Händel – der Hallenser
Ein Komponist von europäischem Format
Eine viel porträtierte Künstlerpersönlichkeit
Unter der Sonne Arkadiens
Musik zur öffentlichen Repräsentation
Händels London
Opernkomponist und Unternehmer
Meister des englischen Oratoriums
Händel – der Weltbürger
Händel – der Hallenser
Der Raum Händel – der Hallenser bietet eine Zusammenfassung Händels Hallenser Zeit, die in
den Ausstellungsräumen des 2. OG ausführlich präsentiert wird. Am 23. Februar 1685 wurde Georg
Friedrich Händel in diesem Haus geboren und am folgenden Tag in der Marktkirche getauft. Er wuchs
mit seinen beiden jüngeren Schwestern Dorothea Sophia (1687–1718) und Johanna Christiana (1690–1
709) auf und verlebte in Halle seine Kindheit und Jugend. Der Organist der Marktkirche, Friedrich
Wilhelm Zachow (1663–1712), machte ihn mit der mitteldeutschen Kantorentradition sowie
verschiedensten europäischen Nationalstilen vertraut. Im Februar 1702 begann Händel ein Studium an
der noch jungen, sehr fortschrittlichen halleschen Universität. Im folgenden Monat ließ er sich für
ein Jahr zur Probe als Organist am Dom anstellen und komponierte in dieser Zeit nach eigenen
Aussagen „wie der Teufel“.
„Hall in Sachsen“ Kupferstich von Friedrich Bernhard Werner, um 1740 BS-IIa, 159
Ein Komponist von europäischem Format
1703 verließ Händel im Alter von 18 Jahren seine Heimatstadt. Sein Weg führte ihn zunächst
nach Hamburg, wo er eine Anstellung als Geiger und Cembalist erhielt und seine ersten Opern
schrieb. Drei Jahre später reiste er in das Mutterland des Belcanto – nach Italien. Im Januar 1707
erregte er in Rom in der Basilika San Giovanni in Laterano mit seinem Orgelspiel Aufsehen. Als
Musiker und Komponist schlug er bis 1710 nicht nur in Rom, sondern auch in Florenz, Venedig und
Neapel Kleriker und Fürsten in seinen Bann, die ihn mit Aufträgen überhäuften. Neben den beiden
Opern Rodrigo (Florenz 1707)und Agrippina (Venedig 1709) und den Oratorien Il Trionfo del Tempo e
del Disinganno und La Resurrezione (Rom 1707 und 1708) schrieb er in Italien auch zahlreiche
weltliche Solokantaten und lateinische Kirchenmusik.
Nach einem Intermezzo in Hannover als Kapellmeister des Kurfürsten Georg Ludwig, des späteren
Königs George I. von England, ging Händel 1712 nach London, wo er den größten Teil seines Lebens
bis zu seinem Tod verbrachte. Im Winter 1718/19 entstand die Königliche Musikakademie, ein
Aktienunternehmen zur Aufführung italienischer Opern. Der König selbst beteiligte sich mit jährlich
eintausend Pfund.
Über zwei Jahrzehnte lang widmete Händel sich nun als Komponist und freier Unternehmer der
Etablierung der italienischen Opera seria, bevor er sich schließlich verstärkt dem
englischsprachigen Oratorium zuwandte. Außerdem komponierte Händel Festmusiken für das britische
Königshaus. 1723 erhielt er offiziell den Titel eines Hofkomponisten: „Composer of Musick for his
Majesty’s Chappel Royal“, und 1727 die englische Staatsbürgerschaft.
Händel war in mehrfacher Hinsicht ein echter Europäer. Er wuchs in der mitteldeutschen
Musiktradition auf, wurde in Italien berühmt und in England heimisch. Händel sprach fließend
französisch, italienisch und englisch. Musikalisch gelang es ihm, verschiedene europäische
Nationalstile zu einer meisterhaften und neuartigen Synthese zu vereinen. Bis heute wird Händels
Werk weltweit aufgeführt und bewundert.
Hamburg, Stadtplan und Stadtansicht. Radierung von Matthäus Seutter, um 1750. BS-IIb,9b
Rom, Stadtplan. Kupferstich von Johann Baptista Homann, um 1720. BS-IIc,9
Hannover, Stadtansicht. Kupferstich von Caspar Merian, 1637, nach Conrad Buno. BS-IId,26
London, Südwestansicht. Radierung von Thomas Bowles, 1750. BS-IIe,5
Florenz, Stadtplan und Stadtansicht. Kupferstich von Matthäus Seutter, um 1740. BS-IIc,3
Oxford, Stadtansicht. Radierung von Pieter Schenk, um 1710. BS-IIe,36
Dublin, Stadtplan. Altkolorierter Kupferstich von John Andrews, um 1776. BS-IIe,38
Eine viel porträtierte Künstlerpersönlichkeit
Kein Künstler seiner Zeit ist so oft porträtiert worden wie Georg Friedrich Händel. Mehr als
20 Darstellungen sind als authentisch anzusehen. Wir erleben ihn als selbstbewussten, Respekt
einflößenden, ernsten Mann, dann aber auch wieder als freundlich, heiter-gelassen, klug und in sich
gekehrt. Über diese zum Teil sehr gegensätzlichen Charaktereigenschaften berichten seine
Zeitgenossen in Briefen, Tagebuchnotizen, Zeitungsartikeln und Anekdoten. Dass über Händel von
Persönlichkeiten aus Musik, Literatur und Gesellschaft relativ viel geschrieben wurde,
unterstreicht die öffentliche Aufmerksamkeit, die man ihm und seiner Kunst entgegenbrachte.
Händel selbst jedoch äußerte sich über sein privates Leben wenig. Aus Zeitgründen, wie er
angab, lieferte er keinen Textbeitrag für Johann Matthesons Grundlage einer Ehren-Pforte von 1740,
der wir z. B. eine Autobiographie von Telemann verdanken. Lediglich einige Briefe in deutscher,
französischer und englischer Sprache sind uns von ihm erhalten geblieben. Seine Aufmerksamkeit
widmete Händel vor allem dem wichtigsten Teil seines Lebens – seinen originellen und großartigen
Kompositionen sowie deren Aufführung und Verbreitung. Für seine Zeit ungewöhnlich ist die Sorgfalt,
mit der er seine nach 1707 entstandenen Werke datiert, verwahrt, abschreiben lässt oder gar selbst
ediert. Dadurch wird er für alle Zeiten zum besten Sachwalter seiner selbst.
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Georg Friedrich Händel(?)
Ölgemälde, unsigniert, aus dem Umkreis von Thomas Hudson, 18. Jahrhundert. BS-I,113 |
| Georg Friedrich Händel
Kupferstich von Jacobus Houbraken, vor 1738. Dieses Händel-Portät hat der Komponist als Frontispiz zu Partituren seiner Werke selbst veröffentlicht und von seinem Haus in London aus vertrieben, erstmalig 1738 in dem Notenband zu Alexander's Feast. In der unteren Bildhälfte ist eine Scene aus dieser Ode dargestellt. |
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Memoirs of the Life of the Late
George Frederic Handel Händel-Biographie von John Mainwaring, London 1760. 100 021-T Die älteste Händel-Biographie ist gleichzeitig die erste Monographie über einen Komponisten. Sie erschien bereits 1761 in deutscher Übersetzung mit zusätzlichen Kommentaren von Johann Mattheson. |
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General History of the Science and Practice of Music |
Musiklexikon von John Hawkins, Bd. 3 von 5 Bänden, London 1776, 301 319 |
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Rom, Piazza del Popolo. Anonymer kolorierter
Kupferstich, Guckkastenbild, o. J. BS-IIc, 74 |
| Venedig, Stadtansicht und Markusplatz
Kolorierter Kupferstich von Matthäus Seutter, um 1750. BS-IIc, 66 |
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Florenz, Stadtansicht. Anonymer Kupferstich, nach
Matthäus Merian, um 1650. BS-IIc, 71 |
| Neapel, Darstellung des Vesuv-Ausbruchs
von 1631. Anonyme Radierung nach Joachim Sandrart. BS-IIc, 73 |
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St. Pauls Cathedral
Anonyme Radierung, 1753 BS IIe, 19 |
| Westminster Abbey. Kupferstich
von Thomas Bowles, 1753. BS-IIe, 12 |
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George II., König von England (1683–1760)
Kupferstich von Johann Elias Ridinger. BS-III, 688 George II. war bekannt für seine Konflikte mit seinem Vater Georg I. und später mit seinem Sohn Friedrich Ludwig. Er zeigte wenig Interesse an den Regierungsgeschäften und überließ deren Erledigung meist seinem Premierminister Robert Walpole. |
| Anna, Königin von England (1665–1714)
Kupferstich von Johann Georg Wolffgang BS-III, 200 Königin Anna gewährte Händel im Dezember 1713 auf Lebenszeit eine Pension von jährlich 200 Pfund. |
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Caroline, Königin von England (1683–1737)
Mezzotinto von John Faber, 1739, nach John Vanderbank 1736. BS-III, 16 Den Tod von Königin Caroline im Jahre 1737 empfand Händel als persönlichen Verlust. Das für ihre Trauerfeier geschriebene Funeral Anthem for Queen Caroline enthält mehrere Zitate deutscher Choräle und damit deutliche Bezüge zu ihrem gemeinsamen lutherischen Bekenntnis. |
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Handel’s House, 1725. Holzschnitt aus
„Calcott’s Handel Album“, um 1860. BS-IIe, 20 |
| Georg Friedrich Händel um 1730.
Gemälde von Hans List nach Philipp Mercier. BS-I, 45 Auf diesem Gemälde wird Händel in häuslicher Umgebung dargestellt. Sein Cembalo mit den gestreiften Obertasten ähnelt sehr dem heute in der Bate Collection in Oxford befindlichen Cembalo von William Smith, London um 1720. |
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Burlington House um 1700. Nachdruck eines
kolorierten Kupferstiches von William Henry Prior. BS-IIe, 64 |
| John Christopher Smith d. J. (1712–1795)
Punktierstich von Eduard John Harding, 1799, nach Johann Zoffany. BS-III, 41 Auch der Sohn von Händels Sekretär John Christopher Smith d. Ä. (1683–1763) war mit Händel befreundet. 1763 erbte er aus dem Nachlass seines Vaters die „Musick Books“ Händels. |
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St. George’s Church, Hanover Square
Anonyme Radierung, um 1750. BS-IIe, 16 |
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John James Heidegger (1659-1749)
Anonymer Punktierstich, o.J., nach John Faber, 1749, nach Jean Baptiste van Loo. BS-III,311 Heidegger, ein gebürtiger Schweizer, war assistierender Theaterdirektor des Queen's Theatre am Haymarket, später Direktor der Royal Academy of Music, für die Händel, Giovanni Bononcini und Attilio Ariosti Opern komponierten. |
| Owen McSwiney (-1752)
Mezzotinto von John Faber, 1752, nach Jean Baptiste van Loo, um 1737, BS-III,134 Der Leiter des Haymarket Theatre, Owen McSwiney, verschwand 1713 mit den Einnahmen zweier Teseo-Aufführungen. Obgleich auch Händel davon betroffen war, arbeitete er 1730 wieder mit ihm zusammen, als es darum ging, italienische Sänger zu engagieren. |
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Covent Garden. Radierung von John Maurer,
um 1740, BS-IIe,9 Im von John Rich (1692-1761) 1731/32 neu errichteten Theater in Covent Garden führte Händel seit 1734 zahlreiche Opern und Oratorien auf. |
| Francesco Bernardi, gen. Senesino
(um 1680-um 1750) zusammen mit Carlo Broschi, gen. Farinelli (1705-1782) Kupferstich von Wilson Lowry, um 1785, nach Charles Grignion d. Ä. BS-III,78 Der Altkastrat Senesino kam im September 1720 von Dresden aus nach London. Mit den Titelpartien in Opern wie Giulio Cesare in Egitto und Riccardo I., Re d'Inghilterra feierte er Publikumserfolge. Der berühmteste Kastrat, Carlo Broschi, genannt Farinelli, ließ sich hingegen nie von Händel engagieren. |
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Das Theater in der Portugal Street, Lincoln’s Inn Fields,
als es Spodes China Warehouse beherbergte. Kupferstich von William Wise, 1811, nach George Shepherd. BS-IIe, 35 Im „Theatre Royal at Lincoln’s Inn Fields“ führte Händel zwischen 1739 und 1741 seine Ode for St. Cecilia’s Day, das Oratorium L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato sowie seine letzten Opern Imeneo und Deidamia auf. |
| Georg Friedrich Händel
Punktierstich von Frederick Christian Lewis d. Ä., 1828, nach Francis Kyte 1742 BS-I, 97 |
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Das Foundling Hospital in London
Anonyme Radierung, 1756. BS-IIe, 24 |
| John Taylor (1702–1772)
Kupferstich von Richard Cooper, nach 1744, nach William de Nune. BS-III, 113 Der berühmte Augenarzt hatte 1750 bereits Johann Sebastian Bach erfolglos behandelt. Händel wurde von ihm 1758 am Star operiert. |
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Grabdenkmal für Händel in der Westminster Abbey
Kupferstich von Eberhard Siegfried Henne, 1784, nach Jean Marie Delattre, nach dem Original von Louis François Roubiliac. BS-I, 44 |
| Westminster Abbey,
Nordwest-Ansicht nach 1735 Anonyme Radierung, gedruckt für Bowles & Carver. BS-IIe, 11 |
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Georg Friedrich Händel. Punktierstich von Francesco
Bartolozzi, 1789 für die Händel-Gesamtausgabe von Samuel Arnold, nach der Statue von Louis François Roubiliac in Vauxhall Gardens. BS-I, 33 |
| Händel-Gedächtnisfeier 1784 Innenansicht
der voll besetzten Westminster Abbey während des ersten Tages. Farbige Zeichnung von Colonel Bellow BS-IIe, 49 |
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Apotheosis of Handel
Stich von James Heath, 1787, nach Biagio Rebecca BS-I, 43 |


