Händel – der Europäer: die Jahre 1703–1759

RUNDGANG OBERGESCHOSS


Händel – der Hallenser
Ein Komponist von europäischem Format
Eine viel porträtierte Künstlerpersönlichkeit
Unter der Sonne Arkadiens
Musik zur öffentlichen Repräsentation
Händels London
Opernkomponist und Unternehmer
Meister des englischen Oratoriums
Händel – der Weltbürger





Händel – der Hallenser
Der Raum Händel – der Hallenser bietet eine Zusammenfassung Händels Hallenser Zeit, die in den Ausstellungsräumen des 2. OG ausführlich präsentiert wird. Am 23. Februar 1685 wurde Georg Friedrich Händel in diesem Haus geboren und am folgenden Tag in der Marktkirche getauft. Er wuchs mit seinen beiden jüngeren Schwestern Dorothea Sophia (1687–1718) und Johanna Christiana (1690–1 709) auf und verlebte in Halle seine Kindheit und Jugend. Der Organist der Marktkirche, Friedrich Wilhelm Zachow (1663–1712), machte ihn mit der mitteldeutschen Kantorentradition sowie verschiedensten europäischen Nationalstilen vertraut. Im Februar 1702 begann Händel ein Studium an der noch jungen, sehr fortschrittlichen halleschen Universität. Im folgenden Monat ließ er sich für ein Jahr zur Probe als Organist am Dom anstellen und komponierte in dieser Zeit nach eigenen Aussagen „wie der Teufel“.


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„Hall in Sachsen“ Kupferstich von Friedrich Bernhard Werner, um 1740 BS-IIa, 159


Ein Komponist von europäischem Format
1703 verließ Händel im Alter von 18 Jahren seine Heimatstadt. Sein Weg führte ihn zunächst nach Hamburg, wo er eine Anstellung als Geiger und Cembalist erhielt und seine ersten Opern schrieb. Drei Jahre später reiste er in das Mutterland des Belcanto – nach Italien. Im Januar 1707 erregte er in Rom in der Basilika San Giovanni in Laterano mit seinem Orgelspiel Aufsehen. Als Musiker und Komponist schlug er bis 1710 nicht nur in Rom, sondern auch in Florenz, Venedig und Neapel Kleriker und Fürsten in seinen Bann, die ihn mit Aufträgen überhäuften. Neben den beiden Opern Rodrigo (Florenz 1707)und Agrippina (Venedig 1709) und den Oratorien Il Trionfo del Tempo e del Disinganno und La Resurrezione (Rom 1707 und 1708) schrieb er in Italien auch zahlreiche weltliche Solokantaten und lateinische Kirchenmusik.

Nach einem Intermezzo in Hannover als Kapellmeister des Kurfürsten Georg Ludwig, des späteren Königs George I. von England, ging Händel 1712 nach London, wo er den größten Teil seines Lebens bis zu seinem Tod verbrachte. Im Winter 1718/19 entstand die Königliche Musikakademie, ein Aktienunternehmen zur Aufführung italienischer Opern. Der König selbst beteiligte sich mit jährlich eintausend Pfund.
Über zwei Jahrzehnte lang widmete Händel sich nun als Komponist und freier Unternehmer der Etablierung der italienischen Opera seria, bevor er sich schließlich verstärkt dem englischsprachigen Oratorium zuwandte. Außerdem komponierte Händel Festmusiken für das britische Königshaus. 1723 erhielt er offiziell den Titel eines Hofkomponisten: „Composer of Musick for his Majesty’s Chappel Royal“, und 1727 die englische Staatsbürgerschaft.
Händel war in mehrfacher Hinsicht ein echter Europäer. Er wuchs in der mitteldeutschen Musiktradition auf, wurde in Italien berühmt und in England heimisch. Händel sprach fließend französisch, italienisch und englisch. Musikalisch gelang es ihm, verschiedene europäische Nationalstile zu einer meisterhaften und neuartigen Synthese zu vereinen. Bis heute wird Händels Werk weltweit aufgeführt und bewundert.

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Hamburg, Stadtplan und Stadtansicht. Radierung von Matthäus Seutter, um 1750. BS-IIb,9b


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Rom, Stadtplan. Kupferstich von Johann Baptista Homann, um 1720. BS-IIc,9


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Hannover, Stadtansicht. Kupferstich von Caspar Merian, 1637, nach Conrad Buno. BS-IId,26


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London, Südwestansicht. Radierung von Thomas Bowles, 1750. BS-IIe,5


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Florenz, Stadtplan und Stadtansicht. Kupferstich von Matthäus Seutter, um 1740. BS-IIc,3


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Oxford, Stadtansicht. Radierung von Pieter Schenk, um 1710. BS-IIe,36


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Dublin, Stadtplan. Altkolorierter Kupferstich von John Andrews, um 1776. BS-IIe,38


Eine viel porträtierte Künstlerpersönlichkeit
Kein Künstler seiner Zeit ist so oft porträtiert worden wie Georg Friedrich Händel. Mehr als 20 Darstellungen sind als authentisch anzusehen. Wir erleben ihn als selbstbewussten, Respekt einflößenden, ernsten Mann, dann aber auch wieder als freundlich, heiter-gelassen, klug und in sich gekehrt. Über diese zum Teil sehr gegensätzlichen Charaktereigenschaften berichten seine Zeitgenossen in Briefen, Tagebuchnotizen, Zeitungsartikeln und Anekdoten. Dass über Händel von Persönlichkeiten aus Musik, Literatur und Gesellschaft relativ viel geschrieben wurde, unterstreicht die öffentliche Aufmerksamkeit, die man ihm und seiner Kunst entgegenbrachte.
Händel selbst jedoch äußerte sich über sein privates Leben wenig. Aus Zeitgründen, wie er angab, lieferte er keinen Textbeitrag für Johann Matthesons Grundlage einer Ehren-Pforte von 1740, der wir z. B. eine Autobiographie von Telemann verdanken. Lediglich einige Briefe in deutscher, französischer und englischer Sprache sind uns von ihm erhalten geblieben. Seine Aufmerksamkeit widmete Händel vor allem dem wichtigsten Teil seines Lebens – seinen originellen und großartigen Kompositionen sowie deren Aufführung und Verbreitung. Für seine Zeit ungewöhnlich ist die Sorgfalt, mit der er seine nach 1707 entstandenen Werke datiert, verwahrt, abschreiben lässt oder gar selbst ediert. Dadurch wird er für alle Zeiten zum besten Sachwalter seiner selbst.

web_HHG_haendel_bs-i_113   Georg Friedrich Händel(?)
  Ölgemälde, unsigniert, aus dem Umkreis von Thomas
  Hudson, 18. Jahrhundert. BS-I,113
Georg Friedrich Händel
Kupferstich von Jacobus Houbraken,
vor 1738.

Dieses Händel-Portät hat der Komponist als
Frontispiz zu Partituren seiner Werke selbst
veröffentlicht und von seinem Haus in London
aus vertrieben, erstmalig 1738 in dem
Notenband zu Alexander's Feast. In der
unteren Bildhälfte ist eine Scene aus dieser
Ode dargestellt.
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web_HHG_mainwaring   Memoirs of the Life of the Late
  George Frederic Handel
  Händel-Biographie von John Mainwaring,
  London 1760. 100 021-T
 
  Die älteste Händel-Biographie ist gleichzeitig die erste
  Monographie über einen Komponisten. Sie erschien
  bereits 1761 in deutscher Übersetzung mit zusätzlichen
  Kommentaren von Johann Mattheson.
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General History of the Science
and Practice of Music

   Musiklexikon von John Hawkins, Bd. 3 von
   5 Bänden, London 1776, 301 319
   



Unter der Sonne Arkadiens
Händel wird von seinen Zeitgenossen als kraftvoll und zupackend geschildert. Bei seinem Cembalospiel griff er buchstäblich mit vollen Händen in die Tasten. Dass er sich aber auch den sanften, anmutigen Tönen nicht verschloss, beweisen seine Triosonaten und anderen kammermusikalischen Werke ebenso wie die innigen und zarten Passagen, die sich in fast allen größeren Werken finden lassen. Während seines Aufenthaltes in Italien zwischen 1706 und 1710 schrieb Händel eine Vielzahl von weltlichen Solokantaten, teils mit obligater Instrumentalbegleitung, teils nur mit Basso continuo. In den römischen Palästen des Marchese Francesco Maria Ruspoli und der Kardinäle Benedetto Pamphilj, Carlo Colonna und Pietro Ottoboni war er ein gern gesehener Gast. Die Häuser waren mit wertvollen Kunstwerken ausgestattet, was Händel sicher beeindruckt hat. Seine römischen Gastgeber gehörten zu den führenden Persönlichkeiten der Accademia dell’Arcadia, einer Vereinigung von Gelehrten und Dichtern, die sich von der antiken Hirtenlandschaft Arkadien inspirieren ließen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in so mancher Kantate, die Händel für die abendlichen Conversazioni der Accademia schrieb, ländliche Idylle und Motive aus der antiken Mythologie anklingen. Gern griff er auch in seinem späteren Schaffen (wie z. B. in Acis and Galatea und Hercules) auf pastorale und mythologische Stoffe zurück.

HHG_rom_piazza_laterano   Rom, Piazza del Popolo. Anonymer kolorierter
  Kupferstich, Guckkastenbild, o. J. BS-IIc, 74
Venedig, Stadtansicht und Markusplatz
Kolorierter Kupferstich von Matthäus Seutter, 
um 1750. BS-IIc, 66
HHG_venedig
HHG_florenz   Florenz, Stadtansicht. Anonymer Kupferstich, nach
  Matthäus Merian, um 1650. BS-IIc, 71
Neapel, Darstellung des Vesuv-Ausbruchs
von 1631. Anonyme Radierung nach
Joachim Sandrart. BS-IIc, 73
HHG_neapel
   


Musik zur öffentlichen Repräsentation
Händel gilt als der unangefochtene Meister repräsentativer Musik in großer Besetzung. Als Hofkapellmeister des Kurfürsten von Hannover hatte er zwar noch keine Gelegenheit zur Komposition aufwändiger Festmusiken, doch schon kurz nach seiner Übersiedlung nach London im Herbst 1712 schrieb er für das englische Königshaus bzw. für offizielle Staatsakte. So entstanden die Ode for the Birthday of Queen Anne sowie das Te Deum und Jubilate für den Frieden von Utrecht, das im Auftrag der Königin nach mehrmonatiger Vorbereitung im Juli 1713 in der St. Paul’s Cathedral erklang. In den darauf folgenden drei Jahrzehnten wurde es immer wieder zu Festgottesdiensten aufgeführt, bis es 1743 vom Dettingen Te Deum abgelöst wurde. Inzwischen war Händel aber schon längst ganz offiziell – und zwar am 25. Februar 1723 – zum „Composer of Musick for his Majesty’s Chappel Royal“ ernannt worden und hatte noch weitere prachtvolle Kirchenmusiken im Auftrag des Königshauses geschrieben. Darunter befinden sich so bedeutende Werke wie die Coronation Anthems zur Krönung von George II. im Jahre 1727 und weitere Anthems für die Chapel Royal sowie nicht minder repräsentative Instrumentalwerke für große Orchesterbesetzungen oder seine berühmte Wassermusik. Dass Händel als Deutscher alle bedeutenden Staatsanlässe musikalisch gestalten durfte, brachte ihm neben dem Ruhm verständlicherweise auch die Missgunst der englischen Kollegen ein.

HHG_st_pauls   St. Pauls Cathedral
  Anonyme Radierung, 1753
  BS IIe, 19
Westminster Abbey. Kupferstich
von Thomas Bowles, 1753. BS-IIe, 12
HHG_westminster_abbey
HHG_king_george_ii   George II., König von England (1683–1760)
  Kupferstich von Johann Elias Ridinger. BS-III, 688

  George II. war bekannt für seine Konflikte mit seinem
  Vater Georg I. und später mit seinem Sohn Friedrich
  Ludwig. Er zeigte wenig Interesse an den
  Regierungsgeschäften und überließ deren Erledigung
  meist seinem Premierminister Robert Walpole.
Anna, Königin von England (1665–1714)
Kupferstich von Johann Georg Wolffgang
BS-III, 200

Königin Anna gewährte Händel im
Dezember 1713 auf Lebenszeit eine
Pension von jährlich 200 Pfund.
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HHG_queen_caroline   Caroline, Königin von England (1683–1737)
  Mezzotinto von John Faber, 1739, nach John
  Vanderbank 1736. BS-III, 16

  Den Tod von Königin Caroline im Jahre 1737 empfand
  Händel als persönlichen Verlust. Das für ihre Trauerfeier
  geschriebene Funeral Anthem for Queen Caroline enthält
  mehrere Zitate deutscher Choräle und damit deutliche
  Bezüge zu ihrem gemeinsamen lutherischen Bekenntnis.
   

Händels London
In seinen ersten Londoner Jahren wohnte Händel in Häusern von Adligen, so z. B. zwischen 1713 und 1716 beim Earl of Burlington in Piccadilly. Da er aber sowohl im Beruflichen als auch im Privaten Unabhängigkeit schätzte, bezog er schließlich 1723 ein neu gebautes Haus in der Brook Street in der Nähe des Hanover Square. Hier wohnte er bis zu seinem Lebensende allein mit seinem Personal. Es ist seit 2001 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Das schmale mehrstöckige Gebäude beherbergte neben mehreren Cembali und einer Hausorgel die Notenbibliothek sowie eine Kunstsammlung, zu der auch zwei Gemälde von Rembrandt gehörten. Hier entstanden die meisten Kompositionen, fanden Proben und Arbeitsberatungen statt, wurden Konzertkarten und Noten verkauft. Der Bassist Gustav Waltz war als Koch angestellt und sorgte dafür, dass Händel seiner sprichwörtlichen Esslust frönen konnte. Händels Sekretär John Christopher Smith fertigte in seiner Kopistenwerkstatt Reinschriften der Kompositionen für Aufführungen und Liebhaberbibliotheken.

Die meisten Wirkungsstätten – wie die St. Paul’s Cathedral, die Westminster Abbey und die Chapel Royal im St. James’s Palace sowie die Theater in Covent Garden, am Haymarket und in Lincoln’s Inn Fields – lagen nicht übermäßig weit von der Brook Street entfernt. Händel hätte notfalls zu Fuß dorthin gehen können. Doch das schickte sich in London für einen Mann von Stand zu dieser Zeit nicht: Man fuhr mit der Kutsche, ließ sich in der Sänfte tragen oder bewegte sich hoch zu Ross. So auch Händel.

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London, Stadtansicht. Kupferstich von Jeremias Wolff, um 1700. BS-IIe, 1

GFH_handels_house   Handel’s House, 1725. Holzschnitt aus
  „Calcott’s Handel Album“, um 1860.
  BS-IIe, 20
Georg Friedrich Händel um 1730.
Gemälde von Hans List nach Philipp
Mercier. BS-I, 45

Auf diesem Gemälde wird Händel
in häuslicher Umgebung dargestellt.
Sein Cembalo mit den gestreiften
Obertasten ähnelt sehr dem heute in
der Bate Collection in Oxford
befindlichen Cembalo von William
Smith, London um 1720.
GFH_Hans_List_nach_Ph.Merci
GFH_burlington_house   Burlington House um 1700. Nachdruck eines
  kolorierten Kupferstiches von William Henry
  Prior. BS-IIe, 64
John Christopher Smith d. J. (1712–1795)
Punktierstich von Eduard John Harding, 1799,
nach Johann Zoffany. BS-III, 41

Auch der Sohn von Händels Sekretär John
Christopher Smith d. Ä. (1683–1763) war
mit Händel befreundet. 1763 erbte er aus
dem Nachlass seines Vaters die
„Musick Books“ Händels.
GFH_J_Chr_Smith
GFH_st_georges_church   St. George’s Church, Hanover Square
  Anonyme Radierung, um 1750. BS-IIe, 16
   

Opernkomponist und Unternehmer
Zwischen seiner ersten Oper Almira, die 1704 noch unter Reinhard Keisers unmittelbarem Einfluss in Hamburg entstand, und der Deidamia von 1741 liegen fast vier Jahrzehnte, in denen Händel insgesamt rund 40 Opern schrieb. Nach seinem großen Erfolg mit Agrippina in Venedig 1709 eroberte er sich 1711 mit Rinaldo das Londoner Publikum. Eine Reise nach Dresden im Sommer 1719 zu der europaweit beachteten Hochzeit des sächsischen Kurprinzen nutzte er, um italienische Spitzensänger wie den Kastraten Senesino für die gerade gegründete Royal Academy of Music in London zu verpflichten. Von den italienischen Gesangsstars hing der Erfolg seiner Opern ganz wesentlich ab. Obwohl die Aufführungen der Royal Academy im King’s Theatre am Haymarket vom englischen Königshaus unterstützt wurden, zwangen finanzielle Probleme Händel wiederholt zur Aufgabe. Enorm hohen Kosten stand ein nachlassendes Publikumsinteresse gegenüber, das 1728 durch die Beggar’s Opera und später durch das Konkurrenzunternehmen Opera of the Nobility noch beschleunigt wurde. Auch die reizvollen Ballettopern, die Händel 1734/35 für das Londoner Covent Garden Theatre schrieb, in dem die berühmte französische Tänzerin Marie Sallé mit ihrer Truppe gastierte, konnten das Scheitern letztlich nicht verhindern.

HHG_heidegger   John James Heidegger (1659-1749)
  Anonymer Punktierstich, o.J., nach John Faber,
  1749, nach Jean Baptiste van Loo. BS-III,311

  Heidegger, ein gebürtiger Schweizer, war
  assistierender Theaterdirektor des Queen's Theatre
  am Haymarket, später Direktor der Royal Academy
  of Music, für die Händel, Giovanni Bononcini und
  Attilio Ariosti Opern komponierten.
Owen McSwiney (-1752)
Mezzotinto von John Faber, 1752,
nach Jean Baptiste van Loo, um
1737, BS-III,134

Der Leiter des Haymarket Theatre,
Owen McSwiney, verschwand 1713
mit den Einnahmen zweier
Teseo-Aufführungen. Obgleich auch
Händel davon betroffen war, arbeitete
er 1730 wieder mit ihm zusammen,
als es darum ging, italienische
Sänger zu engagieren.
HHG_owen_mcswiney
HHG_Covent_Garden   Covent Garden. Radierung von John Maurer,
  um 1740, BS-IIe,9
 
  Im von John Rich (1692-1761) 1731/32 neu
  errichteten Theater in Covent Garden führte
  Händel seit 1734 zahlreiche Opern und
  Oratorien auf.
Francesco Bernardi, gen. Senesino
(um 1680-um 1750) zusammen mit
Carlo Broschi, gen. Farinelli (1705-1782)
Kupferstich von Wilson Lowry, um 1785,
nach Charles Grignion d. Ä. BS-III,78

Der Altkastrat Senesino kam im
September 1720 von Dresden aus nach
London. Mit den Titelpartien in Opern wie
Giulio Cesare in Egitto und Riccardo I.,
Re d'Inghilterra
feierte er Publikumserfolge.
Der berühmteste Kastrat, Carlo Broschi,
genannt Farinelli, ließ sich hingegen nie
von Händel engagieren.
HHG_senesino
   

Meister des englischen Oratoriums
Mitte der 1730er Jahre erlebte Händel eine berufliche und gesundheitliche Krise. 1737 erkrankte er schwer, wurde aber nach einer mehrwöchigen Bäderkur in Aachen wieder gesund. Danach widmete er sich verstärkt dem englischen Oratorium. Bis 1751 entstanden mehr als 20 Werke dieser Gattung. Die meist biblischen Stoffe waren damals allgemein bekannt, und die Engländer identifizierten sich gern mit dem auserwählten Volk des Alten Testaments. Die Darbietung in der Landessprache, aber auch die beeindruckenden Klangwirkungen durch das stark besetzte Orchester und die Chöre trugen sicherlich besonders zum Publikumserfolg bei. Händel waren die größten Kesselpauken, die er in London bekommen konnte, für seine Oratorienaufführungen gerade recht: Er lieh sie aus dem Tower aus. In den Pausen unterhielt er das Publikum mit Orgelkonzerten – einer Gattung, als deren „Erfinder“ er gilt. Händels späte Lebensjahre waren von einer zunehmenden Erblindung überschattet. Sein letztes Oratorium Jephtha von 1751 legt davon ein erschütterndes Zeugnis ab. Am 1. Juni 1750 hatte er bereits testamentarisch über seinen Nachlass verfügt. Bemerkenswert ist seine soziale Haltung: An erster Stelle der Begünstigten steht sein Personal, und er bedachte es großzügig.
Am 14. April 1759 starb Georg Friedrich Händel in seinem Haus in der Brook Street. Sechs Tage später wurde er auf seinen Wunsch hin in der Westminster Abbey beigesetzt. Er wollte in aller Stille begraben werden, aber nicht weniger als 3.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit.

GFH_lincolns_inn_fields   Das Theater in der Portugal Street, Lincoln’s Inn Fields,
  als es Spodes China Warehouse beherbergte.
  Kupferstich von William Wise, 1811, nach George
  Shepherd. BS-IIe, 35
 
  Im „Theatre Royal at Lincoln’s Inn Fields“ führte Händel
  zwischen 1739 und 1741 seine Ode for St. Cecilia’s Day,
  das Oratorium L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato
  sowie seine letzten Opern Imeneo und Deidamia auf.
Georg Friedrich Händel
Punktierstich von Frederick
Christian Lewis d. Ä., 1828,
nach Francis Kyte 1742
BS-I, 97
GFH_haendel_lewis_nach_kyte
GFH_foundling_hospital   Das Foundling Hospital in London
  Anonyme Radierung, 1756. BS-IIe, 24
John Taylor (1702–1772)
Kupferstich von Richard Cooper,
nach 1744, nach William de Nune.
BS-III, 113

Der berühmte Augenarzt hatte
1750 bereits Johann Sebastian
Bach erfolglos behandelt.
Händel wurde von ihm 1758
am Star operiert.
GFH_john_taylor
GFH_grabdenkmal   Grabdenkmal für Händel in der Westminster Abbey
  Kupferstich von Eberhard Siegfried Henne, 1784, nach
  Jean Marie Delattre, nach dem Original von Louis
  François Roubiliac. BS-I, 44
Westminster Abbey,
Nordwest-Ansicht nach 1735
Anonyme Radierung, gedruckt für
Bowles & Carver. BS-IIe, 11
GFH_westminster_abbey
   
GFH_testament

Händels Testament, Abschrift AS-Hendel E1

Im Auftrag der Familie Hendel wurde eine Abschrift von Händels Testament aund allen Kodizillen angefertigt, weil "sich die Sage verbreitet hatte, als lägen noch unerhobene Gelter [sic!] aus der Händelschen Verlassenschaft in dortiger Bank", was sich allerdings als unbegründete Hoffnung herausstellte.


Händel – der Weltbürger
In England wurde Händel bereits zu Lebzeiten hoch verehrt: Nachdem ihm 1727 die englische Staatsbürgerschaft verliehen worden war, setzten ihm 1738 seine Londoner Anhänger in Vauxhall Gardens ein Denkmal. In Deutschland würdigte man ihn 1745 mit der Ernennung zum ersten und einzigen Ehrenmitglied der Mizlerschen Societät der musikalischen Wissenschaften (Leipzig), der auch Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann angehörten.

1784 gab es in London unter der Schirmherrschaft des Königshauses eine „Commemoration of Handel“ zum vermeintlich 100. Geburtstag des Komponisten. Vier Konzerte fanden in Westminster Abbey statt, darunter zwei Aufführungen des Messiah in der großen Besetzung von rund 250 Musikern und noch mehr Sängern unter der Leitung von Joah Bates. Die übrigen Konzerte enthielten eine bunte Mischung aus verschiedenen Anthems, Instrumentalsätzen und Chören aus Oratorien sowie Opernarien. Gäste aus aller Welt kamen nach London. Der Musikhistoriker Charles Burney berichtete ausführlich über dieses Ereignis, das auch in Deutschland ein großes Echo fand. Schon ein Jahr später musste die Feier in London wiederholt werden.

Wolfgang Amadeus Mozart bearbeitete zwischen 1788 und 1790 vier Werke Händels, Acis und Galathea, Der Messias, Cäcilienode und Alexanderfest. Dabei ergänzte er Händels Partitur um obligate Holzblasinstrumente, die der Musik eine zusätzliche Dichte und klangliche Raffinesse geben. Mozarts kongeniale Arrangements fanden schnell Verbreitung.
Felix Mendelssohn Bartholdy bearbeitete 1828/29 Händels Acis and Galatea und Dettingen Te Deum für Aufführungen in der Berliner Sing-Akademie. Arrangements verschiedener Chorwerke und des Oratoriums Israel in Egypt für die Handel Society London folgten. Dabei ergänzte er häufig den Orgelpart und komponierte zusätzliche Bläserstimmen. Mozarts wie Mendelssohn Bartholdys Einrichtungen lassen jederzeit die große Bewunderung für die Vorlagen erkennen. Ihre behutsamen Ergänzungen waren Konzessionen an den Zeitgeschmack, haben die europaweite Verbreitung der Chormusik Händels aber erst ermöglicht.

Bis ins 20. Jahrhundert standen zunächst die Oratorien im Mittelpunkt der Händel-Pflege. Die nationalsozialistischen Kulturverwalter im Deutschland der dreißiger und vierziger Jahre instrumentalisierten die Oratorien für ihre Propaganda und ließen die Texte im Sinne ihrer Ideologie verfälschen. Die Opern galten hingegen selbst bei den größten Händel-Enthusiasten lange als hoffnungslos veraltet und nicht aufführbar. Erst mit dem Experiment einer szenischen Opernaufführung in Göttingen 1920 erwachte das Interesse wieder. Heute hält der Siegeszug der Händeloper zwischen London, Paris, New York und Tokio unvermindert an: Händel ist zum echten Weltbürger geworden.

GFH_bartolozzi_1789   Georg Friedrich Händel. Punktierstich von Francesco
  Bartolozzi, 1789 für die Händel-Gesamtausgabe von
  Samuel Arnold, nach der Statue von Louis François
  Roubiliac in Vauxhall Gardens. BS-I, 33
Händel-Gedächtnisfeier 1784 Innenansicht
der voll besetzten Westminster Abbey
während des ersten Tages.

Farbige Zeichnung von Colonel Bellow
BS-IIe, 49
GFH_gedaechtnisfeier_1784
GFH_apotheosis_of_handel   Apotheosis of Handel
  Stich von James Heath, 1787, nach Biagio Rebecca
  BS-I, 43
   

GFH_crystal_palace_1859

The Great Handel Festival at the Crystal Palace. Stahlstich, The Illustrated London News, 20. Juli 1859.
BS-IIe,70


2.765 Sänger und ca. 460 Orchestermusiker wirkten beim Händelfestival 1859 im Londoner Crystal Palace mit.
Über 80.000 Zuhörer wurden an vier Abenden gezählt.

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G. F. <br/>HändelHÄNDEL-<br/>HausHÄNDEL-<br/>FestspieleHÄNDEL-<br/>Gesellschaft
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