Die Ausstellung bietet innerhalb eines historisch-chronologischen Ablaufs eine Folge
systematischer Inhalte und ausgewählter Einzelthemen. Streich-, Zupf-, Blas- und Tasteninstrumente
aus Händels Zeit bilden den Auftakt. Es folgen Instrumente der Frühklassik, wie Hammerflügel,
Glasharmonika und Orphika.
Die beiden Ausstellungsebenen sind durch eine von oben einsehbare spätbarocke Orgel
miteinander verbunden. Die zweite Etage zeigt Holz- und Blechblasinstrumente der musikalischen
Klassik und Romantik, aber auch Musikautomaten und besondere Erfindungen im Musikinstrumentenbau.
Modelle, historische Bücher, Noten und Grafiken ergänzen die Präsentation.
ÜBERSICHT 1. ETAGE
1
Der Gesang
2
Instrumentalmusik in Halle
bis 1700
3
Streichinstrumente des 18.
Jahrhunderts
4
Zupfinstrumente des
17./18. Jahrhunderts
5
Clavichord
6
Cembali
7
Harfen
8
Instrumente
verschiedener Gesellschaftsschichten
9
Tafelklaviere
10
Tangentenflügel und Hammerflügel
der Mozart-Zeit
11
Klaviaturerweiterung
(Klangmodell)
12
Glasplattenspiel,
Musikgläser und Glasharmonika
13
Außermusikalische
Ideen im Musikinstrumentenbau
14
Orgel von Johann Gottlieb Mauer
ÜBERSICHT 2. ETAGE
15
Klassisches Orchester
(Klangmodell)
16
Doppel- und
Einfachrohrblattinstrumente
17
Querflöten, Pikkoloflöten, Blockflöten, Flageoletts
18
Blechblasinstrumente des 18./19. Jahrhunderts
19
Hammerflügel der Beethoven-Zeit
20
Klaviere
21
Militärkapellen und ihre Instrumente
22
Volksmusikinstrumente
23
Erfindungen, Patente und Kuriositäten
24
Musikautomaten und Metronome
25
Harmonium und Hammond-Orgel
„SINGEN IST DAS FUNDAMENT ZUR MUSIC IN ALLEN DINGEN“ ::
Der Gesang
„Sängerin“ von Marieke und Timm Kregel, Berlin und Gorsleben
„Wenn mich einer fragen würde, welches das schönste Instrument sey? so sagte ich: Die
Menschliche Stimme.“ Dies schrieb Johann Mattheson 1713. Und fast zur gleichen Zeit versicherte
Georg Philipp Telemann den Lesern seiner Autobiographie: „Singen ist das Fundament zur Music in
allen Dingen.“ Auch für Christian Daniel Schubart sind die Instrumente nur „ Nachahmung des
Gesanges; der Gesang sitzt als König auf dem Throne, und ringsum beugen sich alle Instrumente als
Vasallen vor ihm.“
Leider waren Tonaufnahmen im 18. Jahrhundert noch nicht möglich, so dass die großen
Stimmen aus Händels Zeiten, zum Beispiel einer Anna Strada del Pò oder einer Pauline Kellner,
Sängerin am Hof zu Weißenfels, für immer verloren sind.
Glückerweise jedoch sind historische Musikinstrumente erhalten geblieben. Sie können
erforscht und nachgebaut, teilweise auch noch selbst gespielt werden und vermitteln uns so eine
Vorstellung vom Instrumentalklang jener Zeit.
Wir können z. B. konkret nachvollziehen, für welche Art von Tasteninstrument z. B. Händel,
Mozart oder Beethoven ihre Cembalo- oder Klavierkompositionen geschrieben haben, welche
spieltechnischen und musikalischen Möglichkeiten ihnen zur Verfügung gestanden haben. Dies zu
vermitteln ist eines der Anliegen einer Musikinstrumenten-Sammlung und -Ausstellung.
Da jede Zeit nun jedoch ein charakteristisches Klangideal pflegt, ist es möglich, ansatzweise
auch gewisse Rückschlüsse von bekannten bzw. rekonstruierbaren Musizierweisen auf historische
Singweisen zu ziehen.
STADTPFEIFEREY UND HOBOISTENCOMPAGNIE ::
Instrumentalmusik in Halle bis 1700
Trompeter, Festumzug in Halle 1616, Ausschnitt, Kupferstich von C. Grahle
Als frühes Zeugnis instrumentalen Musizierens in der Region Halle ist in der ersten Vitrine
die Reproduktion einer neolithischen Tontrommel ausgestellt. 33 solcher Tontrommeln sind auf dem
Territorium des heutigen Stadtwaldes von Halle, wo sich Reste einer der ältesten und größten
neolithischen Befestigungen Europas befinden, geborgen worden.
Auch für das mittelalterliche Halle ist die Anwesenheit von Musikanten belegt. Im Jahre 1300
nannte sich eine Straße nach den dort wohnenden Spielleuten die „speleludestrate“ (heute
Spiegelstraße). Von 1382 bis 1680 war Halle Residenzstadt des Administrators des Erzbistums
Magdeburg. Für die Hofmusik waren Instrumentalisten engagiert – zur Zeit Samuel Scheidts vier
Hoftrompeter, ein „Lautenist“, ein „Fiedelist“, ein „Violist“, zwei „Musicanten“ und ein Organist.
Zur Jugendzeit Georg Friedrich Händels gab es in Halle mindestens fünf Instrumentalensembles:
Stadtpfeifer, Kunstgeiger, eine Hoboistencompagnie, Regimentsmusiker der preußischen Garnison und
das Collegium musicum der Universität. Auch Orgelbauer, Pfeifen-, Fiedel- und Posaunenmacher waren
in Halle ansässig.
Mit Ausnahme der kleinen Orgel von Georg Reichel in der Marktkirche sind allerdings keine
Musikinstrumente jener Zeit eindeutig halleschen Instrumentenbauern zuzuordnen. So sind in der
ersten Ausstellungsvitrine stellvertretend Exponate aus anderen Regionen zu sehen.
Langtrompete von Balthasar Fürst, Ellwangen 1762 (MS-298)
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Altposaune von Michael Münkwitz, Rostock 1999 (MS-693)
• Tenor-Zugposaune in B von Michael Leichamschneider, Wien 1738 (MS-314)
• Zinken von Roland Wilson, Köln 2000 (MS-707, 708, 709)
• „Kurfürstenbibel“, Nürnberg 1692
• Diskant-Viola da gamba, Süddeutschland Ende 17. Jh. (MS-213)
• Tenor-Viola da gamba, Anfang 18. Jahrhundert (MS-224)
• Naturwaldhorn in F von Joseph Simon Anger, Graslitz 1770 (MS-290)
• Oboe, Sachsen, evtl. Leipzig um 1770/80 (MS-419)
• Oboe von Johann Heinrich Eichentopf, Leipzig um 1730 (MS-420)
• Fagottino von Johann Heinrich Eichentopf, Leipzig um 1740 (MS-522)
• Fagott von Johann Wolfgang Kenigsperger, Roding um 1740 (MS-435)
• Langtrompete von Johann Caesar, Mitteldeutschland 1810 (MS-300)
• Langtrompete von Balthasar Fürst, Ellwangen 1762 (MS-298)
• Kesselpauken von Friedrich Thieden, Deutschland 1733 (MS-588, 589)
• Harfe von Winfried Goerge, Freising 2000 (MS-720)
• Laute von Johann Ambrosius Weiß, Basel 1621 (MS-165)
• Taschengeige, Deutschland um 1780 (MS-196)
• Dudelsack, Böhmen um 1850 (MS-417)
• Gemälde: „Dudelsackbläser“
• Klarfiedel (Skripky), Westmähren um 1870 (MS-204)
• Alt-Cornamusa der Firma Hermann Moeck, Celle 2000 (G-100)
• Krummhorn von Otto Steinkopf, Berlin nach 1950 (MS-607)
• Theorbenzister, Sachsen um 1700 (MS-134)
• Reproduktion einer neolithischen Tontrommel
GESTRICHENE SAITEN ::
Streichinstrumente des 18. Jahrhunderts
.
Violoncello, Deutschland 2. Hälfte 18. Jahrhundert (MS-249)
und Tenor-Viola da gamba von Joachim Tielke (Händler), Hamburg
um 1701 (MS-222)
Der Streichbogen gelangte im frühen 11. Jahrhundert aus Zentralasien nach Europa. Zunächst
strich man auf bauchigen, von den Zupfinstrumenten hergeleiteten Instrumenten. Später entwickelten
sich eigene Formen: die Viola da braccio (Violinfamilie) und die Viola da gamba (Gambenfamilie).
Die Bauweise der Gamben mit ihren tieferen Zargen und kielbogig ausgeformten Schultern lässt
sich gut an dem Instrument von Joachim Tielke studieren. Ihre sechs Saiten stehen in
Quart-Terzstimmung. Die Tonstufen sind durch Bünde markiert. Wenn der Finger zwischen zwei Bünde
greift, bestimmt der untere Bund die schwingende Saitenlänge.
Dagegen werden die Saiten der flacher gebauten Violininstrumente (ein Violoncello steht hier
zum direkten Vergleich neben der Tielke-Gambe) in Quinten gestimmt und ohne Bünde gespielt. Der
Musiker muss sich die Töne auf dem Griffbrett selbst suchen, ist dafür jedoch in der Tongebung
flexibler.
Ein Sonderfall ist die Viola d’amore, von der wir zwei Exemplare in Bratschengröße und eines
in Violingröße ausgestellt haben. Sie hat die Form einer Gambe, besitzt aber, da sie auf dem Arm
gespielt wird, niedrigere Zargen. Wegen ihres silbrigen „zu Herzen“ gehenden Klanges, hervorgerufen
durch metallene Resonanzsaiten, erhielt sie die Bezeichnung d’amore.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Kontrabass, vermutl. Böhmen um 1750 (MS-258)
• Kontrabass von Nicolas Estienne, Mirecourt 2. Hälfte 18. Jahrhundert (MS-257)
• Violoncello von Thomas Powell, London 1788 (MS-699)
• Violine vermutl. von Gregori Ferdinand Wenger, Augsburg um 1720 (MS-231)
• Violine von Gabriel David Buchstetter, Regensburg 1773 (MS-698)
• Bratsche (Viola) von Joannes Jauck, Graz 1734 (MS-697)
• Tenorgeige, zweifelhafter Zettel: „Paulus Alletsee / München 1735“ (MS-211)
• Viola d’amore von Thomas Rauch, Breslau 1739 (MS-217)
• Violino d’amore von Adam Braun, Markneukirchen 1730 (MS-216)
• Viola d’amore, vermutl. Italien 17. Jh. (MS-215)
• Violine von Friedrich Wilhelm Meisel, Klingenthal 1781 (MS-634)
• Violine von Andreas Hoyer, Klingenthal 1781 (MS-251)
• Bass-Viola da gamba, Decke: Mitte 18. Jahrhundert (MS-223)
• Violoncello, Deutschland 2. Hälfte 18. Jahrhundert (MS-249)
• Bass-Viola da gamba von Joachim Tielke (Händler), Hamburg um 1701
(MS-222)
• Alt-Viola da gamba, vermutlich Tirol 16./17. Jahrhundert (MS-221)
• Diskant-Viola da gamba, zweifelhafter Zettel: „Rudolph Höß / München 1723“
(MS-214)
GEZUPFTE SAITEN ÜBER BÜNDEN ::
Lauten, Mandolinen, Zistern und Gitarren des 17. und 18. Jahrhunderts
.
Mandora von Johann Andreas Kämbl, München nach 1738 (MS-167)
Zupfinstrumente gab es lange vor den Streichinstrumenten. Der Jagdbogen mit seiner Sehne aus
gedrehtem Tierdarm war ihr Urahn. Von ihm ausgehend entwickelten sich Harfen, deren Saiten in einem
Winkel auf dem Resonanzboden stehen, Zithern, deren Saiten parallel zum Resonanzboden verlaufen
sowie Halslauten, bei denen die Saitenebene gleichfalls parallel zur Resonanzdecke liegt, die aber
im Gegensatz zu den Zithern einen Saitenträger (Hals) besitzen. Zur großen Gruppe der Halslauten
gehören die Lauten, Mandolinen, Zistern und Gitarren.
Die Laute hat einen aus Holzspänen zusammengesetzten gewölbten Resonanzkörper, was auch zur
Namensfindung beitrug, denn Holz heißt auf arabisch: al-’ud (Laute, luith,...). Spätestens im 13.
Jahrhundert kam die Laute nach Europa und gehörte vom 15. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu den
beliebtesten Instrumenten der bürgerlichen Musikausübung. Für sie war eine spezielle Griffschrift,
die Lautentabulatur, zu sehen im ausgestellten Reprint von Sebastian Virdungs „Musica getutscht“,
gebräuchlich.
Im Gegensatz zu Lauten und Mandolinen besitzen Zistern und Gitarren Zargen und flache Böden.
Lauten und historische Gitarren sind mit Darmsaiten bezogen, die auf der Decke an einem Querriegel
befestigt sind. Sie haben Darmbünde und werden mit den Fingern gezupft.
Zistern und Mandolinen sind mit Metallsaiten und -bünden ausgestattet. Die Saiten laufen über
einen flachen Steg und sind am Korpusende angehängt. Gespielt werden sie mit einem Blättchen aus
Elfenbein, Horn, Schildpatt oder mit einem Federkiel.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Theorbe (Chitarrone), Italien Ende 17. Jahrhundert
(MS-176)
• Stich: „Concert de Musique“ von C. A. Duflos nach Dominiquain, Paris 18.
Jahrhundert
• „Musica getutscht“ von Sebastian Virdung, Basel 1511 (Reprint 1882)
• Laute, Korpus von Wendelin Tieffenbrucker, Padua Mitte 16. Jahrhundert (MS-168)
• Mandora von Johann Andreas Kämbl, München nach 1738 (MS-167)
• „Musicus autodidaktos“ von Johann Philipp Eisel, Erfurt 1738 (Reprint 1976)
• Mandolino von Domenico Pistachi, Rom 1744 (MS-171)
• Colasciontino, Italien Ende 19. Jahrhundert, im Stile des 17. Jahrhunderts
(MS-170)
• Mandoline von Genuaro Vinaccia, Neapel 1782 (MS-138)
• Mandolone von Antonius Vinaccia, Neapel 1787 (MS-141)
• Mandolinenschule von B. Bortolazzi, Leipzig 1804
• English Guitar, England um 1760 (MS-130)
• English Guitar, London Ende 18. Jahrhundert (MS-129)
• Chitarra battente, vermutl. Florenz Ende 17. Jahrhundert (MS-156)
• Zister von Gottfried Strahl, Soltau (Hannover) 1760 (MS-128)
• Gitarre, Italien 1. Hälfte 18. Jahrhundert (MS-157)
„WAS DU UFF DEM CLAVICHORDIO LERNEST ...“ ::
Das Clavichord – Haus- und Übungsinstrument im Barock
.
Bundfreies Clavichord, Carl Gottlob Sauer, Dresden 1807 (MS-85)
Das Clavichord, dessen Existenz ab 1404 nachgewiesen ist, geht auf das im antiken
Griechenland verwendete Monochord zurück. Bewegliche Stege, die beim Monochord zur
Veranschaulichung von Intervallen dienten, wurden beim Clavichord zu Tangenten umfunktioniert.
Diese schlagen die Saiten an und bestimmen quasi wie die Bünde einer Gitarre oder Viola da gamba
agierend gleichzeitig die schwingende Saitenlänge.
Das Clavichord war ein häusliches Tasteninstrument, auf dem sowohl die großen Meister übten
und komponierten als auch die Damen musizierten. Im Zeitalter der Empfindsamkeit, verbunden mit der
Suche nach intensiverem, persönlichen Ausdruck, erlangte es große Beliebtheit. So bevorzugte C. P.
E. Bach das Clavichord und nutzte seine spieltechnischen Besonderheiten, wie Dynamikdifferenzierung
und Vibrato – von ihm auch „Bebung“ genannt. Um 1800 wurde das Clavichord vom klangstärkeren
Hammerklavier verdrängt.
Aus dieser Zeit stammt das ausgestellte Instrument, bei dem, im Gegensatz zu den frühen
gebundenen Clavichorden, jeder Ton über ein eigenes Saitenpaar verfügt.
DIE HARMONIE DES CLAVICYMBELS ::
Das Cembalo – Solo- und Generalbassinstrument im Barock
Cembalo von Ioannes und Andreas Ruckers, Antwerpen 1599 (MS-65),
vor Illusionsmalerei von Alessio Nalesini, Augsburg 2005
Seit 1397 ist der Name Clavicimbalum überliefert. Er setzt sich zusammen aus den lateinischen
Begriffen clavis, für Taste, und aus tympanon/cymbalum, für die trapezförmige Kastenzither. Die
Saiten des Cembalos werden mit einem Plektrum aus Vogelkiel, Messing, Leder, später auch aus
Kunststoff angerissen.
Im Generalbasszeitalter war das Cembalo eines der wichtigsten Musikinstrumente. Es gehörte
als Harmonieinstrument zur Continuogruppe des Orchesters. Außerdem saß der Kapellmeister am Cembalo
und leitete von hier aus die Aufführung. Es diente zum Komponieren, genauso wie man auf ihm bei
Gesellschaften improvisierte oder die eigens für dieses Instrument geschriebenen großen Werke, wie
die Cembalo-Suiten von Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel, solistisch vortrug. Um
1780 übernahm der dynamisch flexiblere Hammerflügel die zentrale Rolle des Cembalos.
In der Ausstellung befinden sich ein von der berühmten Familie Ruckers 1599 gebautes, im 18.
Jahrhundert verändertes zweimanualiges Cembalo, dessen Werdegang näher in einem Pultbuch und einer
illuminierten Röntgenaufnahme erläutert wird, sowie der Nachbau eines deutschen Cembalos, der mit
einem damals manchmal verwendeten 16'-Register aufwartet.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Cembalo von Ioannes und Andreas Ruckers, Antwerpen 1599 (MS-65)
• Cembalo von Bernhard von Tucher, Leitheim 1999
MIT BEIDEN HÄNDEN GEZUPFT ::
Die Harfe und ihre Geschichte
Hakenharfe, vermutl. Tirol um 1830 (MS-182 ); Diatonische Harfe,
19. Jahrhundert (MS-179) und Harfe von Ferdinand Köhler, Wien 1905 (MS-181)
Bei den Harfen werden die in einem Winkel auf der Decke des Resonanzkastens „stehenden“
Saiten mit beiden Händen gezupft. Die Harfen gehören zu den ältesten Musikinstrumenten und sind auf
fast allen Erdteilen zu finden. Frühgeschichtliche Bogenharfen aus dem sumerischen und
altägyptischen Reich und Winkelharfen aus Mesopotamien besaßen eine offene, aus Resonanzkasten und
Hals bestehende Form. Mit dem Hinzufügen einer Vorderstange entwickelte sich daraus die
Rahmenharfe.
In unserer Vitrine sind u. a. eine diatonische Harfe ohne Umstimmvorrichtung, eine
Hakenharfe, eine Pedalharfe mit Zugkrückenmechanismus und eine Pedalharfe mit Drehscheibenmechanik
ausgestellt.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Pedalharfe, Firma Erard fréres , Paris zwischen 1817 und 1819
(MS-187)
• Pedalharfe, Frankreich um 1785 (MS-186)
• Hakenharfe, vermutl. Tirol um 1830 (MS-182 )
• Diatonische Harfe, 19. Jahrhundert (MS-179)
• Kleine Harfe von Ferdinand Köhler, Wien 1905 (MS-181)
• Ditalharfe (Dital-Harp) nach Edward Light, London um 1820 (MS-189)
ARM UND REICH ::
Instrumente verschiedener Gesellschaftsschichten
Drehleier, vermutlich aus Russland, 19. Jahrhundert (MS-190)
Auf der Straße, im Gasthaus, beim Jahrmarktstreiben, in der Kirche, im Schloss, im
Orchestergraben – an all diesen Orten wird musiziert. Man kann Musikinstrumente mitunter einem
dieser Orte oder einer Musiziersphäre zuordnen, indem man ihr Äußeres, die Qualität der Ausführung
sowie die musikalische Anlage betrachtet.
Anhand der Geschichte von Drehleier und Hackbrett zeigt sich, wie sich ein ursprünglich
volkstümliches Instrument durch Moderichtungen, wie die Schäfer- und Hirtenidylle gegen Ende des
17. Jahrhunderts, zu einem Liebhaberinstrument der höheren Bevölkerungsschicht wandelte. Auf der
Harfe dagegen musizierten immer schon sowohl Musikliebhaber aus vornehmen Kreisen und
professionelle Musiker wie Minnesänger, Hofharfenisten, Orchestermusiker als auch Bettler, Wander-
und Straßenmusikanten.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Harfe von Joseph Schweiger, Stadtamhof Ende 18. Jahrhundert
(MS-183)
• Russische Bauernleier, 19. Jahrhundert (MS-190)
• Bauernhackbrett, 17. Jahrhundert (MS-116)
• Hackbrett des Wandermusikanten, vermutlich Tirol, Ende 18. Jahrhundert (MS-118)
• Stich „Der Leierkasten“ von W. French nach A. v. Ostade
• Französische Leier von Pouget, Ardentes/Indre (Südfrankreich) 1876 (MS-193)
• Kolorierter Stich „Harfenspielerin“, anonym
• Salterio des Hofmusikers von Antonio Battaglia, Mailand 1785 (MS-121)
• „Méthode pour apprendre à jouer de la Vielle“ von Michel Corette, Paris ohne Jahr
• Harfe von Henri Nadermann, Paris Anfang 19. Jahrhundert (MS-188)
IN DER STUBE UND IM SALON ::
Das Tafelklavier
Harfenförmiges Tafelklavier, Süddeutschland um 1780 (MS-546
Das Tafelklavier trat vermutlich in Deutschland in den 1730er Jahren in Erscheinung, rund
dreißig Jahre nach der Entwicklung des Hammerflügels durch Bartolomeo Cristofori in Florenz. Als
dessen platzsparende und preiswerte Ausführung besaß es seit 1790 große Bedeutung für die
bürgerliche Hausmusik. Die oberen Gesellschaftsschichten nutzten das Tafelklavier als
Zweitinstrument im Salon oder im Boudoire der Dame. Sein intimer Klang passt gut zu kleinen
musikalischen Formen wie Bagatellen oder zur Gesangsbegleitung.
Das erste ausgestellte Tafelklavier, gebaut 1777 in London, besitzt schon Pedale, im
Gegensatz zu den in dieser frühen Zeit sonst üblichen Handzügen und Kniehebeln. Mit dem rechten
Pedal lässt sich für größere Lautstärke der Deckel lüften. Das harfenförmige Tafelklavier dagegen
ist mit unbelederten Hämmerchen ausgestattet. Dies macht den Klang besonders hell und prägnant.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Tafelklavier von Adam Beyer, London 1777 (MS-4)
• Harfenförmiges Tafelklavier, Süddeutschland um 1780 (MS-546
PIANO E FORTE ::
Tangentenflügel und Hammerflügel der Mozart-Zeit
Mozart-Raum mit Tangentenflügel, Hammerflügel und Orgel, im Hintergrund Wand mit
illusionistischer Marmorisierung und Mozartportrait von Alessio Nalesini, Augsburg
2005
Ebenfalls noch unbeledert sind die tangentenförmigen Hämmer des Tangentenflügels, ausgestellt
im nächsten Raum. Sein Klang ist dem des Cembalos sehr ähnlich. In geringem Maße jedoch ist
dynamische Differenzierung möglich.
Für die Interpretation mozartscher Musik eignet sich von den drei ebenfalls hier zu sehenden
frühen Hammerflügeln insbesondere das Instrument von Schmidt. Es hat einen hellen, klaren Klang und
zeichnet sich durch einen leichten Anschlag aus.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Tangentenflügel vermutl. von Christoph Friedrich Schmahl,
Regensburg um 1790 (MS-30)
• Hammerflügel, Österreich Mitte 18. Jahrhundert (MS-27)
• Hammerflügel von Johann Evangelist Schmidt, Salzburg nach 1786 (MS-28)
• Hammerflügel der Gebrüder Gräbner, Dresden 1794 (MS-31)
ZU EINEM
ERWEITERTEN TONVORRAT ::
Die Klaviaturerweiterung (Klangmodell)
Ausstellungstafel: „Der Tonumfang vergrößert sich“
Gut zu beobachten bei den ausgestellten Hammerflügeln – weiter verfolgbar in der zweiten
Ausstellungsetage bei den Hammerflügeln der Beethoven-Zeit bis hin zum modernen Instrument – ist
die schrittweise Vergrößerung des Tonumfangs bis zu den heute üblichen 7 1/4 Oktaven.
Der Impuls zu dieser Veränderung kam von zwei Seiten: Einerseits wünschten sich die
Komponisten einen größeren Tonvorrat. Andererseits konnten sich die Instrumentenbauer mit
Neuerungen gut gegenüber der Konkurrenz behaupten und entwickelten aus eigenem Interesse die
technisch nötigen Voraussetzungen für einen erweiterten Saitenbezug (Spreizen, Gusseisenrahmen).
Zur Veranschaulichung der Klaviaturvergrößerung dient ein im Fenstergang installiertes
Modell. Gesampelte Klänge von einigen ausgestellten Instrumenten im jeweilig unterschiedlichen
Tonumfang können über die Klaviatur eines Digitalpianos aktiviert werden.
SPHÄRENMUSIK AUF GLÄSERN ::
Glasplattenspiel, Musikgläser und Glasharmonika
Glasharmonika, vermutl. Böhmen um 1820 (MS-94)
Gläser für die Musik zu nutzen, wussten schon die Perser und Chinesen lange bevor es die
Europäer im Mittelalter herausgefunden hatten. Man kann sie durch Anstreichen mit benetzten Fingern
oder durch Anschlagen mit kleinen Schlegeln zum Klingen bringen.
Die größte Bedeutung unter den Glasinstrumenten besaß die 1762 von Benjamin Franklin
erfundene Glasharmonika. Für sie, aus deren Klängen Christian Friedrich Daniel Schubart das „
Herzblut der Welt“ heraushörte, komponierten
u. a. auch W. A. Mozart, J. A. Hasse, J. F. Reichardt und L. van Beethoven. Der ätherische,
weiche, aber gleichzeitig durchdringende Klang entsprach den Vorstellungen der Zeit.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Musikgläser (Verrillon), England Mitte 19. Jahrhundert (MS-696)
• Glasplattenspiel von R. Hack, London um 1850 (MS-685)
• Glasharmonika, vermutl. Böhmen um 1820 (MS-94)
• Mesmers „Zauberstube“: Glasharmonikamusik im Dienste der Heilkunde (Miniaturzimmer)
MESMERS „ZAUBERSTUBE“ ::
Glasharmonikamusik im Dienste der Heilkunde
„Mesmers Zauberstube“, Figuren und Zimmereinrichtung gespendet von Mini Mundus
Hobby GmbH (Dreieich)
Der Wiener Theologe Franz Anton Mesmer (1734–1815) entwickelte in den 70er Jahren des 18.
Jahrhunderts eine schon zu seiner Zeit umstrittene „Heilmethode“. Er war der Ansicht, die Erde sei
von einem magnetischem Feld („Lebenselexier“) umgeben und Kranke hätten die Verbindung mit diesem
Fluid verloren. Mit Hilfe eines „magnetischen“ Zubers, dem Improvisieren auf der Glasharmonika und
der eigenen „magnetischen Ausstrahlung“ versetzte Mesmer seine Patienten in „ magnetischen Schlaf“.
Durch die Berührung mit der „durchflutenden Kraft“ sollten sie die innere Harmonie zur Natur
zurückgewinnen.
Einfluss nahm der Mesmerismus auf Naturphilosophie (Hegel, Schelling, Schopenhauer,
Sloterdijk) und Dichtung (Jean Paul, E. T. A. Hoffmann, Kleist, Goethe, Balzac, Poe, Thomas Mann).
Heute gilt Mesmer als Entdecker der Hypnose.
FORM UND SYMBOL ::
Außermusikalische Ideen im Musikinstrumentenbau
Lyraflügel von Johann Christian Schleip, Berlin um 1820 (MS-58)
Die äußere Form von Musikinstrumenten, die Materialwahl oder verzierende Details lassen sich
bestimmten Moderichtungen zuordnen. Bei einigen Instrumenten besitzt die Gestaltung darüber hinaus
eine besondere Bedeutung. So nimmt die außergewöhnliche Form von Lyragitarre und Lyraflügel
(letzterer ist auf dem Podest neben der Orgel ausgestellt) symbolischen Bezug zum leierspielenden
Musen- und Lichtgott Apoll.
Manches Musikinstrument dagegen ist selbst zum Symbol geworden. Die Äolsharfe gilt als
Synonym für das Überirdische und Sphärenhafte, da ihre Klänge nicht von Menschenhand erzeugt werden
– ein passendes Motiv für Dichter wie Jean Paul, F. Schiller, J. W. von Goethe, E. Mörike und E. T.
A. Hoffmann.
Auch ganz praktische Verwendungszwecke führen zu eigenwilligen Formen: Mit Stockgeige oder
Orphika konnte der wandernde Romantiker beim Picknick ein Ständchen geben.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Äolsharfe, Süddeutschland Anfang 19. Jahrhundert (MS-122)
• Olifant, Frankreich Mitte 19. Jahrhundert (MS-261)
• Serpent von Robert Wolf & Co., London um 1840 (MS-682)
• Lyragitarre, Deutschland Ende 18. Jahrhundert (MS-154)
• Stockgeige, Vogtland 2. Hälfte 19. Jahrhundert (MS-197)
• Orphika, unsigniert, Joseph Klein zugeschrieben, Wien um 1820 (MS-10)
• Lyraflügel von Johann Christian Schleip, Berlin um 1820 (MS-58)
KÖNIGIN DER
MUSIKINSTRUMENTE ::
Die spätbarocke Orgel von Johann Gottlieb Mauer
Orgel von Johann Gottlieb Mauer, 1770 (MS-639)
Das größte Musikinstrument der Ausstellung, das auch in der Architektur des Museumneubaus
besondere Berücksichtigung findet, ist eine Orgel aus dem Jahre 1770.
Erbaut wurde sie von Johann Gottlieb Mauer für die evangelische Kirche in Tegkwitz bei
Altenburg. Nachdem Mitte der 1970er Jahre das Gerücht aufgekommen war, dass der Ort Tegkwitz einem
Braunkohletagebau weichen müsse, verkaufte die Gemeinde ihre Orgel 1978 an eine Kirchgemeinde nach
Leipzig, wo sie jedoch nie aufgestellt wurde. Von dieser Gemeinde erwarb 1993 das Händel-Haus das
leider nicht mehr vollständig erhaltene Instrument.
Blick ins Innere der Orgel von der zweiten Ausstellungsetage
Nach dreijähriger Wiederaufbauzeit, die in der zum Händel-Haus gehörenden
Restaurierungswerkstatt durchgeführt wurde, finanziell unterstützt durch die Stadt Halle, das Land
Sachsen-Anhalt und die Bundesregierung, erklingt das Instrument in seiner ursprünglichen
Disposition mit 9 Registern auf dem Manual und 3 Registern auf dem Pedal.
Die Stimmtonhöhe liegt bei a1 = 466 Hz (Chorton), die Stimmung ist nach Georg Andreas Sorge
(1764) wohltemperiert eingerichtet.
ALTE
DEUTSCHE SITZORDNUNG ::
Das Klassische Orchester
Orchestermodell, Entwurfszeichnung oe_konzept Halle
Die Gruppierung der Musikinstrumente in einem Sinfonieorchester richtet sich nach den
akustischen und räumlichen Gegebenheiten des Saales und nach den klanglichen Vorstellungen des
Dirigenten.
Die so genannte „Deutsche“ oder auch „Alte Sitzordnung“, bei der sich die ersten und zweiten
Violinen gegenübersitzen, und die seit dem Ende des 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts
bevorzugt wurde, ist Gegenstand eines in der zweiten Ausstellungsetage befindlichen
Orchestermodells.
Auf Leuchttafeln sind die Instrumentengruppen abgebildet. Davor hängen einige
Originalinstrumente aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Über eine Schaltfläche lassen sich die
einzelnen Leuchttafeln ansteuern, wobei jeweils der zugehörige Orchesterpart bzw. auch eine
Kombination erklingt.
Ergänzung findet dieses Modell durch ein Pultbuch, in dem andere Orchesteraufstellungen
abgebildet sind.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Dirigierstab des Halberger Sängerbundes, 1897
• Violine von Leopold Martin Widhalm, Nürnberg 1803 (MS-700)
• Viola (Bratsche) vermutl. von Josef Straub, Röthenbach (Schwarzwald) um 1800 (MS-245)
• Querflöte auf d1 von Kaspar Tauber, Wien um 1820 (MS-339)
• Oboe von Carl Golde d. Ä., Dresden um 1855 (MS-422)
• B-Klarinette von Johann Joseph Ziegler, Wien um 1845 (MS-505)
• Orchesterhorn in B von Johann Gottlieb Roth d. J., Adorf um 1870 (MS-282)
• Langtrompete in C, Bayern um 1800 (MS-299)
• Tenor-Zugposaune in B von Sebastian Oechsner, Aub in Bayern um 1850 (MS-316)
„
EIN GUTES ROHR IST HALB GESPIELET“ ::
Doppel- und Einfachrohrblattinstrumente
Bassetthorn (MS-408), Englischhorn (MS-432), Bassetthorn (MS-407)
Oboenschule aus dem Verlag Johnson, London um 1750
Fagott, Oboe und Klarinette gehören mit zu den wichtigsten Orchester- und Soloinstrumenten
der europäischen Kunstmusik, obgleich sie sich erst relativ spät entwickelten. So entstand in der
Mitte des 17. Jahrhunderts aus dem einteiligen Dulzian das vierteilige Fagott, aus Pommer und
Schalmei die Oboe und sogar erst kurz vor 1700 aus dem Chalumeau die Klarinette. Diese „ neuen“
Instrumente hatten gegenüber ihren Vorgängern einen größeren Tonumfang sowie einen
modulationsfähigeren Klang und waren so den Streichinstrumenten gewachsen, mit denen sie seit ca.
1660 gemeinsam im Orchester spielten.
Klang und Spieleigenschaft der Instrumente hängt wesentlich von der Innenbohrung, der Lage
und des Durchmessers der Grifflöcher sowie von der Beschaffenheit und Größe des Rohrblattes ab. Ein
weicheres Rohrblatt bringt tiefere, ein härteres Rohrblatt dagegen höhere Töne besser zur Geltung.
Das organologisch nicht so einfach einzuordnende Saxophon haben wir aufgrund des
Einfachrohrblattes zu den Klarinetten gestellt. Den konischen Rohrverlauf jedoch teilt es mit den
Oboen und das Material mit den Blechblasinstrumenten.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Oboe d’amore von Otto Mönnig, Leipzig um 1915 (MS-434)
• Englischhorn von Wolfgang Küß, Wien um 1825 (MS-432)
• Englischhorn von Guillaume Triébert & Sons, Paris um 1840 (MS-681)
• Oboe von Thomas Cahusac, London um 1740 (MS-695)
• Oboe von Franz Ludwig, Prag um 1835 (MS-421)
• Oboe von Gottlieb Streitwolf, Göttingen um 1830 (MS-423)
• Oboe von Heinrich Friedrich Meyer, Hannover um 1895 (MS-424)
• Fagott von Johann Benjamin Eisenbrant, Göttingen um 1800 (MS-437)
• Fagott von Heinrich Baesler, Memmingen um 1815 (MS-439)
• Fagott von Julius Jehring, Adorf um 1890 (MS-443)
• Oboenschule aus dem Verlag Johnson, London um 1750
• Alt-Saxophon der Firma Rampone & Cazzani, Mailand um 1920 (MS-660)
• Bass-Klarinette in B der Werkstatt Stengel, Bayreuth um 1880 (MS-404)
• Alt-Klarinette in F von Eduard Skorra, Berlin um 1840 (MS-401)
• Bassetthorn von Frantisek Doleisch d. Ä., Prag um 1790 (MS-406)
• Bassetthorn von Johann Baptist Merklein, Wien um 1810 (MS-408)
• Bassetthorn von Stefan Koch, Wien um 1815 (MS-407)
• B-Klarinette von Josef Wenzel Lausmann, Linz um 1850 (MS-387)
• D-Klarinette, Vogtland um 1820 (MS-412)
• F-Klarinette der Firma Wenzel Horak und Sohn, Prag um 1845 (MS-379)
• As-Klarinette von Anton Jedlicka, Prag um 1840 (MS-380)
FLAUTO DOLCE – SANFT KLINGENDE FLÖTE ::
Querflöten, Pikkoloflöten, Blockflöten, Flageoletts
Alt-Querflöte (Flauto d'amore), Berlin/Potsdam um 1760 (MS-577)
Alt-Blockflöte von Johann Heytz, Berlin um 1720 (MS-320)
Obgleich aus den verschiedensten Materialien hergestellt (die Palette der
Materialien in dieser Vitrine reicht von verschiedenen Holzarten über Elfenbein, Aluminium bis hin
zu Neusilber), zählen die Flöten zu den Holzblasinstrumenten. Grundlegendes akustisches Prinzip
ist, dass der Luftstrom des Bläsers auf eine scharfe Kante trifft und dort geteilt wird. Die dabei
entstehende Wirbelfrequenz bringt über Resonanzwirkung die Luftsäule in der Röhre zum Schwingen.
Man unterscheidet nach der Spielhaltung Längs und Querflöten. Der Ton der zur ersten Gruppe
gehörenden Blockflöte ist obertonarm, daher dunkel und mild und lässt sich nur wenig variieren. Bei
der Querflöte kann der Spieler den Ton durch Veränderung des Anblaswinkels gestalten. Sie besitzt
einen brillanten Klang und genügte daher dem Anspruch eines flexiblen Orchester- und
Solisteninstrumentes.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Pikkoloflöte auf d2 der Werkstatt Garrett, London um 1770
(MS-635)
• Pikkoloflöte auf d2 der Firma Oscar Adler & Co., Markneukirchen um 1930 (MS-354)
• Terzquerflöte auf f1 von Johann Georg Jehring, Adorf um 1825/30 (MS-358)
• Querflöte auf d1, Frankreich um 1720 (MS-334)
• Querflöte auf d1 der Werkstatt Schuchart, London um 1740 (MS-670)
• Querflöte auf d1 von Friedrich Gabriel August Kirst, Potsdam um 1790 (MS-340)
• Nicholsonflöte auf des1 von Alexander Liddle, London um 1850 (MS-371)
• Meyerflöte auf h, Vogtland/Böhmen um 1920 (MS-512)
• Schwedlerflöte auf h der Firma Gustav Mollenhauer & Söhne, Kassel um 1930
(MS-576)
• Alt-Querflöte (Flauto d’amore) auf a, Berlin/Potsdam um 1760 (MS-577)
• Alt-Querflöte auf g von Johann I Ziegler, Wien um 1840 (MS-349)
• Zylindrische Alt-Boehmflöte auf g von Otto Mönnig, Leipzig 1897 (MS-359)
• Querflöte auf d1, Deutschland um 1925 (MS-583), im Flötenetui
• Querflöte auf d1 von Christian Gottlob Lederer, Markneukirchen um 1790 (MS-338), im
historischen
Kasten
• Englisches Doppel-Flageolett auf d2, England um 1845 (MS-509)
• Englisches Doppel-Flageolett auf cis2 von John Briggs, London um 1820 (MS-323)
• Englisches Flageolett auf d2, Vogtland um 1910 (MS-513)
• Sopranino-Blockflöte auf f2 von Friedrich Billing, Warschau Anfang 19. Jahrhundert
(MS-325)
• Alt-Blockflöte auf f1 von Johann Heytz, Berlin um 1720 (MS-320)
• Bassett-Blockflöte auf f von Johann Andreas Bauermann, Leipzig um 1690 (MS-327)
MIT SCHMETTERNDEN UND SAMTENEN TÖNEN
::
Blechblasinstrumente des 18. und 19. Jahrhunderts
Ventilwaldhorn von Andreas Barth, München um 1848 (MS-289)
Tabelle für die Zug- und Maschinenposaune, Prag 1. Hälfte 19. Jahrhundert
Bei den Blechblasinstrumenten wählt der Spieler über Lippenspannung und
Anblasstärke eine der möglichen Resonanzen der Schallröhre. Entscheidend für die Klangfarbe sind
Mundstück (Innenprofil), Rohrverlauf (konisch/zylindrisch) und Schalltrichter (Weite). Die Trompete
hat einen scharfen, brillanten Klang. Sie besitzt ein enges Rohr und wird mit einem Kesselmundstück
gespielt. Der milde Klang des Waldhorns ist durch ein trichterförmiges Mundstück und ein
ausladendes Schallstück bedingt.
Weil auf Naturtrompeten und -hörnern nur die Töne der Naturtonskala des jeweiligen Grundtones
erklingen, nutzten die Bläser Instrumente mit verschiedenen Grundtönen oder mit Aufsteck- und
Inventionsbögen, Grifflöchern und Klappen. Die erfolgreichste Idee hatten 1814 Heinrich Stölzel und
Friedrich Blühmel: Inspiriert von Windleitsystemen im Hüttenwesen konstruierten sie Ventile, mit
denen man per Knopfdruck zusätzliche Rohrstücke aktivieren, die Gesamtrohrlänge also verlängern
kann.
In der Vitrine sind links die engmensurierten Hörner untergebracht, in der Mitte die weiter
mensurierten Instrumente, wie das Helikon, und rechts die Trompeten und Posaunen.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Halbmond in C von Johann Hinrich Ackenhausen, Lüneburg um 1780
(MS-262)
• Parforcehorn in B von Michael Saurle, München um 1840 (MS-285)
• Posthorn in D, Süddeutschland um 1870 (MS-293)
• Orchesterhorn in B von Carl Gottlob Schuster, Markneukichen um 1830 (MS-284)
• Ventilwaldhorn von Andreas Barth, München um 1848 (MS-289)
• Ophikleïde in B, vermutl. der Firma P. L. Gautrot, Paris um 1865 (MS-272)
• Klappenhorn in C von Michael Saurle, München um 1845 (MS-271)
• Ventilkornett von Gautrot Marquart, Paris um 1905 (MS-295)
• Althorn in Es, Markneukirchen um 1850 (MS-274)
• Tenor-Saxhorn in B der Firma Schuster & Co., Markneukirchen um 1880 (MS-277)
• Helikon in F der Firma Carl Ernst Eschenbach, Bautzen um 1890 (MS-280)
• Langtrompete in D, vermutl. von Conrad Lienicke, Leipzig um 1820 (MS-302)
• Inventionstrompete in F von Georg Saurle, München um 1850 (MS-307)
• Klappentrompete in G, Böhmen / Vogtland um 1830 (MS-310)
• Ventiltrompete in B der Firma Ackermann & Lesser, Dresden um 1910 (MS-319)
• Händeltrompete in F von Johann August Köhler & Son, London um 1865 (MS-311)
• Bass-Doppelzugposaune in F, in Chortonstimmung, Markneukirchen 1883 (MS-317)
• Tenor-Zugpasaune in B, vermutl. Böhmen um 1910 (MS-315)
• Tabelle für die Zug- und Maschinenposaune, Prag 1. Hälfte 19. Jahrhundert
MIT VOLLEM,
SINGENDEM TON ::
Hammerflügel der Beethoven-Zeit
Hammerflügel von Nannette Streicher, Wien 1820 (MS-39)
Die vier in der zweiten Ausstellungsetage befindlichen Hammerflügel sind prädestiniert für
Beethovens Klaviermusik, denn Beethoven besaß neben anderen Instrumenten zeitweilig auch
Hammerflügel von Walter, Streicher, Broadwood und Graf.
Der Klang der vier Instrumente und ihre spieltechnischen Möglichkeiten lassen sich gut
miteinander vergleichen. Während der Walter-Flügel sich durch einen kräftigen, direkten Klang
auszeichnet, ist das Instrument der Firma Streicher etwas weicher intoniert. Beide Instrumente
besitzen einen geringen Tastentiefgang und haben einen leichten Anschlag, was eine flüssige,
perlende Spielart ermöglicht.
Dagegen erfordert der im Ergebnis dann jedoch auch klangstärkere Broadwood-Flügel mit seiner „
English Grand Action“ einen kräftigeren Anschlag. Er hat einen besonders tragfähigen Bassklang,
hervorgerufen u. a. auch durch die bis zum tiefsten Ton reichende dreichörige Besaitung.
Mit dem Conrad-Graf-Flügel sind wir schon mitten in der Romantik angelangt. Sein voller,
singender, leicht verhauchter Ton eignet sich hervorragend für Schubert-/Schumann-Literatur.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Hammerflügel von John Broadwood & Sons, London um 1815
(MS-641)
• Hammerflügel von Anton Walter und Sohn, Wien um 1820 (MS-711)
• Hammerflügel von Nannette Streicher, Wien 1820 (MS-39)
• Hammerflügel von Conrad Graf, Wien 1835 (MS-44)
„MAN MÜSSTE KLAVIER SPIELEN KÖNNEN“ ::
Das wirtschaftlich erfolgreiche Pianino
Pianino von Karl Ludwig Howard, Bern um 1835 (MS-88)
Kleine häusliche Tasteninstrumente wie Clavichord, Virginal und Spinett gab es bereits seit
dem 14./15. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert kam das Tafelklavier hinzu, das besonders im Zeitalter
des Biedermeiers sehr beliebt war. Doch keines war wirtschaftlich so erfolgreich wie das
Tasteninstrument mit den vertikal angeordneten Saiten, das man Piano (Kurzform für Pianoforte),
Pianino oder auch einfach nur Klavier nennt.
Erfunden wurde es um 1800 durch John Isaac Hawkins in Philadelphia und unabhängig von ihm
durch Matthias Müller in Wien. Platzsparende, aufrecht stehende Hammerflügel hatte es bereits
vorher gegeben. Das Neue beim Pianino lag darin, die Saiten nach unten zu nehmen.
Beim ausgestellten „Piano droit“ von Howard sind die Saiten einseitig diagonal angeordnet,
bei der „Piano console“ von Pape kreuzen sich die Diskant- und Basssaiten. Letzteres Instrument ist
mit Filzhämmern ausgestattet, wofür sein Erbauer bereits 1826 ein Patent angemeldet hatte.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Pianino von Karl Ludwig Howard, Bern um 1835 (MS-88)
• Piano console von Johann Heinrich Pape, Paris 1844 (MS-87)
„LASST DIE TROMPETEN LADEN, DURCHS LAND DIE
TROMMELN GEHN“ ::
Militärkapellen und ihre Instrumente
Große Trommel evtl. von Mathis Schonbauer, Grünberg 1814 (MS-470)
Beim Militär erfüllen Musikinstrumente verschiedene Funktionen. Ursprünglich dienten sie der
Signalgabe auf dem Schlachtfeld und der Marschbegleitung. Die Kavallerie verwendete für die „
Feldmusik“ Pauken und Trompeten, die Infanterie Trommeln und Querpfeifen.
Seit dem 17. Jahrhundert begann sich die Militärmusik klanglich ästhetisch an der Kunstmusik
zu orientieren und zunehmend auch Unterhaltungs- und Repräsentationsaufgaben zu übernehmen. Die
Militärkapellen wuchsen um Schalmeien, Oboen, Fagotte, Klarinetten, Posaunen, Serpente sowie um
Schellenbaum, Triangeln, Becken und später auch um Saxophone.
Die Erfindung der Ventilmechanik für Blechblasinstrumente, die das Erzeugen chromatischer
Tonfolgen ermöglichte, eröffnete den Musikkorps seit dem 19. Jahrhundert auch die Interpretation
anspruchsvoller Werke, die in Freiluftkonzerten einem großen Teil der Bevölkerung zugänglich waren.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Sopran-Saxophon in B der Firma Oscar Adler, Markneukirchen um
1915 (MS-716)
• Alt-Saxophon in Es der Firma Oscar Adler, Markneukirchen um 1920 (MS-717)
• Wirbeltrommel, Nr. 4261, Österreich 1831 (MS-475)
• Infanteriesignalhorn in C, Sachsen um 1910 (MS-263)
• Infanteriesignalhorn in B der Firma Pfretzschner & Martin, Markneukirchen um 1900
(MS-265)
• Querpfeife auf c2 der Firma Johannes Link, Weißenfels um 1930 (MS-368)
• Kleine Trommel von C. W. Moritz, Berlin um 1900 (MS-478)
• Große Trommel evtl. von Mathis Schonbauer, Grünberg 1814 (MS-470)
• Schellenbaum, Österreich oder Böhmen um 1830 (MS-464)
„DICH, MEIN STILLES TAL, GRÜSS ICH
TAUSENDMAL“ ::
Volksmusikinstrumente
Hirten-Naturhifthorn von Vaclav Pekelsky, Olomouc um 1890 (MS-291)
Mandolinenorchester in Hohenmölsen 1934
Die traditionelle Musikkultur der Völker Europas variiert so stark, dass
es kaum möglich ist, sie zu beschreiben. Groß sind auch Anzahl und Verschiedenartigkeit der
Musikinstrumente.
In der Vergangenheit spielte die Volksmusik eine wichtige Rolle im Leben der Menschen.
Musiziert wurde bei der Arbeit, zu Festen aller Art, zur Begleitung beim Tanz und geselligem
Beisammensein.
Mit der Industrialisierung änderte sich die Lebensweise der Menschen. Maschinell gefertigte
Instrumente bereichern in mancherlei Hinsicht die Volksmusik, naturnahe Bräuche aber geraten in
Vergessenheit. Heute versuchen zahlreiche Folkloregruppen, volkstümliche Musik wieder aufleben zu
lassen.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Sackpfeife (Zampogna), Italien/Sizilien um 1850 (MS-414)
• Flute d’accord vermutl. von Lorenz Walch d. Ä., Berchtesgaden um 1800 (MS-321)
• Schlagzither, Bayern oder Tirol um 1850 (MS-105)
• Hirten-Naturhifthorn von Vaclav Pekelsky, Olomouc um 1890 (MS-291)
• Maultrommel von Ludwig Schwarz, Molln (Oberösterreich) um 1937 (MS-467)
• wechseltöniges Bandoneon, vermutl. Leipzig um 1900 (MS-620)
• Flachmandoline, Deutschland Mitte 20. Jahrhundert (G 97)
• Panflöte aus Schilfrohr, Steiermark um 1940 (MS-361)
• Noten des Mandolinenorchesters aus Hohenmölsen
• Gitarre von Hermann Hauser, München 1913 (MS-161)
WENIGER BEKANNT ::
Erfindungen, Patente und Kuriositäten
Nagelgeige, Süddeutschland/Bayern um 1800 (MS-242)
Alt-Saxophon, „Grafton“, London um 1950 (MS-715) • Stroh-Violine,
Markneukirchen, um 1924 (MS-243)
Die Entwicklung eines Musikinstrumentes kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen. So
besitzen traditionelle Instrumente, wie Flöte und Violine, an deren Werdegang Generationen von
Instrumentenbauern und Musikern beteiligt waren, eine lange Entstehungsgeschichte. Bei anderen
Instrumenten hingegen, deren Klang einem besonderen Zeitgeist entsprach, wie beim Harmonium, lag
die Erfindung „in der Luft“ und geschah zeitgleich an mehreren Orten.
Viele Musikinstrumente jedoch verdanken ihre Entstehung einem einzelnen
experimentierfreudigen Instrumentenbauer, Musiker oder Komponisten. Darunter befinden sich
Musikinstrumente, die aus dem Musikleben nicht mehr wegzudenken sind, wie das Pianoforte und das
Saxophon, aber auch solche, die nur zeitlich oder regional begrenzt eine Rolle gespielt haben und
uns heute ungewöhnlich, geradezu exotisch vorkommen.
Solche Instrumente sind in der vorletzten Vitrine zu sehen. Auch einige besonders geartete
und eher unbekannte Tasteninstrumente befinden sich in der Ausstellung: Ein symmetrisch gebauter
Flügel der Firma Hölling & Spangenberg, dessen Resonanzboden sich unter den Rasten befindet,
ein oberschlägiger Flügel der Firma Stöcker sowie ein elektronisch verstärkter Flügel von 1934.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Kontrabass-Sarrusophon der Firma Couesnon & Cie, Paris um
1900 (MS-713)
• Oktavin von Oskar Adler, Markneukirchen (MS-718)
• Tischharmonium von Alexandre F. Debain, Paris Mitte 19. Jahrhundert (MS-637)
• Kontrabass-Sousaphon von Oskar Ullmann, Leipzig um 1920 (MS-281)
• „SwaneeSax“, England um 1920 (MS-409)
• Alt-Saxophon, Modell „Grafton“, London um 1950 (MS-715)
• Nagelgeige, Süddeutschland/Bayern um 1800 (MS-242)
• Violine vermutl. von August Paulus, Dresden um 1900 (MS-239)
• Ritter-Bratsche vermutl. von K. A. Hörlein, Würzburg Ende 19. Jahrhundert (MS-631)
• Violine von Jakob Kliment, Brno 1891 (MS-238)
• Breitoline (Schoßgeige) von Jakob Kliment, Brno nach 1856 (MS-113)
• Streichzither mit Knopftastatur, Deutschland um 1900 (MS-112)
• Stroh-Violine, D.R.W.Z. Nr. 355393, Markneukirchen um 1925 (MS-243)
• Harfengitarre von Sepp Müller, Kleinholthausen (Westf.) um 1930 (MS-120)
• Stössel-Basslaute, Bauart „Schiffer“ der Dusyma-Werkstätten, Stuttgart um 1930
(MS-174)
• Stössel-Lauten-Schule von Hans Bachem, d. Ä., Köln 1916
• Klaviaturzither (PianoHarp), Sachsen um 1900 (MS-115)
• Flügel von Hölling & Spangenberg, Zeitz um 1900 (MS-658)
• Flügel von Theodor Stöcker, Berlin um 1850 (MS-585)
• „Neo-Bechstein-Flügel“ der Firmen Bechstein und Siemens, Berlin um 1934 (MS-548)
MIT WALZE UND FEDERKRAFT ::
Musikautomaten und Metronome
Detail des Ziffernblattes der Harfenuhr (MS-523)
„Welte-Mignon“-Flügel von Steinway, New York 1924 (MS-582)
Der Wunsch, sich jederzeit an Musik erfreuen zu können, aber auch die Faszination am
künstlich erzeugten Klang und an technischer Spielperfektion, führte schon zeitig zur Entwicklung
von Musikautomaten. Selbstspielende Orgeln waren bereits im vorchristlichen Alexandrien bekannt,
mechanische Glockenspiele in Europa seit Anfang des 14. Jahrhunderts.
Spätestens im 18. Jahrhundert brachte man fast alle herkömmlichen Klangerzeuger durch
Muskel-, Gewichts- oder Federkraft mechanisch zum Klingen. 1796 kam der speziell für Spieldosen
entwickelte Tonkamm hinzu. Als Speichermedium für den
musikalischen Verlauf dienten Walzen, Platten, später auch Notenrollen aus Papier.
Neben einer Spieldose, einem Vogelbauer und einem Symphoneon sind in der letzten Vitrine auch
Metronome ausgestellt, denn das Metronom, mit dem sich musikalisches Zeitmaß fixieren lässt, war
ein erfolgreiches Nebenprodukt jener Musikautomatenerfinder, unter ihnen Johann Nepomuk Mälzel in
Wien (Patent von 1816).
Von den größeren Musikautomaten, die im letzten Ausstellungsraum auf den Podesten stehen,
kommt dem „Welte-Mignon“-Flügel besondere Bedeutung zu. Auf ihm ist es möglich, über
Lochstreifenrollen das kunstfertige Spiel berühmter Virtuosen unter Berücksichtigung von
Anschlagstärke und Pedalgebrauch wiederzugeben. So existieren noch Aufnahmen u. a. von Claude
Debussy, Gustav Mahler, Paul Hindemith, Edward Grieg und Max Reger.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Metronom „Silent Gravity“ von Pinfold, England um 1900 (MSZ-10)
• Metronom „Cabinet“, Frankreich um 1930 (MSZ-8)
• Musurgia Universalis von Athanasius Kircher, Rom 1650
• Schweizer Spieldose, Nr. 6896, um 1910 (MS-603)
• Metronom „de Maelzel“, Frankreich um 1900 (MSZ-9)
• Mechanisches Vogelbauer vermutl. von Charles Bontemps, Paris um 1910 (MS-453)
• Symphoneon der Symphoneonwerke Paul Lochmann, Leipzig um 1895 (MS-484)
• Schrankpolyphon der Polyphon Musikwerke AG, Leipzig um 1910 (MS-671)
• „Welte-Mignon“-Flügel von Steinway, New York 1924 (MS-582)
• Orchestrion-Spieldose der Firma Conrad Felsing, Berlin um 1905 (MS-482)
• Orchestrelle der Firma Aeolian, New York nach 1891 (MS-646)
• Schweizer Spieldose der Firma Charles Paillard, Sainte-Croix um 1890 (MS-508)
• Harfenuhr von J. Z. Fischer, Halle 1758 (MS-523), am Anfang der Ausstellung
befindlich
MIT SANFTEM, SÄUSELNDEM KLANG ::
Das Harmonium – zwischen Kunstanspruch und Orgelersatz
Druckluft-Harmonium von Victor Mustel, Paris 1896 (MS-645)
Kaum ein anderes Instrument war im Laufe seiner Geschichte so umstritten wie das Harmonium.
Erfunden wurde das Instrument mit den durchschlagenden Metallzungen an mehreren Orten unabhängig
voneinander, wobei jeweils ein anderes Musikinstrument hierbei Pate gestanden haben soll: in St.
Petersburg kurz vor 1800 die ostasiatische Mundorgel „sheng“, in Franken um 1810 die Äolsharfe und
in Thüringen um 1824 die Maultrommel.
Entscheidend für die anfängliche Begeisterung war die Möglichkeit, den Klang an- und
abschwellen lassen zu können. Diese auch „Expression“ genannte Spielart war eine Eigenschaft des
Druckluft-Harmoniums, nicht jedoch des später entwickelten Saugluft-Harmoniums, das mit seinem
weichen, starren Ton in der professionellen Musik nur wenig Anklang fand. Das preiswerte
Saugluft-Harmonium wurde dennoch massenweise produziert und diente in der Haus-, Salon- und
Kirchenmusik als Orgel- und Blasorchesterersatz.
Später wurde das Harmonium von der Elektroorgel (die in der Ausstellung stellvertretend von
einer späten Hammond-Orgel repräsentiert wird) in dieser Funktion abgelöst.
AUSSTELLUNGSSTÜCKE
• Druckluft-Harmonium von Victor Mustel, Paris 1896 (MS-645)
• Saugluft-Harmonium von Gustav Liebig, Zeitz um 1915 (MS-647)
• Hammond-Orgel „R 182“ der Firma Hammond Organ Co., Chicago 1973 (MS-729)