que je conserverai toujours vivement le Souvenir des bontés que Vous avez eues par feue mà Soeur, et que les sentiments de mà reconnoissance dureront aussi longtems que mes jours. Ayez la bonté de faire bien mes Complimens à Mr. Rotth et a tous les bon Amis. Je Vous embrasse avec toute
Vôtre Chere Famille, et je suis avec une passion inviolable toute ma vie
Monsieur et tres Honoré Frere
Vôtre
tres humble et tres obeissant
Serviteur
George Frideric Handel.
à Londres
ce 20 des Fevrir 1719.
A Monsieur,
Monsieur Michael Dietrich Michaëlsen,
Docteur en Droit
à Halle
en Saxe.

Übersetzung:

Mein sehr geehrter Herr Bruder,
Beurteilen Sie bitte mein Verlangen, Sie zu sehen, nicht nach der Verzögerung meiner Abreise. Zu meinem Bedauern werde ich hier durch unaufschiebbare Angelegenheiten zurückgehalten, von denen - ich darf es sagen - mein Glück abhängt und die sich länger hingezogen haben, als ich glaubte. Wenn Sie den Kummer empfänden, den ich erleide, weil ich nicht zur Ausführung bringen kann, was ich möchte, so würden Sie Nachsicht mit mir haben. Schließlich hoffe ich aber, hier innerhalb eines Monats zum Ziele zu kommen, und Sie können damit rechnen, daß ich keinerlei Verzögerung hinnehmen und mich unverzüglich auf den Weg machen werde. Ich bitte Sie, mein sehr lieber Bruder, dies und meinen Gehorsam der Mama zu versichern, und lassen Sie mich noch einmal um Ihr Befinden wissen, um das der Mama und das Ihrer lieben Familie, um meine Unruhe und meine Ungeduld, die ich verspüre, zu verringern. Sie vermuten richtig, mein sehr lieber Bruder, daß ich untröstlich wäre, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, mich von diesen Verzögerungen bald befreien zu können, indem ich umso länger bei Ihnen verweile.
Ich bin erstaunt, daß der Magdeburger Kaufmann den Wechselbrief noch nicht eingelöst hat; ich bitte Sie, ihn bis zu meiner Ankunft aufzubewahren, er wird dann in Ordnung gehen. Ich habe Nachricht bekommen, daß das Geld bald an Ihre Adresse angewiesen sein wird, und ich bin über diese Verzögerung ebenso beschämt wie darüber, daß ich mein Versprechen nicht einhalten konnte. Ich bitte Sie, das zu entschuldigen und zu glauben, daß es mir trotz meiner Anstrengungen nicht möglich war, zu einem Erfolg zu kommen. Sie werden das selbst einsehen, sobald ich die Ehre haben werde, es ihnen selbst mündlich auseinanderzusetzen. Zweifeln Sie nicht daran, daß ich meine Reise be-
schleunigen werde, ich sehne mich mehr danach, Sie zu sehen, als Sie es sich vorstellen können. Ich danke Ihnen sehr ergeben für die Wünsche, die Sie mir anläßlich des Jahreswechsels haben zukommen lassen. Ich wünsche meinerseits, daß der Allmächtige Sie und ihre liebe Familie mit aller Art von Wohlstand überschütten möge und durch seine unschätzbaren Segnungen die empfindliche Wunde, die es Ihm gefallen hat, Ihnen zuzufügen, und die mich in gleicher Weise getroffen hat zu mildern. Sie können versichert sein, daß ich immer lebhaft die Erinnerung an die Güte bewahren werde, die Sie gegenüber meiner verstorbenen Schwester gehabt haben, und daß die Gefühle meiner Dankbarkeit so lange dauern werden wie mein Leben. Seien Sie so gütig, meine  Empfehlungen  Mr. Rotth und an alle gute Freunde auszurichten. Ich umarme Sie und Ihre ganze Familie, und ich bin mit unveränderlicher Liebe für mein ganzes Leben,
mein Herr und sehr lieber Bruder,
Ihr ergebener und sehr gehorsamer Diener
Georg Friedrich Händel
in London,
den 20. Februar
1719
 

12  Händel an M. D. Michaelsen
[Anmerkung: Dieser Brief gehört zu den ganz wenigen erhaltenen Briefen, die Händel in deutscher Sprache geschrieben hat.]

                       23
London den   ---  February 1731
                       12

Monsieur
et tres Honoré Frere.
Deroselben geEhrtestes vom 6 January habe zurecht erhalten, woraus mit mehreren ersehen die Sorgfalt die Derselbe genommen meine Seelige Fr. Mutter geziemend und Ihrem lezten Willen gemäß zur Erden zu bestatten. Ich kan nicht umhin allhier meine Thränen fließen zu lassen. Doch es hat dem Höchsten also gefallen, Deßen heyligen Willen mit Christlicher Gelassenheit mich unterwerffe. Ihr Gedächtnüß wird indeßen nimer bey mit erlöschen, biß wir  nach diesen leben wieder vereiniget werden, welches der Grundgütige Gott in Genaden verleyen wolle.
Die vielfältige Obligationes so ich meinem HochgeEhrten Hln Bruder habe vor die beständige Treüe und Sorgfalt womit derselbe meiner lieben Seeligen Frau Mutter allezeit assistiret werde nicht mit Worten allein sondern mit schuldiger Erkäntlichkeit zu bezeügen mir vorbehalten.
Ich verhoffe daß Mhhhl Bruder mein letzteres so in Antwort auff deßen vom 28 Decembris a. p. geschrieben, mit den Inlagen an den Hln Consistorial Rath Franck und Hln Vetter Diaconus Taust wird zu recht erhalten haben. Erwarte also mit verlangen Deßen  HochgeEhrteste Antwort, mit angeschloßener Notice wegen der auffgewandten Unkosten, wie auch die gedruckte Parentation und Leichen Carmina.
Indeßen bin sehr verbunden vor  das lezt überschickte herrliche Carmen welches als ein hochgeschäztes  Andenken verwahren werde.
Übrigens Condolire von Herzen Mhhhl Bruder und Deßen HochgeEhrteste Fr. Liebste wegen des sensiblen Verlusts so Sie gehabt  durch  das Absterben dessen Herrn Schwagers und bin sonderlich durch dessen Christmässige Gelassenheit erbauet. Der Höchste erfülle an uns allen dessen trostreichen Wunsch, in Deßen allgewaltigen Schutz meinen HochgeEhrten Hln Bruder mit Dero gesamten liebwehrtesten Familie empfehle, und mit aller ersinlicher Ergebenheit verharre
Ewr HochEdl.
Meines HochgeEhrtesten Herrn Bruders
tres humble et tres obeissant Serviteur
George Friedrich Händel.
A Monsieur
Monsieur Michel Dietrich Michaëlsen
Conseiller de Guerre de Sa Majesté Prussienne
a Halle en Saxe.
 
 

13 Händel an G. Ph. Telemann 1750
                         25
à Londres ce  ---  de Decembre 1750
                         14

Monsieur
J'etois sur le point de partir de la Haye pour Londres, lorsque Votre tres agreable Lettre me fut rendüe par Mr Passerini. J'avois justement le tems de pouvoir entendre chanter son Epouse. Votre Appuy et recommandation suffisoit a exiter ma curiosité non seulement, mais aussi a Luy accorder toute l'approbation, cependant j'étoit bien tôt convaincu moy meme de son rare merite. Ils s'en vont pour l'Ecosse, a remplir le devoir d'un Engagement qu'ils ont pour des Concerts, pendant une saison de six mois. Là Elle pourrà se perfectioner dans la Langue Angloise, et alors (comm'ils ont intention a sejourner pour quelque tems a Londres) je ne manquerai pas de Leur rendre toutes les services qui dependront de moy.
D'ailleurs j'etois fort touché de Vos expressions polies et toutes remplies  d'Amitié, Vos  manieres obligeantes et  Votre Reputation m'ont  fait trop d'impression sur mon Coeur et sur mon Esprit, pour ne pas Vous rendre le Reciproque due a Votre gentilesse. Soyez sûr que Vous trouverai toujours en moy un retour plein de sincerité et de veritable Estime.
Je Vous remercie du bel Ouvrage du Sisteme d'intervalles que Vous avez bien voulu me communiquer, il est digne de Vos Occupations et de Votre Scavoir.
Je Vous felicite de la parfaite Santé que Vous jouissez dans un Age assez avancé, et je Vous souhaite de bon Coeur la Continuation de toute sorte de prosperité pendant plusieurs Ans a l'avenir. Si la passion pour les Plantes exotiques & pourroit prolonguer Vos jours, et soutenir la vivacité qui Vous est naturelle, Je m'offre avec un sensible plaisir a y contribuer en quelque maniere. Je Vous fais donc un Present, et je Vous envoye (par l'adresse cy jointe) une Caisse de Fleurs, que les Connoisseurs  de ces Plantes m'assurent d'etre choisies et d'une rareté charmante, s'il medisent le vray, Vous aurez des Plantes les meilleures de toute L'Angleterre, la saison est encore propre pour en avoir des Fleurs, Vous en serez le meilleur Juge, j'attens Vôtre decision la dessus. Cependant ne me faites pas languir longtems pour Votre agreable Reponse a celle cy, puisque je suis avec la plus sensible Amitie, et passion parfaite
Monsieur
Votre tres humble et tres obeissant Serviteur
George Frideric Handel.

Übersetzung:

Monsieur,
Ich war gerade im Begriff, von Haag nach London abzureisen, als mir Ihr sehr angenehmer Brief von Herrn Passerini übergeben wurde. Ich hatte eben noch die Zeit, seine Frau singen hören zu können. Ihre Unterstützung und Empfehlung genügte, nicht nur meine Neugier zu erregen, sondern ihr auch allen Beifall zu zollen, zumal ich bald selbst von ihrem seltenen Verdienst überzeugt war. Sie gehen jetzt nach Schottland, um dort ihre Konzertverpflichtungen während einer sechsmonatigen Spielzeit zu erfüllen. Dort wird sie sich in der englischen Sprache vervollkommnen, und dann werde ich (da sie die Absicht haben, sich einige Zeit in London aufzuhalten) nicht ermangeln, ihnen alle Förderungen angedeihen zu lassen, die von mir abhängen.
Übrigens war ich sehr berührt von Ihren höflichen und von Freundschaft erfüllten Worten, Ihre verpflichtende Art und Ihr Ansehen haben zu großen Eindruck auf mein Herz und mein Hirn gemacht, um Ihnen nicht das Gleiche zu vergelten, wie ich es Ihrer Liebenswürdigkeit schulde. Seien Sie versichert, daß Sie bei mir stets einen Gegendienst voller Aufrichtigkeit und wahrhaftiger Hochschätzung finden werden.
Ich danke Ihnen für das schöne Werk über das Intervallsystem, das Sie so gütig waren, mir zu übersenden, es ist Ihrer Beschäftigungen und Ihres Wissens würdig.
Ich beglückwünsche Sie zu der vollkommenen Gesundheit, deren Sie sich in so hohem Alter erfreuen, und wünsche Ihnen von ganzem Herzen die Fortdauer allen Glückes für die zukünftigen Jahre. Wenn die Leidenschaft für die exotischen Pflanzen usw. Ihre Tage verlängern und die Lebhaftigkeit erhalten kann, die Ihnen eigen ist, so biete ich mich mit großem Vergnügen an, in irgendeiner Weise dazu beizutragen. Ich mache Ihnen ein Geschenk und übersende Ihnen (durch die beigeschlossene Adresse) eine Kiste Blumen, von denen mir die Kenner dieser Pflanzen versichern, falls sie mir die Wahrheit sagen, sie seien erlesen und von reizvoller Seltenheit. Sie werden die besten Pflanzen aus ganz  England bekommen, die Jahreszeit ist noch passend, daran Blüten zu haben. Sie werden dafür der beste Richter sein, und ich erwarte ihr Urteil darüber. Inzwischen lassen Sie mich nicht lange nach Ihrer angenehmen Antwort auf dieses schmachten, denn ich bin mit der tiefstempfundenen Freundschaft und voller Zuneigung,
Monsieur,
Ihr sehr ergebener und sehr gehorsamer Diener
George Frideric Handel.
 
 

14 Händel an Georg Philipp Telemann 1754

Il y quelque temps que j'ay fis preparer une provision de plantes exotiques pour vous les envoyer, quand Jean Carsten le Capitain (a qui je fis parler pour vous les faire tenir) me fit dite qu'il avoit apri que vous etiez defunt; vous ne doutez pas que ce rapport m'affligea extremement. Vous Jugeréz donc de la Joye que je dois avoir d'entendre que vous vous trouvez en perfaite Santé. Le mêmê Capitain Jean Carsten qui vient d'arrive icy de retour de vos quartiers, me mandes par un amy cette bonne nouvelle, et que vous lui avoit Consigné une Liste de plantes exotiques, pour vous les procurer, j'ay embrassé cette occasion avec beaucoup de plaisir, et j'ay eû Soin de faire trouvér cettes plantes, et vous les auréz presque toutes; Come le Capitain Ca[r]sten ne doit pas partir d'icy qu'au mois de Decembre prochain, il a bien voulû ce Charger de les envoyer par le premier vaisseau qui partira d'icy, dont vous trouverez dans cet Billet cy joint le nom du Capitain et du vaisseau. Je souhaite que ce petit present que j'ose vous offrir vous soit agreable; Je vous supplieé a me vouloir donner des nouvelle de vôtre Santé que je vous souhaite tré perfaite et toute Sorte de proscrit'e qui suis avec un estime inviolable,
Monsieur
vôtre tres humble et tres obeissant serviteur
G: F: Händel
a Londres ce 20 Sepr. 1754.
 

Übersetzung:

Sehr geehrter Herr!
Vor einiger Zeit ließ ich einen Vorrat exotischer Pflanzen zusammenstellen, um sie Ihnen zu senden, als mir der Kapitän Jean Carsten (an den ich mich gewandt hatte, um sie Ihnen zu übersenden) sagen ließ, daß er gehört habe, Sie seien verstorben. Sie werden nicht zweifeln, daß mich diese Nachricht auf das äußerste betrübte. Sie können sich also die Freude denken, die ich empfand, als ich hörte, daß Sie vollkommen gesund sind. Derselbe Kaptän Jean Carsten, der soeben von Ihrem Wohnsitz zurückkommt, sendet mir diese gute Nachricht durch einen Freund. Da Sie ihm nun eine Liste exotischer Pflanzen zur Besorgung überschrieben haben, so ergriff ich diese Gelegenheit mit sehr viel Freude und habe Sorge getragen, daß diese Pflanzen gefunden werden. Sie werden beinahe alle bekommen. Da Kapitän Carsten nicht vor Dezember abfahren kann, so hat er sich bemüht, sie mit dem nächsten abfahrenden Schiff zu schicken In dem hier beigeschlossenen Zettel werden Sie den Namen des Kapitäns und Schiffes finden. Ich wünsche, daß das kleine Geschenk, das ich Ihnen anzubieten wage, Ihnen willkommen sei. Ich bitte Sie, mir Nachrichten über ihre Gesundheit zu geben, für die ich Ihnen das Beste und jedes mögliche Glück wünsche, der ich bin in unveränderter Hochschätzung,
Sehr geehrter Herr,
Ihr ergebenster und gehorsamster Diener
G: F: Handel
in London, den 20. September 1754
[Anmerkung: In diesem Brief ist nur die Unterschrift von Händel selbst.]
 

15 Kurfürstin Sophie von Hannover an ihre Enkelin, die preußische Kronprinzessin Sophie Dorothea  [ZSTA Merseburg]

                            A Herenhausen le 4 de Juin 1710
Jay rescu ma chere fille votre aimable lettre par L'ambasadeur dangleterre... je va... tous les jours voir nostre Princesse Electorale cui se porte a present fa bien et ne garde plus le lit elle se [oder: selon?] divertit de la Musique d'un Saxson qui surpasse chaque [dieses Wort ist kaum zu entziffern] qu'en a jamais entnandre sur le Clavecin et dans la Composition ou L'a fort admire en Italye il est fort propre a estre Maistre de chapelle et le Roy L'avait [oder: aurait?] sa Musique serait bien mieux en ordre qu'elle est a present il va a Dusseldorf pour y composer un opera...
ASAR
Madame La Princesse
Royale de Prusse
 

                            A Herenhausen le 14 Juin 1710
Nostre bande Commediens Italiens ou Napolitins a finie, comme autre foys ceus du Duc de Zell par des coups... autrement... il ny a pas grand chose a dire si non L'Electeur a mis en maitre de Chapelle qui sapelle Hendel qui joue a mervelle du Clavecin dont le Prince et la Princesse Electorale ont beaucoup de joye, il est alter bel homme et la medisance dit qu'il a este amant de la Victoria...
ASAR
Madame la Princesse
Royale de Prusse
 

Übersetzung:
                           In Herrenhausen, den 4. Juni 1710
Ich beeile mich, meine liebe Tochter, Ihren liebenswürdigen Brief zu beantworten... ich besuche täglich unsere Kurprinzessin, die sich nun wohl befindet und nicht mehr zu Bett liegt; sie ergötzt sich an der Musik eines Sachsen, die alles übertrifft, was ich je auf dem Cembalo und in der Composition gehört habe. Man hat ihn in Italien sehr gefeiert. Er eignet sich zum Capellmeister; wenn der König [von Preußen] ihn hätte, würde seine Musik besser in Ordnung sein als heute. Er geht aber nach Düsseldorf, um dort eine Oper zu komponieren...

                         In Herrenhausen, den 14. Juni 1710
Unsere italienische bzw. neapolitanische Komödiantentruppe ist nicht mehr da, weil ihr der Herzog von Zell plötzlich ein anderes Domizil gegeben hat... Hier gibt es nichts Neues, außer daß der Kurfürst einen Capellmeister namens Händel in Dienst genommen hat, der wunderbar Cembalo spielt, dem Kurprinzen und der Kurprinzessin zur Freude. Er ist ein recht schöner Mann, und der Klatsch sagt, daß er der Geliebte der Victoria gewesen ist...
 

16 Händels Testament vom 1. Juni 1750

In the Name of God Amen.
I George Frideric Handel considering the Uncertainty of human Life doe make this my Will in manner following
viz.
I give and bequeath unto my Servant Peter le Blond, my Clothes and Linnen, and three hundred Pounds sterl: and to my other Servants a Year Wages.
I give and bequeath to Mr Christopher Smith my large Harpsicord, my little House Organ, my Musick Books, and five hundred Pounds sterl:
Item I give and bequeath to Mr James Hunter [mehrere Wörter unleserlich durch Ausstreichung] five hundred Pounds sterl:
I give and bequeath to my Cousin Christian Gottlieb Handel of Coppenhagen one hundred Pounds sterl:
Item I give and bequeath to my Cousin Magister Christian August Rotth of Halle in Saxony one hundred Pounds sterl:
Item I give and bequeath to my Cousin the Widow of George Taust, Pastor of Gibichenstein near Halle in Saxony three hundred Pounds sterl: and to Her six Children each two hundred Pounds sterl:
All the next and residue of my Estate in Bank Annuity's 1746. 1st sub. or of what soever Kind or Nature.
Igiveand bequeath unto my Dear Niece Johanna Friderica Floercken of Gotha in Saxony (born Michäelsen in Halle) whom I make my Sole Exectrix of this my last Will
In wittness Whereof I have here unto set my hand this 1 Day
of June 1750.
George Frideric Handel.

Übersetzung:

Im Namen Gottes Amen.
Ich, George Frideric Handel, erkläre in Anbetracht der Ungewißheit des menschlichen Lebens dies als meinen letzten Willen,
nämlich:
Ich gebe und vermache meinem Diener Peter le Blond meine Kleider und Wäsche und dreihundert Pfund Sterling; und meinen übrigen Dienern einen Jahreslohn.
Ich gebe und vermache Mr. Christopher Smith Senior mein großes Cembalo, meine kleine Hausorgel, meine Musikalien und fünfhundert Pfund Sterling.
Ferner gebe und vermache ich Mr. James Hunter fünfhundert Pfund Sterling.
Ich gebe und vermache meinem Vetter [Großneffe] Christian Gottlieb Handel in Kopenhagen einhundert Pfund Sterling. Ebenso gebe und vermache ich meinem Vetter Magister Christian August Rotth in Halle in Sachsen einhundert Pfund Sterling.
Ebenso gebe und vermache ich meiner Cousine [Tante], der Witwe des Pastors George Taust in Giebichenstein bei Halle in Sachsen, dreihundert Pfund Sterling und ihren sechs Kindern je zweihundert Pfund Sterling.
Alles weitere und den Nachlaß meines Vermögens an Südsee-Aktien, Bankaktien oder welcher Art und Natur auch immer, schenke und vermache ich meiner lieben Nichte Johanna Friderica Floerken in Gotha in Sachsen (geborene Michaelsen in Halle), die ich zu meiner einzigen Vollstreckerin dieses meines letzten Willens mache.
Zum Zeugnis dessen habe ich hierunter meine Unterschrift gesetzt an diesem 1. Tag des Juni 1750.
George Frideric Handel.
 

17 Händels Eintragung über sein Augenleiden in der Partitur des Oratoriums "Jephtha"

biß hierher kommen den 13. Febr. ? [Mittwoch] 1751 verhindert worden wegen  "relaxation" des Gesichts meines linken Auges so relaxt
den 23 ? [Sonnabend] dieses etwas besser worden wird angegangen.
 

18 Taufeintragung für J. Chr. Schmidt d. Ä.

Dem 17. Martii  1683  wurde getauft Johann Christoph Herrn Hannß Jörg Schmidtens, Bürgers und Handels-Manns alhier, und Frauen Margarethen Barbaren seiner Hausfrauen Söhnlein. wahr Gevatter Herr Christoph Sander, Bürger und Handels-Mann alhier.
 

19 Taufeintragung für J. Chr. Schmidt d. J.

Johann Christoph, 7. Januar 1712. H. Johann Christoph Schmidts Handelsmans allhier und deß Eheweibes Anna Susanne Ehel. Söhnlein. Z. Hn. Johann Christoph Braun Hochf. Secretar. und H. M. Jerem. Kernen Diacon allhier.
 

20 Testament von J. Chr. Schmidt d. Ä.

The last Will & Testament of me Christopher Smith of the Parish of Saint Ann in the Liberty of Westminster & County of Middlesex, Gentleman, I Give, and bequeath unto my son John Christopher Smith All my Musick Books and Pieces of Musick whether Manuscript or otherwise which were left to me in & by the last Will & Testament of my Friend George Frederick Handel deceased And also all my other Musick & Books of Musick both in print and manuscript and all my Instruments of Musick which I shall be possessed of at the time of my decease And all the rest & residue of my personal estate of what nature and kind soever and wheresoever that I shall be  possessed of interested in or intitled to at the time of my decease (my Debts & Funeral expenses being first fully paid & satisfyed) I Give and bequeath unto my son John Christopher Smith In Trust only & for the Intents purposes following. And first my Will is that my said Trustee shall & do sett apart a sufficient sum & out of the Interest or Produce thereof pay and apply the sum of Twelve Guineas yearly by monthly payments of one Guinea each to and for the maintenance & education  of Mary Smith Daughter of Mary Dowling untill she  shall be able to maintain herself and go to service at which time the said monthly paymants shall cease and determine,  And when & as soon as she shall arrive at the age of Twenty one years or be married, Then I order & direct my Trustee to pay to her the said Mary Smith the sum of Fifty pounds to & for her own Use & benefit And I do earnestly recommend to & intreat my said Trustee & Executrix herein afternamed to take the like care of Mrs. Charlotte Ebelin Widow as I have always done in my Lifetime, And I Give and bequeath unto Mary Smith my Maid Servant now residing with me & be in my service at the time of my Decease but not otherwise, And it is my Will that all the rest & residue of my personal Estate shall be turned into money with all convenient speed by my said Trustee & paid to & equally divided between my two Daughters Charlotte  Teede Wife of William Teede and Judith Rector Widow af John Rector share und share alike, And I do Constitute and Appoint my said Son John Christopher Smith and my said Daughter Judith Rector Executors of this which I declare to be my last Will & Testament hereby revoking all other Wills by me at any time heretofore made
In Witness whereof I the said Christopher Smith have hereunto sett my hand & Seal this Sixteenth day of December in the year of our Lord One thousand seven hundred and sixty two.
Signed Sealed published &
declared by the Testator as
& for his last Will & Testa-
ment
in the Presence of us
who have subscribed our Christ.rSmith
names in his presence & in
the presence of each other
Theodr. Forrest.
Joseph Mahoon.

Übersetzung:

Letzter Wille und Testament von mir, Christopher Smith, aus dem Kirchspiel zu St. Annen im Bezirk Westminster und der Grafschaft Middlesex, Gentleman. Ich vermache und hinterlasse meinem Sohn John Christopher Smith meine sämtlichen Notenbücher und Musikstücke, ob im Manuskript oder anders, welche mir durch den letzten Willen und Testament meines Freundes, des verstorbenen George Frederick Handel, hinterlassen wurden. Und ebenso meine sämtlichen anderen Noten und Notenbücher, sowohl gedruckt als auch im Manuskript und alle meine Musikinstrumente, welche ich zur Zeit meines Todes besitzen werde. Und alles Übrige meines persönlichen Besitzes, welcher Natur und Art auch immer, und wo auch immer es sich befindet, das ich besitze oder an dem ich beteiligt bin oder auf das ich Anspruch habe zur Zeit meines Todes (nachdem meine Schulden und Kosten für das Begräbnis zuvor vollständig bezahlt und abgegolten wurden), hinterlasse und vermache ich meinem Sohn John Christopher Smith nur zu treuen Händen und für folgende  Zwecke und Absichten. Und zuerst ist mein Wille, daß mein besagter Treuhändereine genügende Summe beiseite tut und aus den Zinsen oder dem Ertrag daraus die Summe von zwölf Guineen jährlich in monatlichen Zahlungen von je einer Guinee für den Unterhalt und die Erziehung von Mary Smith, Tochter von Mary Dowling, zahlt und verwendet, bis sie imstande ist, sich selbst zu erhalten und einen Dienst anzunehmen, zu welcher Zeit besagte monatliche Zahlung aufhören und beendet werden soll. Und wenn und sobald sie das Alter von einundzwanzig Jahren erreicht hat oder heiratet, hat mein Treuhänder von mir Befehl und Anweisung, ihr, besagter Mary Smith, die Summe von fünfzig Pfund auszuzahlen zu ihrer eigenen Verwendung und Nutznießung. Und ich empfehle und ersuche ernstlich meinen besagten Treuhänder und die weiter unten genannte Testamentsvollstreckerin, die gleiche Sorge für Mrs. Charlotte Ebelin, Witwe, zu tragen, wie ich es immer  zu meinen Lebzeiten getan habe. Und ich hinterlasse und vermache meiner Dienerin Mary Smith, welche jetzt bei mir wohnt, zwanzig Pfund, vorausgesetzt, daß sie bei mir bleibt und zur Zeit meines Todes in meinem Dienst steht, nicht aber andernfalls. Und es ist mein Wille, daß der gesamte Rest meiner persönlichen Habe von meinem besagten Treuhänder so schnell wie möglich in Geld umgewandelt und meinen beiden Töchtern Charlotte Teede, Frau von William Teede, und Judith Rector, Witwe von John Rector, gezahlt und zu gleichen Teilen zwischen ihnen aufgeteilt wird. Und ich ernenne und bestimme meinen besagten Sohn John Christopher Smith und meine besagte Tochter Judith Rector zu Vollstreckern dieses Dokumentes, welches ich als meinen letzten Willen und Testament erkläre, indem ich hiermit alle anderen Testamente widerrufe, welche ich zu irgendeinem Zeitpunkt bisher gemacht habe.
Zum Zeugnis dessen habe ich, besagter Christopher Smith, meine Unterschrift und mein Siegel heute, den  sechzehnten Tag des Dezember im Jahre des Herrn eintausendsiebenhundertzweiundsechzig daruntergesetzt.
Unterzeichnet, gesiegelt, aus-
gefertigt und vom Testator als
letzter Wille erklärt in unserer,
der Endesunterzeichneten, Christ.r Smith
Gegenwart, die wir unsere
Namen in seiner Gegenwart
und jeder in der Gegenwart
des anderen daruntergesetzt
haben.
Theodr. Forrest.
Joseph Mahoon.
 
 
 

21 Antwort von Romain Rolland auf die Einladung des
Händelfestausschusses zum Arbeiter-Händel-Fest 1926


Villemarie (Suisse) 17 mai 26

Cher Monsieur
Votre invitation mefait "gros coeur", comme on dit en francais - (c'est `a dire, qu'elle me donne des regrets): car je serais heureux d'entrer en relations personelles avec les Arbeitersänger de Leipzig, qui m'inspirent une vive sympathie, et leur programme est fort beau. Il n'est pas d'oeuvres de Haendel que j'admire autant que Samson et Herakles; j'aurais eu plus de joie encore à les entendre que, l'an dernir, Salomon et Belsazar.
Mais Hélas! je ne suis pas libre. J'ai disposé déjà de la fin de juin. Je suis très fâché de ne pouvoir être des vôtres, pour vos fêtes du 26-28 juin.
Je vous exprime tous mes regrets, et mon amicale sympathie.
Croyez moi, je vous suis, cher Monsieur, votre tout dévoué

                                         Romain Rolland
 

Übersetzung:

Villemarie(Schweiz), 17. Mai 26

Geehrter Herr!
Ihre Einladung macht mir ein "schweres Herz", wie man im Französischen sagt - (d.h. sie löst in mir Bedauern aus); denn ich würde glücklich sein, persönliche Beziehungen mit den Arbeitersängern von Leipzig anzuknüpfen, die mir lebhafte Sympathie einflößen, und ihr  Programm ist sehr schön. Es gibt keine Werke von Händel, die ich so bewundere wie Samson und Herakles. Ich hätte noch viel mehr Freude gehabt, sie zu hören als im letzten Jahr Salomon und Belsazar.
Aber leider bin ich nicht frei. Ich habe schon über Ende Juni disponiert. Es tut mir sehr leid, nicht bei Ihnen sein zu können zu Ihren Festtagen vom 26.-28. Juni.
Ich drücke Ihnen mein  tiefes Bedauern aus und meine freundschaftliche Sympathie. Glauben Sie mir, ich bin, mein Herr,
Ihr sehr ergebener

Romain Rolland
 
 

22 Gründungsprotokoll der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft

                                     Halle, am 23 April 1955

Gründung der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft
Die Unterzeichneten gründen hiermit die Georg-Friedrich- Händel-Gesellschaft, Sitz Halle/Saale.
Als Satzung der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft wurde die anliegende von dem gewählten geschäftsführenden Vorstand unterzeichnete Satzung beschlossen. Die Wahl des Gesamtvorstandes ergab folgendes:
  Präsident:                     Prof. Dr. Max Schneider, Halle
  Vizepräsident:               Prof. Dr. Rudolf Steglich, Erlangen
  Wissenschaftlicher
         Sekretär:               Prof. Dr. Walther Siegmund-Schultze, Halle
  als geschäftsführender Vorstand.
Als weitere Mitglieder des Gesamtvorstandes wurden gewählt:
Generalmusikdirektor Horst-Tanu Margraf, Halle
  Prof. Dr. Walther Serauky, Leipzig
  Prof. Dr. E. H. Meyer, Berlin
          sowie vorbehaltlich ihrer Zustimmung
  Prof. Dr. Jens Peter Larsen, Kopenhagen
  William Charles Smith
  Arnold Goldsbrough, London

Der geschäftsführende Vorstand wird ermächtigt,
    Herrn Prof. Dr. Edward Dent
die Ehrenmitgliedschaft anzutragen.
Die Mindesthöhe des jährlich zu zahlenden Mitgliedsbeitrages
wurde bis auf weiteres mit DM 10,- festgelegt.

Dr. Max Schneider
Dr. Rudolf Steglich                 Horst Tanu Margraf
D Dr. hc. Karl Vötterle            Georg Engelmann
Arno Rammelt                        Wolfgang Renner
Dr. Wolfgang Rehm
W. Siegmund-Schultze          Helmut Steffens
Konrad Sasse                         Theodora Lott
Frieder Zschoch


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